„Beratung von 7 bis 22 Uhr“. Umstrukturierung / In NÖ steht für Bank Austria-Chef Cernko jede fünfte Filiale auf dem Prüfstand. Im Gegenzug soll die Online- Beratung via Web-Cam im Schichtbetrieb bundesweit ausge- baut werden. Verhandlungen mit dem Betriebs- rat laufen.

Erstellt am 24. März 2013 (13:42)
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Von Heinz Bidner

„Wir werden das Filialnetz konsolidieren. Auf der anderen Seite sperren wir auf dem virtuellen Marktplatz Filialen auf“, sagt Bank Austria-Chef Willibald Cernko im NÖN-Gespräch.

Laut Studien müsste in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Europa und im Speziellen in Österreich ein Drittel der Filialen geschlossen werden. Das wären vor allem Klein- und Kleinstfilialen mit zwei bis vier Mitarbeitern, die wirtschaftlich schwer darstellbar sind.

Auch die Bank Austria sei davon betroffen – „möglicherweise aber weniger als der Wettbewerb, da wir schon jetzt sehr stark auf die Ballungsräume konzentriert sind“. Derzeit verfüge man über 370 Geschäftsstellen in Österreich. Von den 28 Filialen in NÖ stehe „eine Handvoll“ am Prüfstand.

„Wir sehen uns nun jeden Standort an“, sagt Cernko. Ende Mai, Anfang Juni werde das Ergebnis vorliegen. Klar sei: „Wir werden weniger Filialen haben, die werden aber größer und anders gestaltet sein.“ Zudem werde überprüft, ob Standorte in andere Stadtteile verlegt werden sollen. Bis Ende 2015 soll das Konzept umgesetzt werden.

„Wir sind kein Amt, sondern Dienstleister"

Parallel dazu wird der virtuelle Marktplatz mit Beratungsspezialisten ausgebaut. „Es gibt genug junge Leute, die keine Filiale mehr betreten“, erklärt Cernko. Auf den Trend müsse man reagieren.

„Wir werden im Herbst 75 bis 80 Leute ausgebildet haben, bis 2015 sollen es 300 bis 400 Berater sein“, sagt der Bankchef. Derzeit läuft ein Pilotbetrieb.

Via Web-Cam wird man dann über eine gesicherte Internetverbindung seinen persönlichen Betreuer haben. Man wird ihn über den Computerbildschirm sehen und sprechen sowie Dokumente online austauschen können, so Cernko: „Es ist geplant, dieses Service von 7 bis 22 Uhr anzubieten.“ Im Schichtbetrieb, auch am Samstag.

Ob dieses Vorhaben bei der Personalvertretung auf Gegenliebe stößt, wird sich zeigen. „Wir verhandeln gerade mit dem Betriebsrat“, erklärt Cernko: „Es geht nur um eine Flexibilisierung der Arbeitszeit der Bankmitarbeiter.“ Und er stellt klar: „Wir beziehen unser Gehalt vom Kunden und daher bestimmt der Kunde, wann wir da zu sein haben. Wir sind kein Amt, sondern ein Dienstleister.“

Das Ziel: 2020 sollten auch die Mitarbeiter in den klassischen Filialen zusätzlich via Internet beraten können.

Die zur italienischen Unicredit gehörenden Bank Austria verbuchte im Vorjahr einen Nettogewinn von 423 Millionen Euro. In NÖ lag das Veranlagungsvolumen laut Landesdirektor Christian Redl bei 5,9 Milliarden Euro (plus 6,4 Prozent zu 2011). Das Kreditvolumen sank wegen abgeschwächter Nachfrage auf 6,5 Milliarden Euro (minus 2,3 Prozent).

Raiffeisen Melk schließt 9 Filialen

    Foto: APA/ Pfarrhofer

Vor allem die strengeren Eigenkapitalvorschriften (Basel III) zwingen die Banken, ihre Rentabilität zu erhöhen. Wie die NÖN erfuhr, schließt die Raiffeisenbank Region Melk mit Sitz in Pöchlarn deshalb mit Ende April 9 ihrer 20 Filialen. Dabei handelt es sich um Standorte, die nur ein bis zwei Mal pro Woche geöffnet haben. Wie berichtet, sperrt auch die Erste Bank bis Ende April 7 ihrer 49 Filialen in NÖ zu.-wf/hb-