Beratungen explodierten in der Corona-Krise. Der Verein "pro Konsument" und das Land NÖ verlängern ihre Kooperation. Von den Beratungen zu Themen rund um den Konsumentenschutz profitieren auch Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher ohne Arbeiterkammer-Mitgliedschaft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 24. Juni 2020 (13:46)
AK NÖ-Präsident Markus Wieser, AK NÖ-Direktorin und Obfrau von pro Konsument Bettina Heise sowie Landeshauptfraustellvertreter Franz Schnabl verlängern die gemeinsame Initiative "pro Konsument" zwischen AK NÖ und dem Land NÖ.
Stefanie Marek

Fast 1000 Anfragen zum Konsumentenschutz pro Woche, pro Tag beinahe doppelt so viele wie sonst, verzeichnet die Arbeiterkammer seit Beginn der Corona-Krise. Die häufigsten Fragen betreffen derzeit vor allem Reisen und Flüge, aber auch Probleme mit Internetbetrug, Versicherungen und Kreditstundungen sind ein Thema.  Seit 2002 gibt es "pro Konsument" eine Kooperation zwischen dem Land Niederösterreich und der niederösterreichischen Arbeiterkammer, diese wird jetzt um ein Jahr verlängert.

"Konsumentenprobleme treffen jede und jeden in Niederösterreich, das ist keine Frage der Ausbildung oder der Herkunft. Das sind Probleme, die man nicht jeden Tag hat, weil man auch nicht in jedem Bereich das nötige Wissen hat", so AK NÖ-Direktorin und Obfrau von pro Konsument, Bettina Heise. Sie verweist etwa auf Probleme mit Fake-Shops, die die Angst der Menschen vor Corona ausnutzen und Geld für Schutzmasken und Desinfektionsmittel kassieren ohne diese zu liefern, aber auch In-App-Käufen und Kreditkartenfragen seien wiederkehrende Themen.

Konsumentenschutz ist relevanter denn je

Heise sowie AK NÖ-Präsident Markus Wieser und Landeshauptfraustellvertreter Franz Schnabl (SPÖ) zogen bei einer heutigen Pressekonferenz Bilanz: Konsumentenschutz sei nach wie vor ein sehr gefragtes Thema. Fast 13.000 Beratungen wurden allein im vergangenen Jahr durchgeführt, die meisten Anfragen gab es im Vorjahr zum Thema Wohnen. Corona führte zu einem extremen Anstieg der Anfragen.

"Mein Dank gilt den Mitarbeitern von pro Konsument", sagt Franz Schnabl. Diese hätten die Flut an Anfragen sehr gut gemeistert und vielen Menschen geholfen. "Ich freue mich, die erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen zu dürfen", so Schnabl weiter. "Sie ist wichtig für Niederösterreich weil Sicherheit und Vertrauen hier an oberster Stelle stehen. Der Konsument muss sich auf kompetente Beratung verlassen können und auf Produkte und Dienstleistungen zugreifen können, die das halten was sie versprechen."

Heise weist auch auf die Saison-Schwerpunkte des Konsumentenschutzes hin, dank der Kooperation können sie diese gut abarbeiten. Im Juni sei zum Beispiel die Betriebskostenabrechnung ein großes Thema. Pro Konsument bietet etwa einen Betriebskostencheck mit persönlicher Beratung an.

Durch die Corona-bedingte Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit würden vor allem Kreditstundungen in den Mittelpunkt rücken, so Schnabl. viele könnten ihre Kreditraten momentan nicht wie gewohnt zahlen. Die politische Forderung: Unterbrechungen der Kreditzahlungen und keine Zinsen während dieser Zeit. Wieser spricht außerdem von einer großen derzeitigen Verunsicherung beim Thema Reisen: "Viele haben Flüge gebucht und jetzt herrscht Verunsicherung, da es nach wie vor Auflagen gibt und viele möchten stornieren. Die Anbieter bieten in erster Linie Gutscheine an, aber viele wollen das Geld zurück und damit wird sehr zögerlich umgegangen." Er meint, es könne nicht sein, dass "Konsumenten Kreditgeber für Fluglinien" seien und fordert eine Änderung im Insolvenzrecht, wenn es um Gutscheine geht, da diese nicht in der Insolvenzhaftpflicht berücksichtigt seien. Auch einen eigenen Fonds des Staates hielte er für eine gute Idee.