Das Auto auf dem Prüfstand. Die Corona-Krise verursachte auch bei den Autoprüfstellen einen Rückstau - eben der soll nun aufgearbeitet werden.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:39)

Ein Porsche Speedster, Baujahr 1989. Weltweit gibt es nur 1.800 Stück von ihm. Heute steht er in der St. Pöltner Autoprüfstelle. Der Wagen soll als Oldtimer typisiert werden. Prüfhelfer Hermann Berger macht sich sofort an die Arbeit. Unterdessen warten Angelina Berthold und Julian Breitner noch auf die Papiere für ihren VW „Murphy“. Seit drei Jahren wird der Wagen restauriert, jetzt soll er endlich auch auf die Straße dürfen. Dann endlich die erlösenden Worte der Prüfer: „Herzlichen Glückwunsch - hier sind Ihre Papiere“.

So, oder so ähnlich, sieht der Alltag in den sechs KFZ-Prüfstellen des Landes Niederösterreich aus. Wobei derzeit ein erhöhtes Arbeitsvolumen zu bewältigen ist. „Es gilt jetzt den Rückstau der letzten Monate aufzuarbeiten“, erklärte der zuständige Landesrat, Jochen Danninger (ÖVP) bei seinem Antrittsbesuch in der Vorwoche.

Zuletzt lag der Fokus der Prüfstellen auf systemrelevanten Fahrzeugen für Blaulichtorganisationen oder die Lebensmittelversorgung, jetzt beginnt die Rückkehr zum Tagesgeschäft.

Von Privatem bis zu behördlich angeordnet

Der Schwerpunkt liegt auf Fahrzeugen, die durch Umbau vervollständigt wurden (z. B. LKW mit Kühlaufbau) oder einzeln produziert wurden, aber auch auf landwirtschaftlichen Anhängern. Pro Jahr werden so in Amstetten, Brunn/Wild (Bezirk Horn), Gerasdorf (Korneuburg), St. Pölten, Weikersdorf (Wiener Neustadt) und Wiener Neudorf (Mödling) rund 13.260 Anträge genehmigt.

Laut Georg Hönig, dem Leiter der Abteilung Technische Kraftfahrzeugangelegenheiten beim Land Niederösterreich, wird ein überwiegender Anteil der Genehmigungen für professionelle Antragssteller abgewickelt. Das sind Firmen, die mit Fahrzeugen handeln, Aufbauten fertigen oder im Tuningbereich tätig sind, aber auch Blaulichtorganisationen oder Behörden. Private Antragsteller würden dagegen eher im Bereich der Gebrauchtfahrzeuge überwiegen.

Aber auch behördlich angeordnete Überprüfung werden an den sechs Standorten durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Polizei sind die Mitarbeiter der Prüfstellen daher immer wieder bei Schwerpunktaktionen gegen „Roadrunner“ eingesetzt.

Die Szene lebt oftmals von Rennen mit illegal umgebauten Fahrzeugen. In drei Schwerpunktaktionen wurden heuer bisher 26 Fahrzeuge, die im Verdacht standen, nicht den Vorschriften zu entsprechen, überprüft. Etwa zehn Kennzeichen wurden im Zuge dessen abgenommen. „Weitere Einsätze sind in Planung“, lässt Hönig zudem wissen.

Zum Thema:

  • Die sechs Prüfstellen wickeln jährlich etwa 13.260 Genehmigungen ab.
  • Davon sind rund 3.780 Einzelgenehmigungen, 1.300 Ausnahmegenehmigugnen und 8.180 Eintragungen für Änderungen an Fahrzeugen.
  • Die Anträge verteilen sich auf die Prüfstellen wie folgt: Amstetten (14 Prozent), Brunn/Wild (16 Prozent), Gerasdorf (17 Prozent), St. Pölten (21 Prozent), Weikersdorf (13 Prozent) und Wiener Neudorf (19 Prozent)
  • 26 Fahrzeuge wurden im ersten Halbjahr 2020 bei drei Roadrunner-Schwerpunktaktion überprüft.