Wie es ohne die Briten geht. Rund 1.000 NÖ Betriebe sind am britischen Markt aktiv und machen verschiedene Erfahrungen zum Brexit.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 11. Februar 2020 (00:54)
Diese beiden wehen nicht mehr im Gleichklang: Die Briten haben sich aus der EU verabschiedet. Die heimische Wirtschaft trifft das unterschiedlich stark.Hochmuth
APA/Georg

Dreieinhalb Jahre hat es gedauert vom Referendum der Briten über den Verbleib in der Europäischen Union bis zum Brexit vor gut einer Woche. Das Prozedere ist zwar noch nicht vorbei, denn bis Ende des Jahres bleibt ja im Wesentlichen alles, wie es war, aber: Seit dem Referendum blieb kein Stein auf dem anderen, auch in der Wirtschaft.

Ein Unternehmen, das das sehr deutlich zu spüren bekam, ist die Firma Biogest aus Klosterneuburg. Der Biogasanlagenhersteller hat bis vor dem Referendum die Hälfte seines Umsatzes auf dem britischen Markt gemacht. „Nach dem Referendum ist der Markt für die Errichtung von Neuanlagen komplett eingebrochen. Das war sehr schmerzlich für uns“, sagt Biogest-Geschäftsführer Christian Riel gegenüber der NÖN. Der in UK erzielte Umsatzanteil brach auf fünf Prozent ein. Die Firma war gezwungen, andere Märkte zu forcieren – mittlerweile seien Frankreich und Italien jene mit der höchsten Bedeutung für Biogest. Das größte Problem in Großbritannien sei nach wie vor die Unsicherheit. „Wir haben Service- und Managementverträge für Anlagen laufen. Da gibt es viele große Fragezeichen“, sagt Riel. Im Nachhinein habe seine Firma aber von den Einschnitten durch den Brexit profitiert: Sie ist nun global aufgestellt, die Zahl der Mitarbeiter wurde von 50 auf 70 erhöht.

Ganz andere Erfahrungen machte die Umdasch Group aus Amstetten. „Grundsätzlich war Großbritannien immer ein relevanter Markt, sowohl für die Doka als auch Umdasch The Store Makers, beide Unternehmen haben dort eigene Gesellschaften. Und das wird auch so bleiben“, weiß Umdasch Group-Geschäftsführer Andreas Ludwig. In den vergangenen Jahren habe man hier stark investiert. „Doka hat gerade diese Woche ihren neuen Standort eröffnet – den wir von Maidstone nach Sittingbourne/Kent verlegt haben, weil es dort mehr Platz und bessere Infrastruktur gibt.“ Gerade in den kommenden Jahren biete der britische Markt viele Möglichkeiten. So werde laut Ludwig im Bereich Infrastruktur kräftig investiert, außerdem sei UK einer der Vorreiter der Digitalisierung am Bau, was gerade Doka sehr entgegenkomme. „Am Gesamtumsatz der Umdasch Group macht der Markt Großbritannien einen relevanten, aber einstelligen Anteil aus, erklärt Ludwig. Zwar bedaure man den Austritt der Briten aus der EU, aber als Unternehmen bewege man sich in allen Märkten außerhalb der EU genauso wie eben künftig in Großbritannien.

Der Fertighausspezialist Elk aus Schrems (Bezirk Gmünd) ist zwar seit 2016 nicht am britischen Markt tätig gewesen, sieht sich aber künftig wieder dort, so Geschäftsführer Thomas Scheriau. „Der Bedarf an neuen Häusern ist dort extrem groß. Wie auch in vielen anderen Ländern geht es in Großbritannien in Richtung ökologisches, also nachhaltiges, Bauen.“

Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes, schätzt, dass insgesamt rund 1.000 heimische Betriebe nach Großbritannien exportieren und 40 eigene Niederlassungen in UK haben. „Derzeit sind viele Exportbetriebe, die mit Großbritannien Geschäfte machen, bei neuen Geschäftsabschlüssen und Investitionen eher zurückhaltend und warten ab“, weiß Miernicki aus Rückmeldungen an die ecoplus-Tochter ecoplus international, die bei Auslandsaktivitäten berät.