Der Mega-Deal. Möbelhandel / Die St. Pöltner kika/Leiner-Gruppe geht um über eine halbe Milliarde Euro an südafrikanische Eigentümer. Das halbierte Management soll bleiben und neue Häuser bauen. Von Heinz Bidner

Erstellt am 30. Juni 2013 (14:48)
NOEN, Leiner

Die Einrichtungshausgruppe kika/Leiner hat nun die Gerüchte bestätigt: Der südafrikanische Steinhoff-Konzern, einer der weltweit größten Möbelhändler, hat einen Vertrag zur 100-prozentigen Übernahme des St. Pöltner Familienunternehmens unterschrieben.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wie aus Bankenkreisen zu hören ist, soll er aber zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen. Offen ist noch das Okay der europäischen Kartellbehörden, das bis September erwartet wird.

Sowohl die Zentrale in St. Pölten mit über 300 Mitarbeitern als auch die übrigen Standorte und Jobs sowie beide Marken sollen erhalten bleiben, sagt Paul Koch von der bisherigen Eigentümerfamilie zur NÖN. Er werde auch künftig mit Peter Kickinger die Gruppe leiten.

Wie die NÖN im Mai exklusiv berichtete, wurde bereits im Vorfeld das Top-Management von kika/Leiner halbiert. Seither sitzen nur mehr diese beiden Geschäftsführer in der Rudolf Leiner GmbH und der kika Möbelhandels GmbH. Johannes Jungblut und Manfred Warmuth schieden aus. Begründet wurde das mit Effizienz.

Im Aufsichtsrat, dem Vater und kika-Gründer Herbert Koch vorsteht, sind Rochaden absehbar. Steinhoff wird wohl eigene Leute ins Kontrollgremium schicken. Ob Herbert Koch bleibt, ist noch offen.

„Es ist kein Notverkauf“, sagt Paul Koch. Das Unternehmen stünde wirtschaftlich gut da und keinesfalls mit dem Rücken zur Wand. Für eine nötige weitere Expansion wären allerdings einige Hundert Millionen Euro pro Land nötig. Und so wäre die Überlegung seitens der Eigentümerfamilien gewesen, einen Partner an Bord zu holen.

kika/Leiner musste zuletzt in einigen osteuropäischen Staaten allerdings Rückschläge hinnehmen. Laut den zuletzt im Firmenbuch hinterlegten Ergebniszahlen (EGT) des Geschäftsjahres, das am 29. Februar 2012 endete, schrieb die kika-Möbelhandels-GmbH, die auch Filialen in Osteuropa betreibt, einen Verlust von über 11 Millionen Euro. Die Rudolf Leiner-GmbH verbuchte einen Gewinn von knapp 5,4 Millionen Euro.

Paul Koch erwartet von dem Deal Synergieeffekte – etwa bei Einkauf und Logistik. Befürchtungen, dass in der Zentrale Mitarbeiter abgebaut werden könnten, möchte er nicht teilen. Man hätte schon in der Vergangenheit die Effizienz gesteigert – etwa im Bereich der EDV.

Fünf bis zehn neue  

Die Steinhoff-Gruppe hätte mit kika/Leiner sogar Expansionspläne, so Koch. Schon jetzt wären fünf bis zehn weitere Häusern im In- und Ausland für die nächsten Jahre in Planung. „Leiner ist etwa in manchen Bundesländern noch nicht vertreten“, sieht Koch weiße Flecken im Inland. Für Details sei es aber noch zu früh.

„Steinhoff verfügt in seinem europäischen Retail-Geschäft noch über keine Präsenz in Österreich, hier passt kika/Leiner perfekt“, begründete Steinhoff-Chef Markus J. Jooste in einer Aussendung den Kauf.

Daten & Fakten

Die kika/Leiner-Gruppe zählt mit rund 7.500 Mitarbeitern an 73 Standorten in sieben Ländern und einem Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro zu den großen Möbelhändlern in Europa.

Die börsenotierte Steinhoff-Gruppe entspringt der 1965 gegründeten deutschen Möbelhandlung von Bruno Steinhoff. 1997 ging Steinhoff nach Kapstadt in Südafrika und startete eine rasante Expansion. Im Vorjahr setzte die Gruppe mit weltweit rund 80.000 Mitarbeitern 6,8 Milliarden Euro um.

Fotos: APA, Leiner

„Leiner ist etwa in manchen Bundesländern noch nicht vertreten“, Paul Koch zum Potenzial im Inland.