Erntehelfer und Co.: Vorsicht bei Nebenbeschäftigung. Wer jetzt in Kurzarbeit beschäftigt ist, darf in seiner Freizeit grundsätzlich Nebenbeschäftigungen nachgehen. Allerdings gilt es einiges zu beachten.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 26. März 2020 (15:20)
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Grundsätzlich könnten jetzt viele Menschen auf die Idee kommen, sich für die Dauer der Kurzarbeit in einem anderen Bereich etwas dazuzuverdienen – etwa als Erntehelferin oder Erntehelfer. Darum haben Arbeits- und Landwirtschaftsministerium gestern Abend in einer Mitteilung auch ausdrücklich gebeten.

An sich spricht da auch nichts dagegen, sagt auch Katharina Samsinger, Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer Niederösterreich. „Nebenbeschäftigung ist neben der Corona-Kurzarbeit möglich. Die Zeit, die sie nicht arbeiten, gilt ja als Freizeit, und mit der können Sie grundsätzlich verfügen, wie sie möchten.“

Allerdings gilt es einiges zu beachten, damit es im Nachhinein nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt. Denn: „Während der Corona-Kurzarbeit gibt es ein aufrechtes Dienstverhältnis. Man muss dem Arbeitgeber während der vereinbarten Arbeitszeit zur Verfügung stehen.“

„In manchen Arbeitsverträgen gibt es ein Nebenbeschäftigungs- oder Konkurrenzverbot.“ Katharina Samsinger

Die Nebenbeschäftigung darf also der Erfüllung der vereinbarten Arbeitszeit nicht entgegenstehen. Samsinger empfiehlt daher, mit dem Arbeitgeber die Rahmenbedingungen der zu leistenden Arbeitszeit genau zu vereinbaren.

„Darüber hinaus gibt es in manchen Arbeitsverträgen ein Nebenbeschäftigungs- oder Konkurrenzverbot. Wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das nicht abklären und eine Nebenbeschäftigung aufnehmen, setzen sie unter Umständen sogar einen Entlassungsgrund“, weiß Samsinger. Sie empfiehlt daher auch hier, alle Details mit dem Arbeitgeber abzusprechen und dies zusätzlich per Mail zu dokumentieren.

Wird für die Zeit der Kurzarbeit tatsächlich ein zweites Dienstverhältnis begonnen, gebe es natürlich auch hier Kündigungsfristen, so Samsingers Hinweis. Dies ist vor allem wichtig zu bedenken, wenn sich der Arbeitgeber vorbehalten hat, die Kurzarbeit frühzeitig zu beenden. Außerdem weist die AKNÖ-Arbeitsrechtsexpertin darauf hin, dass aus Nebenbeschäftigungen je nach Ausmaß auch Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuer fällig werden können – auch die gilt es zu bedenken. 

Übrigens: Die Kurzarbeit mindert keine Pensionsansprüche, stellt Samsinger klar. „Während der Corona-Kurzarbeit werden die Sozialversicherungsbeiträge auf Basis des letzten Gehalts vor der Kurzarbeit berechnet“, erklärt sie. Daher hat eine Kurzarbeit keine Auswirkungen auf etwa Pensionsversicherungszeiten.

Detaillierte Auskünfte für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es unter der Hotline 05 / 71 71 22000 (erreichbar Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr und diesen Samstag und Sonntag von 9 bis 16 Uhr) sowie via Mail unter beratung@aknoe.at . In den ersten zehn Tagen sind knapp 20.000 Anfragen bei der arbeits- und sozialrechtlichen Beratung der Arbeiterkammer Niederösterreich eingelangt.