Wilder Glücksspiel-Markt. Kartellgericht hat Novomatic und zwei tschechischen Milliardären untersagt, bei den Casinos Austria einzusteigen. Rekurs beim Obersten Gerichtshof ist geplant.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 06. September 2016 (06:38)
NOEN, APA
Die Logos von Novomatic und Casinos Austria werden nicht zusammengeführt. Das Kartellgericht hat den Einstieg des Gumpoldskirchner Glücksspielkonzerns untersagt.

Der österreichische Glücksspielmarkt wurde in gröbere Turbulenzen manövriert. Zuerst stoppte das Bundesverwaltungsgericht wegen der Beschwerde unterlegener Konkurrenten, dass Novomatic in Bruck an der Leitha ein Casino errichten kann. Jetzt untersagte das Kartellgericht den Einstieg von Novomatic und zwei tschechischen Milliardären bei den Casinos Austria, weil in den Bundesländern eine marktbeherrschende Stellung am Automatenmarkt entstanden wäre.

Novomatic-Chef Harald Neumann zu der Entscheidung: „Besonders schade ist, dass damit eine österreichische Lösung gescheitert ist.“ Dem Finanzministerium würden dadurch zusätzliche Steuereinnahmen entgehen. Besonders negativ empfand man beim Gumpoldskirchner Glücksspielkonzern, dass die Wettbewerbshüter so strenge Auflagen erteilen wollten. Etwa die Schließung von tschechischen Spielcasinos. Neumann: „Wir haben bis zuletzt für eine für alle Beteiligten vertretbare Lösung gekämpft. Um wesentliche wirtschaftliche Nachteile vom Unternehmen abzuwenden, konnten wir die geforderten Auflagen nicht akzeptieren.“ Für Novomatic-Berater Friedrich Stickler sind die Argumente des Kartellgerichts jedenfalls nicht nachvollziehbar.

Rekurs beim Obersten Gerichtshof

Die Reaktion der Bundeswettbewerbsbehörde: „Das Auflagenpaket, das wir vorgeschlagen haben, wäre auch wirtschaftlich vertretbar gewesen“, so ein Behördensprecher. Wobei ein Gutachter vor allem auf die marktbeherrschende Stellung in Ostösterreich verwiesen hatte. Mit den Casinos in Wien und Baden sowie dem Automatenglücksspiel von Novomatic in NÖ und dem Burgenland.

Wie geht es jetzt weiter? Novomatic-Chef Harald Neumann deutete an, dass man beim Obersten Gerichtshof einen Rekurs einlegen werde. Die Tschechen wollen ebenfalls noch nicht aufgeben. Und bezüglich neuer Casinostandorte wie jener in Bruck wartet man darauf, ob das Finanzministerium dies nochmals ausschreiben wird.