Mangelware Bankomat.... Bankomaten werden in ländlichen Gebieten immer weniger. Grund: Geringe Frequenz und Kosten.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 23. Januar 2018 (02:54)
APA/Helmut Fohringer
Das Betreiben eines Bankomaten ohne Bankfiliale kostet Banken zwischen 1.000 und 2.000 Euro im Monat.

Schnell und bequem Bargeld beheben, und zwar immer und überall – so einfach ist das in entlegenen, ländlichen Gebieten nicht. Banken schließen unrentable Filialen – mit diesen fällt häufig die Bargeldversorgung via Bankomat weg. Es handelt sich dabei aber oft auch um von Touristen frequentierte Regionen in Niederösterreich.

Einige Beispiele: Zwischen Melk und Mautern auf der südlichen Donauseite etwa gab es für die Dauer von 2,5 Jahren keinen Bankomaten – das ist eine Strecke von fast 35 Kilometern. Erst seit wenigen Monaten gibt es hier in Rossatz wieder Bargeldversorgung. Auf der nördlichen Donauseite wackeln im Bezirk Melk aktuell einige der vorhandenen Geldautomaten. Die Volksbank in Klein Pöchlarn schließt Ende Februar. Die Gemeinde will sich hier jedoch bemühen, eine Bankomatlösung weiter anzubieten. Die Raiffeisen-Filiale in Emmersdorf könnte von geplanten Schließungen betroffen sein. Auch die Skiregion Lackenhof im Bezirk Scheibbs hat seit April 2017 keinen Bankomaten mehr – der nächstgelegene steht in Lunz.

Laut Nationalbank und Payment Service Austria (PSA; steht im Eigentum österreichischer Banken), nimmt die Zahl der von Banken betriebenen Bankomaten bundesweit ab. 2013 wurden 7.900 Bankomaten von Banken betrieben – das waren 92 Prozent aller Bankomaten, Mitte 2017 waren es nur mehr 7.400 (84 Prozent). Die übrigen Geldautomaten gehören Anbietern wie etwa Euronet.

Betriebskosten von bis zu 2.000 Euro

Es ist der Faktor Kosten, der Banken zur Schließung von Filialen und auch zum Abbau von bestehenden Bankomaten zwingt. „Wir gehen mit diesen Entscheidungen keinesfalls leichtfertig um. Die Nahversorgung ist uns ein Anliegen. Wir müssen unseren Eigentümern aber auch eine Strategie vorlegen, die zukunftsträchtig ist“, sagt Johann Vieghofer, Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer NÖ. Denn: „Auch Banken haben betriebswirtschaftlich zu bilanzieren.“

Ein Blick auf die Kosten: Zwischen 1.000 und 2.000 Euro an laufenden Kosten fallen pro Monat laut Vieghofer für eine Bank an, die einen alleinstehenden Bankomaten betreibt. Diese teilen sich in EDV-, Sach- und Personalkosten, wobei die EDV zwei Drittel der Gesamtkosten ausmacht. „Das sind etwa Lizenzkosten für Software.“ Außerdem kostet der Bankomat, der eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren hat, in der Anschaffung rund 15.000 Euro.

Einen Lösungsansatz für die Problematik hat Vieghofer. Wo es Nahversorger gibt, könnte Geld beim Einkauf in einem Geschäft behoben werden. „Dem Kunden werden beim Einkauf die Kosten für den Einkauf plus die Summe, die sie beheben wollen, bei Kartenzahlung abgebucht. Das Geld, das behoben werden soll, wird ausbezahlt.“