Covid, du hast die Gans gestohlen. Martini-Essen fallen heuer aus. Einige Bauern lassen die Vögel noch auf der Weide. Viele Wirte bieten „Gansl to go“.

Von Lisa Röhrer und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 11. November 2020 (05:53)
Symbolbild
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Hunderte Vögel schnattern am Hof von Johann Radelsböck. Der Haager führt den größten alleinigen Gänsehaltungsbetrieb in Österreich. Sein Einkommen hängt damit ganz an den Monaten im Herbst – und, weil 80 Prozent des Gänsefleisches an die Gastronomie gehen, an Martini-Essen in den Hotels und Wirtshäusern.

Gerade als die kulinarische Saison vor der Tür gestanden wäre, musste die Gastro jedoch coronabedingt wieder schließen. Den Wirten entgeht damit ein wichtiges Geschäft, sagt Wirte-Sprecher Mario Pulker: „Das ist Tradition und für viele ein gutes Einkommen.“ Landwirt Johann Radelsböck bekommt das deutlich zu spüren: Er hat heuer verglichen mit den vorherigen Jahren erst etwa die Hälfte der Gänse geschlachtet und verkauft.

Aus der Martinigans wird dann eine Weihnachtsgans Gerhard Ecker

Dass es vielen seiner Kollegen ähnlich geht, berichtet Heidi Hebesberger vom vom Österreichischen Weidegansverband: „Das ist ein großes Thema. Wir haben die fertigen Tiere auf der Weide.“

Gerhard Ecker, der einen Geflügelbetrieb in Kirchberg am Wagram (Bezirk Tulln) betreibt, lässt seine Gänse dort nun noch einige Wochen. Mit seinen Gastro-Abnehmern hat er vereinbart, dass sie diese kaufen, sobald der Lockdown zu Ende ist. „Aus der Martinigans wird dann eine Weihnachtsgans“, sagt er. Die Tiere könnten problemlos bis in den Dezember gehalten werden. Dann müssen sie geschlachtet werden. „Das wäre schlimm für uns“, sagt Radelsböck, „für eine tiefgefrorene Gans kann ich nur die Hälfte verlangen.“

Ganz ausfüllen müssen die Martini-Essen für die Niederösterreicher aber nicht. Viele Wirte setzen auf „Gansl to go“, sagt Mario Pulker. Ein Beispiel ist der Gasthof Klinglhuber in Krems. Hier wird ein Abholservice für das Martini-Essen gerade geprüft, berichtet Inhaberin Astrid Klinglhuber-Berger.

Lebensmittel wurden gerettet

Vorbestellt waren aber nicht nur Martini-Gänse. Als die erneute Gastro-Sperre bekannt wurde, mussten die Gastronomen zusehen, was sie mit den bereits besorgten Waren machen. In St. Pölten rief die Foodsharing-Community dazu auf, Speisen und Lebensmittel zu verschenken, statt sie wegzuwerfen. Einige Wirte boten für ihre Stammgäste „Restl“-Essen an. Laut dem Wirte-Sprecher konnten viele vereinbaren, dass noch nicht geöffnete Waren an die Großhändler zurückgegeben werden. Finanziell ist das für die Wirten aber sehr wohl ein Thema, sagt Pulker: „Alles, was man nicht verwerten kann, fällt ins Gewicht.“

Die Kremser Gastronomin Klinglhuber konnte fast alles retten. Durch einen „sehr knappen“ Einkauf und tägliche Frischlieferungen gebe es kaum einen Lebensmittelverlust bei Klinglhuber. „Ein bisschen wird eingefroren, einiges können wir auch im Hotelbetrieb für Geschäftsreisende weiterverwenden.“

In Annaberg hat man überhaupt ein System gefunden, um das Wegwerfen von Lebensmitteln zu vermeiden. Die Wirte der Lilienfelder Gemeinde kaufen Lebensmittel wie Salat oder Buffetwaren gemeinsam ein. „Wenn ein Wirt auf Urlaub geht, gibt er seine Waren weiter. Später kriegt er sie wieder zurück“, erzählt Peter Engleitner vom Gasthof zur Post.

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