Umfrage: NÖ Wirtschaft durch Bürokratie stark belastet. Belastung ähnlich hoch wie 2016. WKNÖ-Spartenobmann Wolfgang Ecker: „Das kann und das darf nicht sein.“

Von Sabrina Luger. Erstellt am 16. Januar 2020 (15:37)
Wolfgang Ecker, der Obmann der Sparte „Handwerk und Gewerbe“ der WKNÖ, und Studienautorin Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria präsentierten den „Bürokratiebelastungsindex 2020“
WKNÖ / Daniela Matejschek

Bürokratie kostet dem niederösterreichischen Gewerbe und Handwerk 389 Millionen Euro, beziehungsweise 8,4 Millionen Arbeitsstunden im Jahr. Am Vormittag hat die Wirtschaftskammer Niederösterreich die Ergebnisse des neuen „Bürokratiebelastungsindex“ präsentiert. Durchgeführt wurde die Studie von der KMU Forschung Austria für die Sparte „Gewerbe und Handwerk“. Das Ergebnis ist für den WKNÖ-Spartenobmann Wolfgang Ecker erschreckend. „Umgerechnet heißt das, dass 5.100 Vollzeitbeschäftigte in unseren Unternehmen ganzjährig voll und ganz nur mit bürokratischen Auflagen beschäftigt werden könnten“, so Ecker. Denn, so betont er, zu viel Bürokratie sei ein Bremsklotz für die Unternehmen und damit für den gesamten Wirtschaftsstandort. 

Die aktuelle Studie ist eine Folgestudie des Bürokratiebelastungsindex aus dem Jahr 2016. Sie stellt fest, dass es zwar einige Bereiche gibt, in denen die Bürokratie für Unternehmer weniger wurde, doch neue Regelungen neue Belastungen mit sich brachten. So wurden Unternehmen entlastet, weil die Auflagepflicht bei mehreren Gesetzen entfallen ist, die sofortige Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern von 400 Euro auf 800 Euro verdoppelt wurde, diverse Melde und Aufzeichnungspflichten reduziert wurden und die Umsatzgrenze für Kleinunternehmerbefreiung in der Umsatzsteuer von 30.000 Euro auf 35.000 Euro angehoben wurde. Andererseits haben die neue Datenschutzverordnung und die Belegerteilungspflicht neue bürokratische Belastungen für Unternehmen erzeugt.

160 Arbeitsstunden jährlich für Bürokratie für ein Ein-Personen-Unternehmen

Als Alarmsignal sieht Ecker darin, dass kleine Unternehmen von der Bürokratie stärker belastet sind als große Unternehmen. Ein-Personen-Unternehmen (EPU) müssen jährlich 160 Arbeitsstunden für Bürokratie aufwenden. Bei Unternehmen, die mehr als 10 Personen angestellt haben, sind es durchschnittlich 43 Stunden für jeden Beschäftigten im Jahr. Dass Unternehmer Unterstützung von außen brauchen, zeigen auch die Zahlen der externen Bürokratiekosten. Das sind Kosten, die Unternehmen für ausgelagerte bürokratische Tätigkeiten aufwenden. Darunter fällt beispielsweise die Lohnverrechnung oder Steuererklärungen. Sie sind seit 2016 von 80 Millionen Euro auf 122 Millionen Euro gestiegen.

Ecker fordert deshalb eine Verbesserung der Situation. Diese soll durch eine Reduzierung der Informations- und Meldeverpflichtung, Lockerungen bei Kontrollintervallen und einen verstärkten Fokus auf praxisorientierte Gesetzgebung erzielt werden. Außerdem sollen Unternehmen bestimmte Standardinformationen nur noch einmal an die zuständigen Behörden übermitteln müssen. Das sei bislang, aufgrund relativ häufig neu gestalteter Datenerhebungsblätter, nicht der Fall gewesen.