Endlich gibt es Hoffnung für die Tourismusbranche. Hotels dürfen mit 29. Mai wieder öffnen. Eine Perspektive gibt es jetzt auch für Seminarhotels.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 19. Mai 2020 (08:55)
Niederösterreich als Land für Wanderer und Genießer könnte tatsächlich für den Sommertourismus vergleichsweise gut aufgestellt sein und neue Kundengruppen ansprechen.
Niederösterreich-Werbung/Andreas Jakwerth

Es ist ein breiter Silberstreif, der am Montag am Horizont der leidgeprüften Tourismusbranche aufgetaucht ist. Die Hotels in Österreich dürfen mit 29. Mai wieder aufsperren, und auch die Rahmenbedingungen dazu sind jetzt von der Bundesregierung bekannt gegeben worden. So muss neben den normalen Abstandsregeln etwa Servicepersonal, das direkt am Kunden arbeitet, Mund-Nasenschutz tragen, wie zu erwarten war, ebenso die Gäste etwa im Eingangsbereich. Auch Buffets sind unter Auflagen erlaubt. Und: In Seminarhotels dürfen Veranstaltungen mit bis zu 100 Gästen abgehalten werden.

Damit gebe es für Firmen die Sicherheit, dass sie Seminartage buchen können, zeigt sich Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbands der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich und Obfrau der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Niederösterreich, zufrieden.

Außerdem hätten ausländische Gäste mit den anstehenden Grenzöffnungen nun die Sicherheit, dass sie ihre bereits getätigten Buchungen auch in Anspruch nehmen können. Punkto Auslastung gingen die Betriebe laut einer Umfrage für Juli von 50 bis 60 Prozent und für August schließlich von über 60 Prozent aus. „Das kann punktuell aber sehr unterschiedlich sein.“

Mit Rückgang um 30 Prozent ist zu rechnen

Was die Nächtigungsrückgänge für das gesamte Jahr angeht, will Kraus-Winkler noch keine Prognosen abgeben. Diese Entwicklung hänge vom Flugverkehr, der für den Städtetourismus sehr wichtig ist, ebenso ab wie von der Situation im Wintertourismus und der gesundheitlichen Lage in den Zielländern.

„Prognosen wären jetzt Kaffeesudleserei“ sagt Kraus-Winkler – mit einem Rückgang um 30 Prozent müsse man aber vermutlich rechnen, immerhin gab es heuer bereits eine verkürzte Wintersaison und eine verzögert anlaufende Sommersaison. Außerdem würden auch Nächtigungen, die aus Hochzeiten oder Events innerhalb Österreichs entstehen, aktuell wegfallen.

Kritik am Gesundheitsministerium

Mit der Performance der Bundesregierung ist die Hotellerie-Sprecherin an und für sich zufrieden – mit dem Tourismusministerium sei man in engem Austausch gewesen. „Das Wichtigste war, dass wir jetzt wieder eine Perspektive haben.“ Kritik übt Kraus-Winkler jedoch an der Vorgehensweise des Gesundheitsministeriums.

Bei „aller unternehmerischen Verantwortung“, der sich die Betriebe bewusst seien, und bei „allem Verständnis“ für die aktuelle Situation hätte sie sich dennoch eine Woche mehr Vorlaufzeit vor der Öffnung erwartet. „Natürlich haben die Betriebe schon vorgearbeitet“, betont Kraus-Winkler, dennoch sei die Zeit bis zur Wiederöffnung sehr knapp. Der Fachverband in der Wirtschaftskammer hätte der Regierung jedenfalls frühzeitig und sehr intensiv zugearbeitet.

Für NÖ im Speziellen sieht Kraus-Winkler aktuell einen Standortvorteil. Immerhin gebe es eine absehbare Grenzöffnung zu Kernmärkten wie Deutschland und Tschechien, und die neue Kampagne der NÖ-Werbung ziele etwa stark auf Familien ab: