Sazka wirft Novomatic Vertragsverletzung vor. Die tschechische Sazka-Gruppe, mit 38 Prozent größte Casinos-Austria-Aktionärin, wirft Novomatic Vertragsbruch vor.

Von APA Red. Erstellt am 20. Juni 2018 (19:36)
Dworak, Novomatic

Novomatic hätte bei der Casinos-Hauptversammlung am Mittwoch für die von Sazka vorgeschlagenen 12 Aufsichtsratskandidaten stimmen müssen. Das sei im Stimmbindungsvertrag von Sazka und Novomatic so festgeschrieben.

Die gesamte Vereinbarung zwischen den beiden Glücksspielkonzernen ist nach wie vor nicht öffentlich. Nach APA-Informationen umfasst der vor rund einem Jahr geschlossene Vertrag strukturelle Entscheidungen wie Kapitalerhöhungen nicht, in diesen Fragen kann also Novomatic in der Casinos-Hauptversammlung nach Belieben abstimmen.

Konzern hätten nach Ansicht der Tschechen für ihre Aufsichtsratskandidaten stimmen müssen 

Es gibt aber, versichert ein mit der Materie betrauter Insider der APA, Ausnahmen von diesen strukturellen Entscheidungen. Explizit genannt wird demnach die Zurücknahme von Berufungen von Aufsichtsratsmitgliedern. In diesem Fall gelte die Stimmrechtsbindung schon. Novomatic hätte sich also am Mittwoch Sazka nicht in den Weg stellen dürfen, meinen die Tschechen.

"Wir teilen diese Meinung nicht", so ein Novomatic-Sprecher am Mittwochabend dazu auf APA-Anfrage. Mehr könne er aufgrund der Verschwiegenheitspflichten nicht sagen.

Sazka hat bei der Hauptversammlung den Kampf um die Kontrolle bei den Casinos endgültig verloren. Dem tschechischen Konzern, hinter dem die Milliarde Jiri Smejc und Karel Komarek stehen, war es zuvor schon nicht gelungen, einen vierten Vorstand zu installieren. Da sagte die Republik, die über die ÖBIB ein Drittel an den Casinos hält, Njet. Vom derzeitigen Dreiervorstand gilt nur Konzernchef Alexander Labak als Mann der Sazka. Labak wurde am Mittwoch in der Aufsichtsratssitzung, die vor der Hauptversammlung stattfand, von Belegschaftsvertretern erneut harsch für seinen Führungsstil kritisiert.

Novomatic: "Teilen diese Meinung nicht"

Für die Sazka zeichnete sich dann schon vor Beginn der Hauptversammlung ab, dass Novomatic das Ansinnen der Tschechen, alle Kapitalvertreter im Casinos-Aufsichtsrat zu stellen, nicht durchgehen lassen würde. Die Sazka-Gruppe war, angeblich unabgesprochenerweise, mit einer Liste von 12 Kandidaten gekommen, obwohl ihnen gemäß ihres Aktienanteils nur fünf Vertreter zustehen. Letztendlich mussten die Tschechen klein beigeben und sich mit fünf Aufsichtsräten abfinden.

Hätte sich Novomatic an die Stimmrechtsbindung gehalten, hätten sich die Tschechen durchgesetzt, denn für die Aufsichtsratswahl braucht es nur eine einfache Mehrheit. Damit hätten die Sazka-Gruppe die Republik, die nun schäumt, komplett ausgebootet.

Das wollte Novomatic nicht zulassen, wie man hört. Denn es wäre nicht gerade zum Wohle des Unternehmens, wenn im Aufsichtsrat kein einziger Vertreter der Republik säße. Und dass Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens getroffen werden müssen, sei auch im Stimmbindungsvertrag festgehalten.

Für die Tschechen ist nach der Niederlage vom Mittwoch die Kontrolle über Casinos Austria in die Ferne gerückt. Die Sazka-Gruppe möchtee den österreichischen Glücksspielriesen in ihrer Bilanz voll konsolidieren, weil sie sich dann mit der Begebung einer 500-Millionen-Anleihe leichter täte. Einen geplanten Börsengang hat die mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldete Gruppe im Vorjahr abgeblasen.