Niederösterreich

Erstellt am 15. März 2019, 12:28

von Anita Kiefer

Problemkind Wiener Stammstrecke. Nach dem Verfehlen der ÖBB-Pünktlichkeitsziele im Jahr 2018 für die Wiener Stammstrecke haben ÖBB und Land Niederösterreich ein entsprechendes Maßnahmenpaket geschürt.

VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll (von links), Landesrat Ludwig Schleritzko und ÖBB-Regionalmanager Michael Elsner präsentierten die Pläne, um die Pünktlichkeit auf der Stammstrecke zu verbessern.  |  Anita Kiefer

Eigentlich ist im Verkehrsdienstevertrag des Landes Niederösterreich mit den ÖBB eine Pünktlichkeit der Züge von 95 Prozent vertraglich festgelegt. Für ganz Niederösterreich wurde dieses Ziel mit einem Wert von 95,3 Prozent auch erreicht. Für die Wiener Stammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling mit einem Wert von 94,3 Prozent aber nicht.

Extrem hohe Frequenz

Ein Grund des Problems: „Alle 3 Minuten nutzt ein Zug diese Infrastruktur der Wiener Stammstrecke.“ Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (VP) machte am Vormittag vor Journalisten deutlich, wie hochfrequentiert die Wiener Stammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling in Wien aktuell ist.

20 Züge können hier aktuell maximal pro Stunde fahren – tatsächlich fahren aktuell 19 Züge pro Stunde, der Rest ist Puffer für etwaige Störungen. Das macht 711 Züge pro Tag, die auf dieser Strecke, die die meistgenutzte von Niederösterreichischen Pendlern ist, verkehren. „Wir brauchen den Bau einer neuen, weiteren Stammstrecke durch Wien durch“, so Schleritzko.

94,3 Prozent "nicht akzeptabel"

Bis es soweit ist, wollen Land, ÖBB und VOR an der Verbesserung der Pünktlichkeit auf der aktuellen Stammstrecke arbeiten. Der Pünktlichkeitswert von 94,3 Prozent sei „für uns nicht akzeptabel“, betonte Schleritzko. Denn dies trage nicht dazu bei, den Öffentlichen Verkehr für die Menschen attraktiver zu machen.

Was die Maßnahmen angeht, so werden bis zum Jahr 2021 24 neue Cityjets die älteren Fahrzeuge der Triebwagenserie 4020 ersetzen. Aber auch die 4020er-Ganituren, die noch im Einsatz sind, werden technisch upgedatet. Aktuell sind laut ÖBB-Regionalmanager Michael Elsner 108 Cityjets und 66 der älteren 4020er-Triebwagenserie im Einsatz. In einem Jahr werden es dann nur mehr 38 sein. Und: Auch die Triebfahrzeuge der Serie 1144, die als Doppelstockzüge fahren, erhalten ein technisches Update.

Diverse Maßnahmen 

Darüber hinaus wird es Anpassungen bei der Betriebsführungssoftware geben, auf der S7 werden zusätzliche Lokführer eingesetzt, um das Wenden der Züge im Bahnhof Wien-Flughafen zu verbessern. Ab 6. Mai wird außerdem in Wien Liesing und in Wien Floridsdorf eine sogenannte Blaulichtgarnitur eingesetzt. Diese sind dazu da, bei etwaigen Störungen sofort vor Ort eingreifen zu können.

Auch Höhenkontrollen seine geplant, die Kollisionen von Lkw mit Brücken und die dadurch entstehenden Störungen minimieren sollen. Dieses Potpourri an Maßnahmen soll dazu beitragen, bei Störungen schneller handeln zu können bzw. diesen überhaupt vorzubeugen.

Stammstrecke könnte bis zu zwei Milliarden Euro kosten

Was eine zweite Stammstrecke durch Wien angeht, so bezifferte Schleritzko die Kosten für den Bau einer solchen mit 1,5 bis zwei Milliarden Euro. VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll kann sich eine solche Stammstrecke als Untertunnelung vom Nordwesten Richtung Osten vorstellen, also etwa von der Franz-Josefs-Bahn Richtung Flughafenschnellbahn. Eine Planungsgesellschaft aus Vertretern von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland sei hier gerade dabei, eine Linienführung zu planen.