Streit um EVN-Preise. Landesversorger senkt Energiepreis, hebt aber Grundpreis um einen Euro pro Monat an. Interessenvertreter laufen Sturm.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 29. September 2014 (09:35)
NOEN, Anna Rauchenberger
E-Control-Vorstand Martin Graf ärgert, dass die EVN nur die Energiepreissenkung und nicht auch die Grundpreiserhöhung ankündigte.
Rund um die angekündigte Strompreissenkung des Landesenergiekonzerns EVN gehen die Wogen hoch. Wie berichtet, sollte die Preissenkung ab 1. Oktober gelten, bei zehn Prozent liegen und sich auf den reinen Energiepreis – also ohne Netzkosten, Steuern und Abgaben – beziehen. Ein durchschnittlicher EVN-Kunde mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden soll insgesamt etwa 32 Euro sparen.

Nun meldete sich E-Control-Vorstand Martin Graf zu Wort und polterte, dass es für manche Kunden sogar zu einer Erhöhung komme. Das betreffe vor allem Kunden mit einem niedrigen Jahresstromverbrauch von bis zu etwa 1.300 kWh.

Zahlreiche EVN-Kunden wären laut Graf empört, dass in einem Schreiben des Energieversorgers zwar eine Senkung des verbrauchsabhängigen Stromverbrauchspreises angekündigt werde, die gleichzeitig durchgeführte Erhöhung des Grundpreises von 10 auf 26,40 Euro pro Jahr, aber keine Erwähnung finde, so Graf. Mittlerweile haben auch Arbeiterkammer NÖ und Pensionistenverband die EVN-Teuerung heftig kritisiert, da sie vor allem sozial Schwache betreffe.

98 Prozent der Kunden sollen besser aussteigen 

„Für 98 Prozent unserer Kunden wird es billiger – zum Teil sogar deutlich“, erklärt EVN-Sprecher Stefan Zach. Auch die durchschnittliche Gesamtersparnis von 32 Euro stimme – den höheren Grundpreis mit eingerechnet.

Die E-Control-Aussage von einer Grundpreisteuerung von 16,40 Euro im Jahr wäre zudem so nicht richtig. „Wir haben unterschiedliche Tarife mit unterschiedlichen Grundpreisen“, sagt Zach. Die Teuerung liege meist bei rund einem Euro pro Monat, wäre im Schreiben an die Kunden angeführt und sei notwendig, weil die Fixkosten durch den Infrastrukturausbau gestiegen wären. Im bundesweiten Vergleich liege man beim Grundpreis auch ab dem 1. Oktober im Mittelfeld.

Spezielle Programme für armutsgefährdete Haushalte

Die Kritik, dass der Schritt vor allem sozial Schwache treffe, kann der EVN-Sprecher in dieser Form nicht nachvollziehen. Die meisten armutsgefährdeten Haushalte hätten wegen schlechter Energieeffizienz einen höheren Verbrauch von meist 4.300 kWh. Sogar armutsgefährdete Single-Haushalte würden meist bei 2.300 kWh im Jahr liegen. Deutlich geringer sei der Stromverbrauch vor allem bei Zweitwohnsitzern.

Für armutsgefährdete Haushalte biete die EVN zudem spezielle Programme an. Mit Oktober startet etwa das neue Bonuspunkteprogramm. Mit Arbeiterkammer und Pensionistenverband werde man das Gespräch suchen, meint der EVN-Sprecher. Und er betont, dass dies nun die vierte Strompreissenkung in zwei Jahren sei.