Der Boom der Online-Shops

Wie kleine Online-Händler im Kampf gegen internationale Großkonzerne überleben. Die NÖN hat nachgefragt.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:35
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Besonders während der Zeit des Lockdowns erfreut sich Online-Shopping großer Beliebtheit. Das Geschäft „Moderaumm.“ von Marion Krammer setzt deswegen auf einen eigenen Online-Shop und auf die sozialen Medien.
Foto: NÖN

Der stationäre Handel ist wieder geschlossen, das Vorweihnachtsgeschäft verlagert sich zunächst auf den Online-Handel. Klarer Gewinner bei den vorherigen Lockdowns waren internationale Online-Großhändler: Deutlich über die Hälfte der Online-Ausgaben von niederösterreichischen Konsumentinnen und Konsumenten gingen ins Ausland, das zeigen Daten der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Zum Ärger einer NÖN-Leserin könnten kleinere Online-Shops mit den internationalen jedoch oft nicht mithalten: „Drei Mal war das Produkt nicht lieferbar, irgendwann habe ich aufgegeben und wieder bei Amazon bestellt“, berichtet sie. Wer lokal kauft, kann jedoch die heimische Wirtschaft und somit auch Arbeitskräfte unterstützen. Rund 30 Prozent des Umsatzes aus den Bereichen Bücher, Elektro und Sport werden laut Wirtschaftskammer NÖ online umgesetzt.

Persönlicher Kontakt als großer Vorteil

Walter Gröbl ist (Online)-Händler in Niederösterreich, er besitzt das Geschäft „Spiel und Modellbau“ in Gänserndorf. Auch online bietet er Spielsachen, Kinderbücher und Papierwaren an. Einen Vorteil sieht er beim Service der kleinen Online-Händler: Sobald ein Problem mit dem Einkauf auftritt, hat man einen direkten Ansprechpartner, man kann einfach anrufen oder vorbeikommen, statt sich mit Telefon-Warteschleifen beim Kundenservice ärgern zu müssen.

Preislich müsse man natürlich anpassungsfähig sein, bestätigt Gröbl, die Branche sei voller Konkurrenz. Auch Gratis-Rücklieferungen könne man bei kleinen Shops nur schwer anbieten. „Unsere Kundschaft kennt unsere Produkte jedoch gut und weiß deren Qualität zu schätzen“, sagt der Geschäftsführer.

Eine familiäre Atmosphäre, das ist die Zukunft Marion Krammer

Marion Krammer besitzt das Geschäft „Moderaumm“ in Baden mit dazugehörigem Online-Shop. Auch sie bestätigt: „Das Persönliche ist unseren Kundinnen und Kunden extrem wichtig, da zahlen sie auch gerne mehr.“ Es sei natürlich eine große Herausforderung, einen Online-Shop zu gestalten, der im Auftritt und in der Logistik genauso schnell und gut ist, wie es die Leute von großen Online-Händlern gewohnt sind.

Personalmangel und weniger Ressourcen mache es den Kleineren oft schwer. Das Bewusstsein beim Einkaufen sei jedoch gestiegen, „eine familiäre Atmosphäre, das ist die Zukunft“, meint Krammer.

Als große Chance sieht Krammer die sozialen Medien. Täglich wird der Instagram-Kanal von Moderaumm mit den neuesten Modetrends bespielt. Drei Teilzeitkräfte hat Krammer eingestellt, die Beiträge in den sozialen Medien übernimmt sie jedoch selbst. Der Mehraufwand zahle sich jedoch aus:, „Soziale Medien sind super, um den Shop sichtbar zu machen“, so Krammer.

Um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um einen lokalen Online-Shop handelt, empfiehlt die Informationsplattform Watchlist Internet einen Blick in das Impressum der Website. Eine Recherche im Internet oder ein Anruf beim Shop können ebenfalls helfen.

Pro & Kontra: Onlinehandel

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