NÖ Versicherung erwartet Prämienwachstum

Trotz Coronakrise erwartet die Niederösterreichische Versicherung (NV) auch heuer ein Plus bei den Einnahmen. In der Sparte Schaden/Unfall, die vier Fünftel des Geschäfts ausmacht, sollen es 3 bis 4 Prozent sein, in der Lebensversicherung ein Prozent, insgesamt 2 bis 4 Prozent.

Erstellt am 26. Mai 2020 | 12:17
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Schön langsam komme man wieder auf ein Neugeschäft wie vor Beginn der Krise, so Generaldirektor Hubert Schultes zur APA.

2019 steigerte die NV die verrechneten Prämien um 2,9 Prozent auf 329,2 Mio. Euro - dabei in Schaden/Unfall um 3,7 Prozent auf 280,5 Mio. und in Leben gegen laufende Prämien um 2,0 Prozent auf 47,1 Mio. Euro. Einmalerläge wurden wegen des Niedrigzinsniveaus nur sehr selektiv angenommen.

In Schaden/Unfall wuchs man voriges Jahr über dem Marktniveau, in Leben laufend sogar deutlich über Markt. Als besonders erfreulich bezeichnete Schultes die Steigerung in Kfz-Kasko (+8,9 Prozent), Rechtsschutz (+5,4 Prozent) und Unfall (+5,2 Prozent). In Niederösterreich wurde mit 16,4 Prozent Marktanteil in Schaden/Unfall die Marktführerschaft gehalten, im Sach-Privatkundensektor, dem sogenannten Breitengeschäft, betrug der Marktanteil in NÖ sogar 26,4 Prozent.

Die Schäden erhöhten sich 2019 in Schaden/Unfall gegenüber dem Jahr davor um 21,1 Prozent oder um 33,1 Mio. Euro auf 189,9 Mio. Vor allem in den Auto-Sparten und durch Feuer-Großschäden gab es einen deutlichen Anstieg der Schadenbelastung. Dadurch legte die Combined Ratio - Schäden und Kosten gemessen an den Einnahmen - von 83,6 auf 87,6 Prozent zu.

In der Lebensversicherung sanken die Auszahlungen an die Kunden von 49,5 Mio. auf 44,6 Mio. Euro. Die Wiederveranlagungsquote sei weiterhin hoch gewesen. Wegen des herausfordernden Kapitalmarktumfelds habe man die Gesamtverzinsung in Leben gesenkt, die NV bleibe jedoch mit 2,25 Prozent mit einigen Wenigen an der Marktspitze.

Die Kapitalanlagen stiegen 2019 von 1,886 Mrd. um 202 Mio. Euro auf 2,088 Mrd. Euro, was Schultes auf den deutlich über 30 Prozent liegenden Anteil des Immobilien-Bestandes zurückführt, bei dem die Marktwerte angestiegen sind. Auch sei 2019 ein exzellentes Aktienjahr gewesen: Von den rund 200 Mio. Euro Zuwachs sei allein die Hälfte Aktien zu verdanken. Die durchschnittliche Verzinsung der Kapitalanlagen sei weiterhin bei etwas unter 2 Prozent gelegen.

Aktuell durch die Coronakrise zu schaffen machen der Nö. Versicherung Abschreibungen bei Aktien, Ausfälle bei Mieten, das stark gesunkene Neuwagengeschäft sowie deutlich erhöhte Prämienfreistellungen und Rückkäufe bei Lebenspolizzen. Am Höhepunkt der Krise am Kapitalmarkt Mitte April hätten die Abschreibungen circa 25 Mio. Euro ausgemacht, derzeit seien es nur noch 10 Mio. Euro - allerdings habe man hier voriges Jahr Zuschreibungen von 15 Mio. Euro gehabt. An Geschäftslokal-Mieten habe man 500.000 bis 600.000 Euro verloren. Prämienstundungen seien im Ausmaß von einer Million vereinbart, überwiegend mit Firmen, "wir hoffen, dass das nachgezahlt wird", so Schultes. Eine weitere Million Prämie sei durch deutlich erhöhte Prämienfreistellungen sowie Rückkäufe in der Sparte Leben verloren gegangen. Das Neugeschäft in Leben und in Unfall sei temporär um bis zur Hälfte eingebrochen, "jetzt sind wir dabei, wieder auf das Neugeschäft der Zeit davor zu kommen - zwei Monate fehlen uns aber".

Dividende für 2019 wird es keine geben, hier schließe man sich der Empfehlung der Finanzmarktaufsicht (FMA) an. Für 2020 könne man das noch nicht sagen. Jedenfalls werde man aus heutiger Sicht 2020 beim Vorsteuerergebnis (EGT) "deutlich im Plus bleiben", ist der Generaldirektor überzeugt.

Kurzarbeit gibt es bei der NV wegen Corona keine, nur einen Überstunden- und Urlaubsabbau. Fast 90 Prozent der 650 Mitarbeiter waren seit März im Homeoffice, seit Mitte Mai wird das wieder zurückgefahren. Schon vor der Corona-Pandemie habe man Homeoffice genutzt - zu etwa 25 Prozent, meist an zwei bis drei Tagen pro Woche. "Nach der Krise werden es 35 bis 40 Prozent sein", schätzt Schultes. In der Belegschaft habe es bis dato keinen einzigen Corona-Fall gegeben und unter den 80.000 Lebenspolizzen des Hauses bis jetzt keinen einzigen Covid-Todesfall. Insgesamt hat man rund 300.000 Kunden.