Dayli endgültig pleite. Schließung bewilligt | Bundesweit sind insgesamt knapp 3.500 Mitarbeiter vom Konkurs betroffen – 660 davon in Niederösterreich. Die größte Handelspleite nach Mitarbeiterzahl in den vergangenen 20 Jahren.

Erstellt am 12. August 2013 (13:23)
Von Heinz Bidner

Das Experiment von Rudolf Haberleitner, aus den übernommenen Schlecker-Filialen Dayli-Nahversorgergeschäfte zu machen, ist nach einem Jahr endgültig gescheitert. Bis Montag konnte laut Dayli-Masseverwalter Rudolf Mitterlehner kein Investor gefunden werden: „Eine Finanzierungszusage erfolgte, wurde aber nicht eingehalten.“

185 Filialen in Niederösterreich betroffen

Gläubigerausschuss und Gericht bewilligten daher zu Wochenbeginn die von Mitterlehner beantragte Schließung der TAP dayli Vertriebs GmbH. Bereits im Juli waren bundesweit 1.261 Mitarbeiter abgebaut worden, nun verlieren auch die übrigen 2.207 Beschäftigen ihre Jobs. In NÖ sind insgesamt 660 Personen in ursprünglich 185 Filialen und dem Lager in Pöchlarn betroffen.

Nach Zahl der Betroffenen handelt es sich damit in Österreich um die größte Handelspleite seit 20 Jahren. Die Passiva beliefen sich Anfang Juli, als das Sanierungsverfahren eröffnet worden war, auf rund 56 Millionen Euro.

Land NÖ und AMS wollen Arbeitsstiftung einrichten

Die Chance, dass im Rahmen des Konkurses noch ein Investor auftaucht, hält Rudolf Mitterlehner für gering: „Nach den Erfahrungen der letzten Tage habe ich auch da keine großen Hoffnungen.“

In NÖ wollen Land und Arbeitsmarktservice eine Arbeitsstiftung für die betroffenen Arbeitnehmer, die zu einem Großteil Frauen sind, einrichten. Im Vordergrund soll dabei die Weiterqualifikation stehen.
Dayli hat vergangene Woche bereits das erste Unternehmen mit in die Pleite gerissen.

Sanierungsverfahren über Pöchlarner Spediteur: Dayli einziger Auftraggeber

Laut Kreditschutzverband KSV1870 wurde über die A.S. Distributions-Service GmbH aus Pöchlarn das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Dayli war demnach der einzige Auftraggeber des Spediteurs mit vier Mitarbeitern.

Die Höhe der Aktiva wird mit rund 823.900 Euro beziffert, wobei noch eine Forderung von 506.000 Euro gegen Dayli entsprechend wertzuberichtigen ist. Die Passiva sollen sich auf 1,03 Millionen Euro belaufen.

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Nun Krach zwischen Haberleitner und Zieger

Am härtesten getroffen von der Pleite wurde der ehemalige dayli-Hälfteeigentümer Novomatic, der 25 Mio. Euro in das Unternehmen steckte.

Nach der genehmigten Schließung fliegen nun die Fetzen zwischen Ex-Eigentümer Rudolf Haberleitner und Neo-Eigentümer Martin Zieger.

Haberleitner relativierte seine eigene Klage

Wie Zieger am Montagabend verkündete, hat ihn Haberleitner auf Herausgabe der Anteile geklagt. Begründung: Zieger habe bei der Übernahme von dayli nur eine Treuhandschaft innegehabt. Stimmt nicht, sagt Zieger: "Es gibt keinen Treuhandvertrag."

Haberleitner relativierte Montagabend auf Anfrage seine eigene Klage. Nach der heute vom Gläubigerausschuss und Landesgericht Linz genehmigten Schließung habe die Klage "keine Bedeutung mehr". Er sei nicht an einem Rechtsstreit mit Zieger interessiert, sagte er