Boom und Kampf der Regionalläden. Landwirtschaftskammer NÖ sieht Trend zu Selbstbedienungsläden seit Corona. Für Probleme sorgen Öffnungszeiten und Produkt-Einschränkungen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 06. Mai 2021 (05:33)
Joghurt, Gemüse oder Käse gibt es im Neidlinger Dorfladen (Bezirk St. Pölten). Geht es nach den Betreibern, sollte man in den Regalen auch Semmeln oder Wurst vom Fleischhauer finden. Darum kämpfen sie mit einer Petition an den Nationalrat.
Lisa Röhrer, Lisa Röhrer

Eier, Säfte und Erdäpfel vom Bauern ums Eck: Seit einigen Jahren, spätestens seit Ausbruch der Corona-Krise, schießen Regionalläden und -Container wie die Schwammerl aus dem Boden. Bezahlt wird in den Geschäften auf Vertrauensbasis mittels Geldeinwurfboxen oder Selbstbedienungskassen.

Geöffnet haben viele rund um die Uhr; auch an Sonn- und Feiertagen. Neben der Nachfrage nach heimischen, bäuerlichen Produkten mehren sich aber auch die Schwierigkeiten rund um die Läden und Container.

Insgesamt gibt es in Niederösterreich 8.500 Direktvermarkter. Wie viele davon Selbstbedienungsläden haben, weiß die Landwirtschaftskammer (LKNÖ) nicht. „Es ist aber festzustellen, dass die Zahl insbesondere im Vorjahr stark gestiegen ist. Diese Vermarktungsform ist gekommen, um zu bleiben. Wir beobachten schon seit geraumer Zeit einen Trend“, heißt es aus der LKNÖ. Viele Direktvermarkter hätten sich so einen neuen Absatzweg aufgebaut und ihre Existenz gesichert.

Unklare Grenzen zwischen Handelsbetrieben und Direktvermarktern

In eben dieser fühlen sich einige aber auch bedroht. Grund dafür sind die Grenzen zwischen Handelsbetrieben und Direktvermarktern, die verschwimmen oder vielen unklar sind. Fälle dazu tauchten in den vergangenen Wochen im südlichen NÖ und Burgenland oder in Kärnten auf. Für Schlagzeilen sorgte auch der Dorfladen in Neidling (Bezirk St. Pölten) – weil er nach einer Anzeige vor der Wahl stand, ein Gewerbe anzumelden, Handelsprodukte aus dem Regal zu nehmen oder zu schließen.

„Die Betreiber wollten keine dieser Alternativen“, sagt Patricia Grünauer vom Verein „Dorfleben“. Mit einer im Nationalrat eingebrachten und bisher 1.500 Mal unterzeichneten Petition kämpft der Bürger-Verein daher um neue Regeln für konkurrenzlose Dorfläden.

„Wir haben keinen Nahversorger in der Gemeinde. Deshalb wurden bei uns im Laden auch Produkte vom Bäcker und Fleischhauer angeboten“, erklärt Grünauer. Damit galt der Dorfladen aber nicht mehr als Direktvermarkter. Darunter fällt nämlich, wie die WKNÖ erklärt, nur, wer seine bäuerlichen Urprodukte und im Rahmen der Nebenrechte verarbeitete Produkte verkauft. Werden auch Handelsprodukte angeboten, muss ein Gewerbe angemeldet werden und Öffnungszeiten eingehalten werden. Während es für Direktvermarkter keine Einschränkungen gibt, dürfen gewerbliche Anbieter nur von Montag bis Freitag 6 bis 21 Uhr und Samstag 6 bis 18 Uhr geöffnet haben.

Auch Handelsprodukte sollen in die Regale

Erwirkt werden soll mit der Petition eine Ausnahmeregelung der Gewerbeordnung für Selbstbedienungsläden in Orten, in denen es keinen Nahversorger gibt. Konkret sollen Vereine dort nicht nur eigene, sondern zu 25 Prozent auch Produkte regionaler Gewerbetreibender verkaufen dürfen.

Wie die Abstimmung im Parlament ausgeht, wenn die Petition dort hingelangt, ist nach Einschätzung der Initiatoren offen. Während der Gemeindebund positive Signale sendet, winkt das Wirtschaftsministerium ab. Auch aus dem Büro von Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) ist Skepsis zu vernehmen. Die Kompetenz liege beim Bund. Man ist aber gegen eine Änderung, um die Konkurrenzsituation mit den Nahversorgern in der Umgebung nicht zu verschärfen.

Ein Antrag der NEOS, in dem die Einrichtung einer Beratungsstelle für die boomenden Direktvermarkter gefordert wurde, schaffte es nicht auf die Landtag-Tagesordnung. Aus Sicht von Agrar-Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) gibt es ein gutes Angebot: „Beratung bei der Landwirtschaftskammer, Wirtschaftskammer, beim Landesverband für bäuerliche Direktvermarkter und bei ‚So schmeckt NÖ‘.“