Corona kostete Flughafen Wien bisher eine Milliarde Euro Umsatz

Die Flughafen-Wien-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner haben am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten über die von der Coronakrise schwerst getroffene Branche und die erwartete Entwicklung auf Österreichs mit großem Abstand größtem Airport gesprochen.

Erstellt am 19. Oktober 2021 | 12:30
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Foto: Flughafen Wien

Dabei zeigten sie sich den Umständen entsprechend optimistisch, schließlich hat die Krise ihr Unternehmen bisher rund eine Milliarde Euro Umsatz gekostet und Investitionen wurden angehalten.

Zuletzt habe sich bereits eine gewisse Erholung gezeigt, sagte Jäger. Für 2022 sei man aufgrund von erwarteten Nachzieheffekten "optimistisch, und wir rechnen im kommenden Jahren mit einer Entspannung".

2022 soll es wieder schwarze Null geben

Eine schwarze Null im Ergebnis sei in Sicht. Ofner: "Das Schlimmste liegt hinter uns - aber es war schon sehr schlimm, was passiert ist." Derzeit offen haben nur der große Terminal 3 und der kleine Terminal 1. Gestrichen wurde vorerst die Süderweiterung des Flughafens, eine Erweiterung des Terminal 3, deren Baubeginn ohne Krise für vergangenen Juni avisiert gewesen war. Das Gleiche gilt für die Sanierung des Pier Ost für absehbare Zeit.

Nachzieheffekte erwartet Jäger sowohl im Geschäfts- als auch im Freizeitbereich. "Vor ein paar Wochen hätte ich noch gesagt, das Glas ist halbleer. Jetzt kann ich aber sagen, es ist halbvoll", sagte der Manager, obwohl heuer mit nur 10 Millionen Passagieren am Vienna Airport gerechnet wird. Das ist ein Wert wie es ihn zur Mitte der 1990er-Jahre, vor rund 25 Jahren gab. Aber immerhin: Der abgelaufene September war mit 1,6 Millionen Fluggästen stärker als der Juli und drei Mal so stark wie der gleiche Monat vor einem Jahr. Man sei damit "aus dem Gröbsten heraußen".

Zuletzt habe es stärkere Spitzen gegeben, etwa freitags und sonntags. So sei der sonntägliche 1. August mit 70.000 Passagieren praktisch auf Vorkrisenniveau gelaufen. Vor allem montags und dienstags tut sich aber viel weniger auf dem Flughafen. "Und auch dazwischen ist leider noch deutlich weniger los als vor Corona", sagte Jäger. "Operativ ist Reisen durch die Pandemie nicht lustiger geworden", betonte er mit Verweis auf die vielen Kontrollen und einen europäischen Fleckerlteppich je nach Destination. "Wir brauchen europäische Lösungen", forderte Jäger. Solche sollten bis zum nächsten Sommerflugplan auf EU-Ebene fixiert werden. "Die Kontrollen müssen ähnlich den Vorgaben bei der Flughafen-Security standardisiert werden." Wann man keine Maske mehr fürs Fliegen benötigen wird, wollte Jäger nicht einschätzen.

Weiterhin Kurzarbeit für alle

Dank der Anwendung der Corona-Kurzarbeit auf alle Mitarbeiter im gesamten Unternehmen außer bei der Feuerwehr und in der Elektrik - auch der Vorstand verzichtet auf 20 Prozent seines Gehalts - kam es bisher zu keinem Stellenabbau, erläuterte Ofner. 2020 flossen 70 Mio. Euro und heuer 80 Mio. Euro für die Corona-Kurzarbeit am Flughafen Wien. Der immense Umsatzverlust sei "für ein Unternehmen unserer Größe ein schwerer Rückschlag", auch wenn man "Krisenresistenz" beweise. "Wir hoffen, dass wir - wenn die Kurzarbeit früher oder später endet -, wieder eine Auslastung haben, dass wir keine Kündigungen in größerem Ausmaß brauchen", sagte Ofner.

Die Zahl der Beschäftigten sei trotz Kurzarbeit nur zu halten gewesen "weil wir was nur möglich war 'ingesourct' haben". Was vorher an dritte Firmen ausgelagert wurde, wird in der Krise wieder selbst gemacht. Mehr noch: Nunmehr wird sogar für Dritte gearbeitet. Freilich habe die Kurzarbeit auch für einen natürlichen Abgang gesorgt, der aber "nicht besorgniserregend" sei. Wie lange noch Kurzarbeit notwendig sei, ließe sich nicht einschätzen.

Ofner ging auch auf weitere Themen ein, die die Luftfahrt über die Pandemie hinaus beschäftigten. Er warnte davor, dass Maßnahmen im Rahmen des Green Deal oder des Fit-for-55-Programms der EU Fliegen massiv verteuern könnten. Bei der Entwicklung von synthetischem und nicht-fossilem, biologischem Kerosin mahnte er mehr Tempo ein, um künftige Beimengungsziele erreichen zu können. Ähnlich wie man es oft von Vertretern anderer Branchen oder Weltregionen hört, sagte Ofner: "Der Luftverkehr kann das Klima nicht retten." Der Anteil an allen Emissionen liege weltweit bei nur 7,5 Prozent. "Wir sind ein Teil des Problems, aber nur ein relativ kleiner." Der Anteil könnte allerdings steigen, sind laut Ofner doch weltweit 950 Airports in Bau, davon 230 in China, und derzeit hätten rund 80 Prozent der Weltbevölkerung noch nie ein Flugzeug betreten - was sich ändern werde. "Mittel- und langfristig geht der Wachstumspfad der Luftfahrt weiter."

Dritte Piste nicht abgeschrieben

Wie groß und ab wann das Wachstum in Europa und Österreich ausfallen könne, ließe sich zwar nicht einschätzen. Die dritte Piste in Schwechat haben die Flughafenmanager noch nicht abgeschrieben. Man habe eine höchstgerichtliche, nicht anfechtbare Bewilligung und beobachte die Entwicklung. Wenn sich abzeichnet, dass die Kapazitäten "jenseits der 30er-Jahre" des 21. Jahrhunderts notwendig werden, würde die Umsetzung starten.

"Die dritte Piste ist natürlich ein Projekt, das wir weiterhin verfolgen", so Ofner und Jäger. Die Pandemie habe das Projekt lediglich zeitlich nach hinten verschoben. Das sehe auch die Bundesregierung so, sagten die Manager auf Journalistennachfragen zur dortigen Grün-Beteiligung. Mit einer dritten Piste könnte die Zahl der Flugbewegungen pro Stunde von derzeit höchstens gut 70 auf 100 gesteigert werden.

Der City-Airport-Train CAT soll ab kommendem Sommerflugplan Ende März 2022 wieder fahren.