bei Volksbanken. ÖVAG, rechnet in drei Jahren mit 35 statt 51 Regionalbanken.

Erstellt am 07. Juli 2013 (14:54)
NOEN, APA/HERBERT NEUBAUER
Von Heinz Bidner

Im Volksbankensektor bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Weder bei der teilverstaatlichten Volksbanken AG (ÖVAG) noch bei den eigenständigen Volksbanken.

Die Fäden beim Umbau der Gruppe zieht der gebürtige Mistelbacher Rainer Borns, der nun im Raum Wiener Neustadt lebt. Er wurde vor knapp einem Jahr in den Vorstand der Wiener ÖVAG berufen. Zu seinen Kernaufgaben zählen vor allem Effizienzsteigerungen und eine Neustrukturierung. Im NÖN-Gespräch zieht er eine erste Zwischenbilanz.

Bereits umgesetzt ist demnach ein Haftungsverbund für alle Institute der Gruppe, der sich an der holländischen Rabobank und an den strengeren EU-Regelungen wie Basel III orientiert. „Ab einer Kreditvergabehöhe von 15 Millionen Euro müssen sich die Institute mit der ÖVAG abstimmen“, erklärt Borns.

„Die meisten Synergien können wir bei der Vereinheitlichung der EDV und Organisation heben“, sagt der ÖVAG-Vorstand. Inklusive der Anpassung an die regulatorischen Vorgaben würde das die Gruppe rund 16 Millionen Euro kosten. „Das wird aber zehn Millionen Euro pro Jahr bringen“, rechnet er mit einer Amortisation in den nächsten zwei Jahren.

Auch bei den Personalkosten wird gespart. Während im Vorjahr 15 Prozent der Mitarbeiter abgebaut wurden, sollen heuer nochmals zehn Prozent der Jobs wegfallen. Aktuell verfügt die ÖVAG samt Töchtern noch über 1.000 Mitarbeiter im Inland.

„Die ÖVAG konzentriert sich in Zukunft auf den Markt Österreich und braucht daher viele Aktiva nicht mehr, und die gibt sie derzeit ab – wie Kredite und Immobilienfinanzierungen im Osten“, begründet Borns diesen Schritt. Erst Ende Juni übernahm die Raiffeisen-Gruppe Kreditforderungen an Firmenkunden, um das Eigenkapital der ÖVAG zu entlasten. Im Zuge der Restrukturierung und dabei vereinbarten Schrumpfung des Geschäfts der ÖVAG hatte Raiffeisen 2012 zugesagt, Assets in Höhe von rund einer Milliarde zu übernehmen. Nun wurde ein Drittel davon fixiert. Beim großen Rest rechnet Borns mit einer Lösung in diesem Jahr.

Ein Drittel der Banken könnte fusionieren 

Aber auch die einzelnen Volksbanken arbeiten an Synergien. „Da kann es Sinn machen, wenn die Banken regional zusammengehen, um am Markt noch stärker zu sein“, meint Borns. Für heuer sind zwei Fusionen unter den derzeit 51 Volksbanken (17 davon in NÖ) bereits fix. In Ostösterreich geht Baden zu Wien. In der Steiermark kommen Aichfeld-Murboden sowie Enns-/Paltental zu Mürztal-Leoben.

„Wir werden in zwei, drei Jahren vielleicht 35 Volksbanken sehen“, schätzt Borns: „Wir wollen uns dabei nicht aus dem Geschäft zurückziehen, sondern – im Gegenteil – das Geschäft vor allem mit Klein- und Mittelbetrieben intensivieren.“ Ob der Stand von bundesweit rund 5.000 Mitarbeitern gehalten wird, könne er noch nicht sagen. Die Zahl der bislang 520 Filialen dürfte jedenfalls nur leicht auf etwa 500 zurückgehen, rechnet Borns: „Die Filiale wird als Kontaktpunkt zum Kunden auch weiterhin ihre strategische Bedeutung behalten.“

Wie viel Geld der Steuerzahler von der ÖVAG, die in den letzten Jahren staatliche Milliardenhilfe erhielt (Infobox), 2018 zurückbekommt, ist offen. „Ich wäre ein Prophet, wenn ich das vorhersehen könnte. Man kann nur sagen, dass sich die Volksbanken anstrengen werden, möglichst gut zu wirtschaften und möglichst viel davon selbst zu stemmen“, sagt Borns. Ein Schritt dafür wären die Effizienzsteigerungsmaßnahmen samt neuer Struktur.

Die ÖVAG dürfte eigenen Prognosen zufolge jedenfalls heuer tief in den roten Zahlen bleiben. Im ersten Quartal belief sich der Konzernverlust auf 21 Millionen Euro.

Daten & Fakten

Struktur. Die Volksbank-Gruppe besteht aus 51 genossenschaftlichen Volksbanken, deren Spitzeninstitut Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) sowie Tochtergesellschaften und Beteiligungen.

ÖVAG. 2009 erhielt die angeschlagene ÖVAG vom Staat eine Milliarde Euro Partizipationskapital, wovon 700 Millionen 2012 abgeschrieben werden mussten. Über eine Kapitalerhöhung wurden zudem 250 Millionen vom Staat und 230 Millionen von den Volksbanken eingebracht. Dazu kam eine Staatshaftung über 100 Millionen Euro. ÖVAG-Hauptaktionäre sind die Volksbanken (50,1 %) und die Republik (43,3 %). 2018 muss der Staat aus regulatorischen Gründen aus der ÖVAG aussteigen.

„Ich wäre ein Prophet, wenn ich das vorhersehen könnte“, sagt ÖVAG-Vorstand Rainer Borns auf die Frage, wie viel von der Milliarden-Staatshilfe bis 2018 zurückgezahlt werden kann.

APA