„Das ist eine Tragödie“. Raststätten-Deal / Die St. Pöltner Kette von Kris und Melina Rosenberger geht an Chinesen. Cousin und Landzeit-Chef Wolfgang Rosenberger zeigt sich überrascht und berührt.

Erstellt am 05. August 2013 (11:43)
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Von Heinz Bidner

Erst im Vorjahr feierte die St. Pöltner Raststationenkette Rosenberger der Geschwister Kris und Melina Rosenberger ihr 40-jähriges Bestandsjubiläum. Vergangene Woche wurde bekannt, dass der Betrieb an chinesische Unternehmer verkauft wurde. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die kolportierte Summe von 20 Millionen Euro dementiert.

Als Grund für den Verkauf wird Geldnot verneint. Vielmehr wäre es eine Voraussetzung für die angestrebte Expansion, so Rosenberger-Geschäftsführer Franz Groißenberger. Die regionale Ausrichtung der 19 Lokale soll bleiben.

Landzeit-Chef und Cousin zeigt sich berührt

Cousin Wolfgang Rosenberger, der nach Erbstreitigkeiten 2004 einen Teil der damaligen Raststationen übernahm und nun unter der Marke Landzeit 15 Lokale führt, hat von dem Deal erst aus den Medien erfahren. „Es tut mir wahnsinnig leid, was hier passiert ist. Das ist eine Tragödie“, sagt er gegenüber der NÖN. Es sei schade, dass das Familienunternehmen nach zwei Generationen Aufbauzeit in fremde Hände gehe.

Das berühre ihn, „weil das meine Familie ist“. Mit Cousin Kris und Cousine Melina hätte er nach wie vor keinerlei geschäftliche Verbindungen. Privat gebe es verwandtschaftliche Kontakte etwa bei Familienfesten, die „aber nicht unfreundlich“ wären, beschreibt er das persönliche Verhältnis.

800 Mitarbeiter bei Autobahn-Restaurantriese Landzeit

Verkaufsüberlegungen zu Landzeit hat Wolfgang Rosenberger hingegen „in keinster Weise“. Derzeit liege volle Konzentration auf dem Neubau der 16. Raststation beim A1/A21-Autobahnknoten Steinhäusl. „Wir bekommen auch ständig Angebote aus dem Ausland“, sagt der Unternehmer: „In Westeuropa könnte ich mir das eine oder andere vorstellen.“ Details gebe es dazu aber noch nicht.

Im Vorjahr setzte Landzeit mit Zentrale in Sattledt (OÖ) und juristischem Sitz in St. Valentin mit etwa 800 Mitarbeitern rund 50 Millionen Euro um.
 



Hintergründe:

Die Rosenberger Restaurant GmbH in St. Pölten gehörte bislang der Familie der Geschwister Kris und Melina Rosenberger und betreibt 19 Raststätten. Laut Firmenbuch werden rund 740 Mitarbeiter beschäftigt.

Im zuletzt hinterlegten Geschäftsjahr 2011 lag der Umsatz bei knapp 39 Millionen Euro, der Verlust (EGT) bei rund 500.000 Euro. Die Verbindlichkeiten stiegen auf knapp 19 Millionen Euro. Das nährt die öffentlichen Mutmaßungen, dass finanzielle Gründe die Ursache für den Verkauf waren.

Kris Rosenberger schied bereits am 25. Juni aus der Zweier-Geschäftsführung aus. Franz Groißenberger soll dem Vernehmen nach an Bord bleiben. Melina Rosenberger, die als Prokuristin fungierte, schied zeitgleich aus.