Breitband-Ausbau: Land ändert Spielregeln. Das Land NÖ ist mit den Kriterien für die Fördermilliarde des Bundes unzufrieden und will mit Hilfe der EU die Regeln für den Netzausbau modifizieren.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 08. Juni 2015 (06:21)
NOEN, zentilia/Shutterstock.com (Glasfaserkabel)

Wenig glücklich mit der Regelung zum Ausbau leistungsfähiger Internet-Anschlüsse ist Igor Brusic. Er ist Geschäftsführer der erst im Dezember gegründeten NÖ Glasfaserinfrastruktur-GmbH, kurz NÖGIG, die zur landeseigenen Wirtschaftsagentur ecoplus gehört.

Bekanntlich wurde vom Bund Ende Mai die sogenannte Breitband-Milliarde gestartet. Dabei geht es um die Förderung des flächendeckenden Ausbaus von schnellen Breitbandverbindungen in ganz Österreich nach bestimmten Kriterien bis 2020.

„Wir haben uns in NÖ zum Ziel gesetzt, die Breitbandnetze bereits jetzt für die Zukunft zu errichten, während die Förderrichtlinien des Bundes noch Zwischenlösungen mit Übertragungsraten von lediglich 30 Megabit pro Sekunde als Kriterium nehmen“, geht Brusic ins Detail: „Die Richtlinien zielen damit sehr stark auf die bestehenden Telefonnetze ab.“

Glasfaser-Technologie kontra Kupferkabel

Aktuell laufen nämlich nahezu alle Internetanschlüsse in Österreich über das ursprüngliche Telefonnetz, das aus Kupferkabeln besteht. Um deren Leistungsfähigkeit bei der Übertragung zumindest in den Ortskernen auf 30 Mbit/s oder mehr zu steigern, reicht eine Aufrüstung der bestehenden Technik.

Der Haken: Die Leistungsfähigkeit ist stark begrenzt. In Zukunft werden weit höhere Datenübertragungs-Geschwindigkeiten nötig sein. Und dafür braucht es völlig neue Kabel bis zum Haus – nämlich Glasfaserkabel. „Sie schaffen heute schon 1.000 Megabit – also ein Gigabit – pro Sekunde“, so Brusic. Und das gleich doppelt – nämlich beim Rauf- und Runterladen von Daten.

Naturgemäß setzen privatwirtschaftliche Unternehmen aufgrund der höheren Kosten von Glasfasernetzen vor allem auf den günstigeren Ausbau der Kupferkabelnetze, meint Brusic: „Sie müssen ihre Investitionen in wenigen Jahren zurückverdienen, um ihre Aktionäre und Eigentümer zufriedenzustellen.“ Das ginge sich in ländlichen Regionen, wo es vergleichsweise wenige potenzielle Kunden gibt, schon gar nicht aus, weshalb ein privater Ausbau dort undenkbar wäre.

Kalkulation auf 25 Jahre gemacht

Daher haben die Bundesländer entsprechende eigene Breitband-Initiativen gestartet. In NÖ wurde dafür die NÖGIG gegründet. Sie wird als landeseigene Trägergesellschaft fungieren und Planung, Bau und Wartung der Glasfaserhausanschlüsse in den Regionen koordinieren und beauftragen. Und danach die Netze an unabhängige Netzbetreiber verpachten. Diese wiederum stellen sie privaten Dienstanbietern wie beispielsweise A1, Kabelplus, T-Mobil, Tele2 etc. gegen Gebühren zur Verfügung. „Wir haben unsere Kalkulation nicht kurzfristig, sondern auf 25 Jahre gemacht“, sagt Brusic zur Amortisation der Investitionen. Schon jetzt würden fünf Pilotprojekte in NÖ dazu laufen.

Um in NÖ einen flächendeckenden Glasfaser- statt Kupferkabelausbau bis 2030 trotz der eingangs erwähnten Förderkriterien des Bundes zu schaffen, geht das Land NÖ nun einen Schritt weiter. Bei der EU wurde – nach dem Vorbild von französischen Regionen – ein Projekt eingereicht: „Wir rechnen noch heuer mit einer Genehmigung“, schätzt ecoplus-Chef Helmut Miernicki.

Land will Regeln für Ausbau ändern

Demnach dürfte das Land Glasfaserleitungen auch dann bauen, wenn private Unternehmen dort ihre Kupferkabel verlegen und nicht zu Glasfaser bereit sind. Aus der Praxis sei zu erwarten, dass Private durch diesen Druck meist gleich selbst Glasfaserleitungen bauen, meint Miernicki. Für ihn ist eine leistungsfähige Daten-Infrastruktur das Um und Auf, um für Unternehmen als Wirtschaftsstandort attraktiv zu sein.

Geht man davon aus, dass ein Viertel der Gebäude von privaten Netzbetreibern mit Glasfaser erschlossen wird, bleiben etwa 600.000 Haushalte und Unternehmen in ländlichen Regionen für die NÖGIG über, schätzt Igor Brusic. Er rechnet dafür mit Ausbaukosten von 1,03 Milliarden Euro. Etwa 250 Millionen davon müsste die öffentliche Hand – teils auch mithilfe der Breitband-Milliarde – stemmen. Dann wäre die restliche Finanzierung über institutionelle Investoren leicht zu machen.