Mit Traktoranhängern durch die Jahrzehnte. Viele Jahre war Carina Rambauske als Redakteurin für die NÖN in Niederösterreich unterwegs. Aktuell fährt sie im Auftrag von ecoplus durch das Bundesland, um mit den Unternehmerinnen und Unternehmern in der Grenzregion über den Fall des Eisernen Vorhangs und die wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Region zu sprechen.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 25. Oktober 2019 (13:59)
Michael Lenz/Milestones in Communication
Fahrzeugbau Brantner in Laa

Teil 6 unserer Blog-Serie mit Besuch bei Fahrzeugbau Brantner in Laa

Sie können transportieren, kippen und streuen. Ganz früher, nämlich im Gründungsjahr 1956, fuhren sie noch hinter einem Pferdegespann. Kurze Zeit später, so wie heute, bereits hinter Traktoren: Die Anhänger des Unternehmens Fahrzeugbau Brantner aus Laa (Bezirk Mistelbach).

Die Erfolgsgeschichten der (nieder-)österreichischen Wirtschaft seit 1989 begannen zum Teil in entlegenen Orten. Fahrzeugbau Brantner bildet da keine Ausnahme, auch wenn dessen Aufschwung nicht unmittelbar mit dem Jahr 1989 einherging. Der Fall der Grenzen barg für das Unternehmen Chancen, wie auch Gefahren: Die Möglichkeit, sich nicht nur mehr weg von der Grenze bewegen und wirtschaftlich agieren zu können, gepaart mit der Frage, „ob die Landwirte weiterhin unsere Produkte kaufen oder stattdessen jene, die um einiges billiger sind“. „Das konnten wir lange Zeit nicht abschätzen“, erzählt Geschäftsführer Hans Brantner von den damaligen Überlegungen seines Vaters.

„Bewusst für Laa entschieden“

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs weckte der Osten bei einigen Unternehmen das Interesse als (zusätzlicher) Arbeitsstandort für die internationale Produktionskette – nicht jedoch beim Fahrzeugbau Brantner. Auch wenn es eigentlich auf der Hand gelegen wäre: Nicht ganz zwei Kilometer sind es zur Staatsgrenze. Und somit nicht ganz zwei Kilometer nach Tschechien. Als jedoch vor 30 Jahren der Eiserne Vorhang fiel, setzte das Unternehmen nicht wie andere den Schritt in die zuvor verschlossenen Länder, sondern hat sich bewusst entschieden, in Laa zu bleiben. Der Grund: „Wir waren immer der Ansicht, dass wir ein österreichischer Hersteller sind – das wollen wir auch tatsächlich sein, und nicht nur am Papier“, betont Brantner, der das Familienunternehmen in achter Generation übernahm.  

Eine wirtschaftlich einfache Entscheidung war das im Hinblick auf die niedrigeren Produktionskosten mancher Nachbarn nicht – immerhin beschäftigt das Unternehmen 250 Mitarbeiter. „Einige Billiglohnländer stellen nicht zu fairen Bedingungen für ihre Mitarbeiteri her. Trotzdem müssen wir uns täglich mit diesen messen – selbst wenn einige, wie beispielsweise Tschechien, sich in eine richtige Richtung entwickeln“, schildert Brantner die herausfordernde Situation. Es zeigte sich jedoch, dass der Name Brantner für gute Produkte und für gute Qualität bekannt ist und damit nach wie vor bei den Landwirten punkten konnte – trotz der höheren Preise. Noch dazu war die Technik in den südost- und osteuropäischen Märkten zum Teil sehr veraltet und schrie förmlich nach Produkten made in Niederösterreich.

128.000 Brantner-Anhänger im Umlauf

Zur Zeit der Gründung 1956 noch als Unternehmen am Rande Österreichs aktiv, rückte Brantner mit dem Grenzfall ins Zentrum. Das erweiterte den Aktionsradius: Von Österreich aus auf die Märkte in Deutschland, Schweiz bis zunehmend auf Südost-Europa. Mittlerweile verschickt das Unternehmen seine Traktoranhänger mit einem Exportanteil von 70 Prozent in allen möglichen Größen und Varianten in einem Umkreis von 800 Kilometern. 128.000 Anhänger sind bis dato produziert worden – rund 2.500 werden aus 5.000 Tonnen Stahl im Jahr verarbeitet. Mit dem Hallenbau etablierte sich in den vergangenen Jahren ein zusätzlicher Geschäftszweig im Stahlbau-Bereich.

Der Weg in die Industrie 4.0

Ohne Mut und Zuversicht wäre dieses Wachstum nicht gelungen: Nach langer Vorsicht folgte vor rund zwölf Jahren schließlich das Vertrauen, weiter auf den Laaer Standort zu setzen. Und das dafür deutlich. Das Unternehmen nahm 30 Millionen Euro in die Hand und investierte – etwa in die zwei 20.000 m² großen Hallen oder in modernste Geräte wie etwa eine Oberflächentechnik-Anlage. „Immer am Stand der Technik sein, nur dann ist man effizient“, sagt Brantner überzeugt. Weshalb er bereits in Richtung Industrie 4.0 denkt und agiert: Neue EDV-Systeme für die Fertigung, Planung und Steuerung angebunden an die verschiedensten Fertigungsanlagen, die zum Teil modernisiert werden, werden aktuell umgesetzt.