Behörde ermittelt zu ÖBB-Einmannbetrieb. BEDENKEN / ÖBB führen immer mehr Züge ohne Zugbegleiter, Lokführer beklagen Sicherheitsrisken für Fahrgäste. Das Arbeitsinspektorat ermittelt, das Unternehmen gibt sich gelassen.

Erstellt am 06. Februar 2012 (00:00)
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VON HEINZ BIDNER

Auf einschlägigen Bahn-Internetforen ist der sogenannte 0:0-Fahrbetrieb bei den ÖBB schon lange ein heißes Thema. Dabei erfolgt die Abfertigung von Zügen allein durch Triebfahrzeugführer – also ohne Zugbegleiter.

Die neuerliche schrittweise Ausdehnung dieses kostensparenden Fahrbetriebs im Nahverkehr seit Mitte Jänner auf alle blau-weißen Schnellbahngarnituren der 4020-Reihe und Talent-Garnituren hat wohl das Fass zum Überlaufen gebracht. Wie die NÖN erfuhr, haben Lokführer ihre Sicherheitsbedenken an das Verkehrsarbeitsinspektorat (VAI) im Verkehrsministerium herangetragen, das in dieser Causa nun ermittelt.

Kritik an fehlendem Wissen  und Schulungen für Notfälle

Für Kritik in der Belegschaft sorgen mangelhafte Regelungen für Notfälle samt fehlenden Schulungen. „Für den 0:0-Betrieb ist zwar der technische Bereich geregelt, aber nicht der menschliche“, fasst Horst Pammer, NÖ-Landesvorsitzender der Gewerkschaft vida, zusammen. Die Sicherheitsbedenken der Belegschaft teile er: „Man kann nicht davon ausgehen, dass schon nichts passieren wird.“

Ein Problem wäre demnach, dass nur ein Teil der Lokführer eine Erstretter-Ausbildung hätte, so Pammer. „Und wer hilft im Notfall bei einer Evakuierung den Fahrgästen über die Gleise, wenn der Lokführer den Triebwagen nicht verlassen darf?“, fragt der Gewerkschafter. Die betroffenen ÖBB-Teilgesellschaften (Infrastruktur, Personenverkehr und Produktion) sind jedenfalls aufgefordert, bis Ende dieser Woche Stellungnahmen abzugeben. Aus dem Büro von Verkehrsministerin Doris Bures ist keine nähere Auskunft zum Thema erhältlich, nur: „Das ist ein laufendes Ermittlungsverfahren, daher können wir dazu nichts sagen.“ Auch die ÖBB wollen ihrer eigenen Stellungnahme nicht vorgreifen, sagt Sprecher Christopher Seif zu den geäußerten Sicherheitsbedenken. Man sehe aber „diese Angelegenheit relativ gelassen, da wir diese Form des Betriebes ja nicht neu erfinden, sondern das beispielsweise bei den 5047-Triebwägen schon seit zirka 20 Jahren praktizieren“.

Außerdem relativiert Seif die aktuelle Ausdehnung des 0:0-Betriebs. Diese Regelung bedeute nur, dass ein Zug „aus betrieblichen Gründen nicht mehr mit einem Zugbegleiter zu besetzen ist“, sagt der ÖBB-Sprecher: „Das heißt aber nicht, dass wir in diesen Zügen keinen Zugbegleiter mehr einsetzen werden.“ In diesen Fällen würde nun die Kon-trolltätigkeit im Vordergrund stehen. Klar sei aber, dass eben nicht in jedem Zug Begleiter wären.