Waldbesitzer kritisieren geplante Außernutzungsstellung. Im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie sollen mehr Waldflächen nicht mehr genutzt werden. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Forst- und Holzwirtschaftsvertreter lehnen das ab und warnen vor negativen Auswirkungen auf Jobs und Wirtschaft.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 18. März 2021 (11:39)
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BVZ

Die heimischen Forstbesitzer kritisieren die im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 geplante Außernutzungsstellung von Waldflächen. Einen Teil des Waldes nicht mehr zu nutzen, sei nicht zielführend, sagte der Vorsitzender Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP), Rudolf Rosenstatter, bei einem Pressegespräch. Rosenstatter verwies auf die negativen Auswirkungen auf Jobs und die lokale Wirtschaft. "Die Holz- und Forstwirtschaft ist ein Netz für den ländlichen Raum." 

Im Laufe des Jahres will Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) eine Biodiversitätsstrategie 2030 für Österreich vorstellen. Es gab bisher eine öffentliche Konsultation mit über 2.200 Einzelkommentaren zu einem Expertenpapier. In der Konsultationsunterlage wird vorgeschlagen, 10 Prozent der österreichischen Waldfläche außer Nutzung (z.B. als Wildnisgebiet) zu stellen. Diesen Zielwert visiert auch die EU-Kommission in ihrer im vergangenen Jahr vorgestellten EU-Biodiversitätsstrategie 2030 an. 

Auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger Köstinger (ÖVP) sieht die anvisierte Wald-Außernutzungsstellung in Höhe von 10 Prozent kritisch. Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald habe "einen mehrfachen Nutzen" für Umwelt, Wirtschaft und die Bevölkerung. Der mit 350 Mio. Euro dotierte und kürzlich gestartete Waldfonds ermögliche auch die Aufforstung. 

Das Economica-Institut für Wirtschaftsforschung hat die Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft für Österreichs Wirtschaft untersucht. 176.000 Personen sind direkt und 93.000 indirekt beschäftigt. Eine Reduktion der Holzeinschlagsmenge von 10 Prozent würde den Wertschöpfungsbeitrag in der Holz- und Forstwirtschaft um 1,75 Mrd. Euro verringern, so Anna Kleissner, Studienleiterin beim Economica-Institut. 15.420 Jobs in der Forst- und Holzwirtschaft wären unmittelbar gefährdet, hinzu kämen weitere 10.760 Arbeitsplätze in den Zulieferbetrieben. 

Fast die Hälfte von Österreich ist bewaldet. 80 Prozent des Waldes sind in Privatbesitz, 15 Prozent gehören dem Bund und 5 Prozent Länder und Gemeinden. Österreich zählt mit rund 4 Millionen Hektar zu den waldreichsten Ländern der EU.