Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s! Alles rund um's Bier. Malz, Hopfen, Wasser und Hefe bilden für den Österreicher das Lieblingsgetränk: Das Bier. 206 Krügerl trinkt er davon. Doch er genießt nicht nur, sondern braut auch: Über tausend verschiedene Arten in 235 heimischen Brauereien.

Erstellt am 01. Oktober 2017 (05:59)
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Wenn es auf ganz spezielle Weise zischt, ist für viele der gemütliche Teil des Tages angebrochen: Gemeint ist das Zischen des Bieres. Wenn die Flasche geöffnet wird, ein Prickeln die Mundhöhle durchzieht und der erste Schluck den Hals hinunter läuft. Mit 206 Krügerln – also 103 Litern – wird dieses Gefühl pro Kopf jährlich in Österreich genossen. Damit sind die Österreicher Vize-Weltmeister im Biertrinken und werden nur von den tschechischen Kollegen übertroffen.

Doch nicht nur im Konsum sind die Österreicher meisterhaft unterwegs, denn mit 320 von weltweit rund 3.000 Diplom-Biersommeliers und über tausend Biersommeliers ist Österreich weltweit ungeschlagen. Tausend verschiedene Biere aus 235 heimischen Brauereien ermöglichen einen vielfältigen Biergenuss, der mit leidenschaftlicher Trinkkultur zelebriert wird. Schnelles, hastiges Einschenken verdirbt den Biergenuss. Man sollte diesen notwendigen Vorgang daher als ein Ritual oder als Zeremonie gestalten.

Für die Entfaltung von Bukett und Aromastoffen erfordern die unterschiedlichen Biere unterschiedliche Gläser. Generell gilt die Faustregel: je schlanker das Bier, desto schlanker das Glas. Allgemein sollten Gläser verwendet werden, die nach obenhin nicht allzu breit werden, da ansonsten der Schaum zerfließt. Übrigens wird Bier oft zu kalt getrunken. Liegt die Trinktemperatur unter dem idealen Wert – je nach Bierart, Gusto und Witterung zwischen 6 und 12 Grad Celsius – hindert das dem Geschmackseindruck und hemmt die Schaumentwicklung.

„Brausilvester“ am 30. September

Die bierige Leidenschaft wird in Österreich sogar mit einem Feiertag gehuldigt: Der 30. September wurde zum „Tag des österreichischen Bieres“ erkoren. Das Datum ist kein Zufall: Bis vor 200 Jahren durfte nur von 29. September bis 23. April gebraut werden, da im Sommer die Temperaturen dem wärmeempfindlichen Bier zu sehr zugesetzt hätten. Weder Kühlgeräte noch die Erfindung des Lagerbieres durch den Österreicher Anton Dreher gab es damals schon, weshalb die Bierproduktion erst wieder Anfang Oktober aufgenommen werden konnte. Bis in die Neuzeit hat sich der letzte Septembertag als Bilanztag gehalten und wurde somit zum „Brausilvester“, zum „Tag des österreichischen Bieres“.

Seit jeher bilden Malz, Hopfen, Wasser und Hefe das fachliche Universum eines jeden Braumeisters. Zusammen gestalten sie in unterschiedlicher Zusammensetzung die Charaktere der österreichischen Biere.

Das Malz ist für Farbe, Kraft und Geschmack verantwortlich und wird aus dem Braugetreide im Zug der Vermälzung gewonnen. Jährlich werden in Österreich rund 180.000 Tonnen Braugerste – vorwiegend zweizeilige Sommergerste – dafür verwendet.

Die Seele des Bieres ist der Hopfen. Mit 200 bis 500 Gramm pro Hektoliter ist der Anteil bei der Herstellung zwar gering, ohne ihn würde jedoch der charakteristische Bitterton fehlen. Die größten heimischen Anbaugebiete befinden sich im Mühl- und Waldviertel sowie im südsteirischen Ort Leutschach.

Österreichs besonders gute Wasserqualität kommt auch dem Bier zugute: Reinheit und Härtegrad des Wassers sind ausschlaggebend für den Biergeschmack.

Der vierte und wichtigste Bestandteil eines Bieres ist die Hefe. Um aus einer zuckerhaltigen Lösung – in diesem Fall das Biergewürz – ein alkoholisches Getränk herzustellen, muss eine alkoholische Gärung stattfinden, die durch den Mikroorganismus der Hefe hervorgerufen wird.

www.bierland-österreich.at

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