Eine App soll Eltern und Kindern die Berufsorientierung erleichtern

Im Dickicht der Ausbildungsmöglichkeiten soll ab Frühjahr 2022 eine App der Wirtschaftskammer NÖ Eltern und Kindern Orientierung und praktische Hilfestellung bei der Berufs- und Ausbildungswahl bieten. Die NÖ-Sozialpartner fordern außerdem ein Pflichtschulfach "Berufsorientierung, soziale Kompetenzen und Gesellschaftskunde" und wollen Berufsorientierung als Pflichtteil in der Lehrkraft-Ausbildung verankern.

Erstellt am 04. November 2021 | 16:18
Lesezeit: 3 Min

Was brauchen Eltern für die Berufswahl ihrer Kinder? Das untersuchte die Pädagogische Hochschule NÖ (PH NÖ) und befragte dazu 680 Eltern im Rahmen einer Studie. Herausgekommen ist, dass sich die Erziehungsberechtigten vorallem realistische Informationen zu Berufen und den Weg dorthin wünschen und mehr Infos über Eignungskriterien und Bewerbungsverfahren an Schulen, Betrieben und Hochschulen brauchen. Neben den Kindern sehen die Eltern als zentrale Akteure bei der Berufs- und Bildungswahl ihrer Kinder.

In einer zweiten Studie wurden 57 Berufsorientierungs-Angebote wie etwa Begabungskompass, Talente-Check, Lehre.Respekt, AMS-Berufsorientierung, Berufsinformationscomputer und andere auf Verständlichkeit, Aktualität, Bild- und Video-Unterstützung, Struktur, Navigation und Interaktivität untersucht, ob und in welcher Weise Eltern als Zielgruppe angesprochen werden.

Fazit der PH NÖ ist, dass mehr Formate entwickelt werden sollten, die Eltern als Verantwortliche in dem Berufsorientierungs- und Bildungswahlprozess ansprechen. Außerdem sollte die hohe Expertise der Sozialpartner als Bindeglied zwischen Jugendlichen, Lehrpersonen und Eltern genutzt werden.

"Tradierte Bilder in Kinderbücher überarbeiten"

"Neben Begleitmaßnahmen in Schulen wie Workshops mit Eltern geben Lehrer sehr oft Empfehlungen ab. Was die Zukunft der Kinder angeht, müssen aber alle in den Prozess einbezogen werden", sagt PH NÖ Vize-Rektor Norbert Kraker. Es beginne bereits im Kindergarten in der Auseinandersetzung mit Kinderbüchern. "Wie sind Berufe im IT-Bereich darzustellen? Wie hat sich beispielsweise der Beruf des Elektrikers verändert? Da sind noch tradierte Bilder vorhanden", sagt Kraker. Nicht nur in realen, sondern auch in digitalen Angeboten dürfen diese Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden.

Lehrgang als "Eckpfeiler" der Berufsorientierung

Seit 2016 bietet die Pädagogische Hochschule in Kooperation mit den NÖ-Sozialpartnern den Masterlehrgang Berufsorientierung für Lehrkräfte an. Bereits 75 Absolventinnen und Absolventen haben die Ausbildung abgeschlossen. Es sei ein "Eckpfeiler" für die Berufsorientierung, sagt AK-NÖ Präsident Markus Wieser. Der Kooperationsvertrag zwischen den NÖ-Sozialpartnern und der PH NÖ wurde daher um weitere drei Jahre verlängert.

Es gehe bei der Berufsorientierung auch darum die Vielfalt an möglichen Ausbildungen und Berufsbildern aufzuzeigen. "Es gibt 230 Lehrberufe in Niederösterreich, inklusive der Spezialisierungen. Aber 60 Prozent aller Lehrlinge befinden sich in nur zehn Lehrberufen", sagt Wieser. Unter diesen zehn seien unter anderem bei jungen Männern der Beruf des Metalltechnikers und bei jungen Frauen der des Frisörs oder der Einzelhandelskauffrau.

Neben einem Pflichtfach "Berufsorientierung, soziale Kompetenzen und Gesellschaftskunde" für die 5. bis 8. Schulstufe über alle Schultypen hinweg, fordert Wieser im Namen der NÖ-Sozialpartner eine verpflichtende Berufsorientierung-Grundausbildung für alle angehenden Lehrerinnen und Lehrer. Das Ersuchen sei bereits beim zuständigen Bildungsminister Heinz Faßmann deponiert worden.

Berufsorientierungs-App zum "Durchstarten"

"In allem, was man gut und mit Freude macht, ist man erfolgreich", sagt WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker. Schon jetzt unterstütze die Wirtschaftskammer die Jungen und deren Eltern bei der Berufsfindung mit dem Talente-Check, der Schnupperlehre-Landkarte, in der 500 Betriebe in NÖ verzeichnet sind, und den neuen Webinaren "Elternpower", die statt Berufsmessen digital Berufsorientierung zugeschnitten auf Eltern leisten.

Neu dazu kommt voraussichtlich ab Frühjahr 2022 eine Berufsorientierungs-App, die Jugendlichen und Eltern eine weitere Hilfestellung bieten soll. "Die App gliedert sich in drei Aktionsfelder: Erkunden, Auswählen und Durchstarten", sagt Ecker. Gemeinsam mit dem Kind können Eltern in der App ein Interessenten- und Kompetenzenprofil erstellen, passende Berufsbilder kennenlernen, die auf die Wünsche und Stärken des Kindes zugeschnitten sind, und letztlich konkrete, nächste Schritte setzen, wie eine freie Lehrstelle oder einen Schnupperlehre-Platz bei einem Betrieb in der Umgebung finden und mit einer Ansprechperson Kontakt aufnehmen. 

Die App befinde sich derzeit in der Testphase. Das Feedback von Eltern fließe bereits in die Weiterentwicklung ein.

Links

Schnupperlehre-Landkarte
Talente.Check
AMS-Ausbildungskompass

PH NÖ-Masterlehrgang "Berufsorientierung für Lehrkräfte"