Verkauf neuer Autos massiv eingebrochen. „Die Situation ist bedenklich bis katastrophal“, sagt Wolfgang Schirak mit leiser Stimme. Der Branchenobmann Fahrzeughandel in der NÖ Wirtschaftskammer ist schon lange im Autohandel, aber so etwas habe er noch nicht erlebt.

Von Thomas Vogelleitner. Erstellt am 15. April 2020 (05:21)
Symbolbild
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Quasi Stillstand seit Mitte März, was sich auch in der Statistik widerspiegelt: Im März 2019 wurden in NÖ 5.893 Pkw neu zugelassen, im heurigen März waren es aufgrund der Coronakrise nur 2.024 …

Wolfgang Schirak, St. Pöltner Autoprofi: „Die Händler bekommen zunehmend Liquiditätsprobleme!“
zVg

„Die Branche ist in Gefahr“ – Wolfgang Schirak schließt ein Händlersterben nicht aus.

Kfz-Zulassung wieder möglich

Ab sofort haben die Kfz-Zulassungsstellen wieder geöffnet. „Das ist für uns ganz wichtig“, betont Wolfgang Schirak. Denn bei den Händlern stehen viele Neuwagen, die jetzt angemeldet und ausgeliefert werden können. Das heißt: Es fließt wieder Geld.

Wie viele Autohändler dürfen aufgrund der 400-Quadratmeter-Regelung (Schauraum) ab sofort geöffnet haben? „Etwa 20 Prozent der österreichischen Autohäuser dürfen auf Basis dieser Regelung vorläufig nicht öffnen und müssen nach heutigem Stand auf den 2. Mai warten“, schreibt das Branchenblatt „Auto & Wirtschaft“ online. Wolfgang Schirak ist verärgert: „In unseren Betrieben sind weniger Menschen unterwegs als in Gartencentern und Baumärkten, die bereits wieder geöffnet haben dürfen.“ Er gönne zwar den Kollegen die Öffnung, wichtig sei ihm aber, dass auch seine Branche mitziehen darf.

„Es wird Aktionen geben müssen“

Werner Blum hat seinen Ford-Betrieb in Krems wieder öffnen dürfen. Der Sprecher der österreichischen Ford-Händler erwartet sich für die nächsten Monate eine harte Zeit: „Es wird viele Aktionen geben müssen. Wir müssen die Kunden wieder in die Schauräume holen, wir müssen die Autowirtschaft wieder ankurbeln – verdienen werden wir dabei wenig bis nichts!“ Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Autoimporteure, glaubt übrigens nicht, dass es zu einer großen Rabattschlacht kommen wird: „Produktions-seitig fehlt der Nachschub, es sind lange Lieferzeiten zu erwarten.“

Aufgrund der 400-Quadratmeter-Regelung darf Franz Mayer seinen Mazda-Schauraum in St. Pölten noch nicht öffnen – und er ist froh darüber: „Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit … Die Leute haben momentan andere Probleme, da ist die Anschaffung eines Autos, eines neues Autos derzeit nicht so wichtig.“ Und er fürchtet, dass dieser Zustand noch länger anhalten wird. Die Branche wünscht sich von der Regierung (Verkaufs-)Hilfe – zum Beispiel eine Ökoprämie.

Pkw-Neuzulassungen in NÖ

1. Quartal 2020 – Jänner / Februar / März

VW 2.122 – 988 / 884 / 250
Skoda 1.181 – 437 / 476 / 268
Seat 838 – 432 / 251 / 155
BMW 531 – 261 / 160 / 110
Renault 504 – 195 / 231 / 78
Opel 485 – 256 / 156 / 73
Ford 479 – 169 /233 / 77
Peugeot 458 – 202 /188 / 68
Hyundai 434 – 173 / 168 / 93
Mercedes-Benz 420 – 162 / 189 / 69
Dacia 398 – 167 / 176 / 55
Audi 388 – 156 / 147 / 85
Mazda 372 – 141 / 162 / 69
Gesamtmarkt 10.954 – 4.641/4.289/2.024

Quelle: Statistik Austria