Corona: Die Wirtschaft zittert. Viele Betriebe kämpfen aktuell ums Überleben. 8.200 Anträge bei Härtefallfonds.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 01. April 2020 (05:55)
Die Kraftstoffdüsen bleiben in der Coronakrise meistens unangetastet: Bis zu 80 Prozent Umsatzrückgänge machen Tankstellen in Niederösterreich aktuell.
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Den sprichwörtlichen Kampf ums Überleben, den führen einige Unternehmen jetzt, gut zwei Wochen nach Beginn der Coronakrise, bereits. Ein Beispiel sind die Tankstellen. Sie kämpfen mit bis zu 80 Prozent Umsatzrückgängen. Und nicht nur das: „Manche Kollegen haben bis zu 500 Euro Verluste an jedem Tag, an dem sie geöffnet haben“, erklärt Helmut Marchhart, Sprecher der Fachgruppe Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen in der WKNÖ. Ein Mitgrund: Die langen Öffnungszeiten. Ein „guter erster Schritt“ zur Entlastung vieler Tankstellenpächter wären reduzierte Öffnungszeiten, verordnet durch die Regierung.

Einen dringenden Appell hat in der Vorwoche die NÖ Landesinnungsmeisterin der Friseure, Silvia Rupp, an die Friseurbetriebe gerichtet. Viele Kunden kämen durch die Schließung der Betriebe nämlich in Versuchung, sich für Hausbesuche Termine auszumachen. Rupp appelliert intensiv an die Betriebe, das zu unterlassen. „Ein solches Verhalten ist höchst fahrlässig, unklug und darüber hinaus auch strafbar.“

Eine Pressekonferenz über weitere Maßnahmen zur Sicherung von Standort und Beschäftigung aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus mit Vizekanzler Werner Kogler, Finanzminister Gernot Blümel, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Arbeitsministerin Christine Aschbacher findet am Mittwoch ab 12:55 Uhr statt.

8.200 Anträge im Härtefallfonds

Unterstützung für Ein-Personen-Unternehmen und Kleinunternehmen gibt es von der Bundesregierung durch den sogenannten Härtefallfonds. Seit Freitag 17 Uhr sind die Anträge dazu möglich – innerhalb von knapp 40 Stunden sind über 8.200 Anträge eingegangen. Mittel aus dem Härtefallfonds können übrigens auch bestimmte landwirtschaftliche Betriebe auf der AMA-Website beantragen.

Interessanter Aspekt der Coronakrise: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist um rund die Hälfte gesunken. Während in der Woche vor Corona rund 100 Insolvenzen pro Woche in Österreich – in NÖ rund 16 – verzeichnet wurden, gab es in der Woche nach Corona rund 50 (NÖ: sieben). Der Grund: „Gesundheitskasse und Finanz haben angekündigt, keine Anträge auf Insolvenzen zu machen“, erklärt Alexander Klikovits, Leiter des Bereichs Insolvenzen für NÖ und das Burgenland beim Gläubigerschutzverband KSV1870. Wie sich die Insolvenzzahlen nach Ende der Krise entwickeln werden ließe sich schwer prognostizieren.

Der Überlebenskampf der Betriebe wirkt sich natürlich auf die Zahl der Arbeitslosen aus. Insgesamt waren zwischen Montag und Donnerstag der Vorwoche über 75.800 Personen in NÖ arbeitslos gemeldet. Allein zwischen 15. und 26. März, seit Beginn der coronabedingten Ausgangsbeschränkungen und Betriebsschließungen, kamen 22.360 Personen dazu (plus 41,8 Prozent). Neben den Anträgen auf Arbeitslosengeld gilt es beim AMS auch jene auf Kurzarbeit zu bearbeiten.

Finanzminister Gernot Blümel hat am Samstag die Ausweitung der Mittel dafür auf eine Milliarde Euro bestätigt. Und: Eine AMS-Bestätigung über die Genehmigung von Kurzarbeit wird künftig als Sicherheit für einen Betriebsmittelkredit reichen. Das soll die Liquidität der Betriebe für die Kurzarbeit sicherstellen.