Die Auftragslage am. Bauwirtschaft / Die Pleitefälle in NÖ nehmen in den letzten Jahren an Größe zu. Swietelsky Allgemeine Wirtschaftsflaute, weniger öffentliche Aufträge, mehr Konkurrenzdruck, schwerere Pleiten am Bau.

Erstellt am 30. Juni 2013 (16:19)
NOEN, APA/HELMUT FOHRINGER

von Heinz Bidner

Allgemeine Wirtschaftsflaute, weniger öffentliche Aufträge, mehr Konkurrenzdruck, schwerere Pleiten am Bau. So lässt sich die Entwicklung der letzten Jahre in NÖ zusammenfassen. Während sich die Schulden von insolventen Bauunternehmen im Krisenjahr 2009 auf 45 Millionen Euro beliefen, waren sie 2012 doppelt so hoch. Die Zahl der betroffenen Unternehmen stieg dabei kaum (Grafik), so eine Auswertung des Gläubigerschutzverbandes Creditreform.

„Eine Krise der gesamten Baubranche sehe ich nicht, da es doch eine gewisse Grundauslastung gibt“, sagt NÖ-Bau-Landesinnungsmeister Robert Jägersberger angesichts der Alpine-Insolvenz zur aktuellen Situation. Das Damoklesschwert sei jedoch, dass die Auftragslage insgesamt zurückgegangen und auch heuer noch nicht richtig angesprungen sei. Das Konjunkturpaket der Regierung könnte die Situation erleichtern.

Kritik übt Jägersberger an den „Kampf- und Dumpingpreisen“ der Alpine, welche die gesamte Baubranche in den letzten Jahren unter Druck gesetzt habe. Jägersberger ist überzeugt, dass viele Alpine-Baustellen bei Übernahmen neu kalkuliert werden müssten.

Für qualifizierte Alpine-Facharbeiter erwartet Jägersberger jedenfalls keine Probleme. Der Arbeitsmarkt werde sie schnell aufsaugen. Schwierig werde es aber für ältere und unqualifizierte Mitarbeiter. Alpine-Zulieferbetriebe wären nun jedenfalls doppelt in der Bredouille. Einerseits würden sie durch die Insolvenz vielleicht nur zehn Prozent ihrer Außenstände hereinbekommen. Zum anderen hätten sie die Auslastung verloren und damit fehlende Einnahmen samt überzähliger Mitarbeiter.

Rund um die Insolvenz der Alpine Bau GmbH zeichneten sich am Wochenende zu Redaktionsschluss bereits erste regionale Lösungen ab. Für NÖ relevant: Der Gläubigerausschuss nahm unter anderem die Angebote der Bauunternehmen Habau und Swietelsky aus OÖ an.

Hochbau Ost. So soll unter anderem die Abteilung Hochbau Ost, die NÖ, Wien und das Nordburgenland umfasst, an die Linzer Swietelsky gehen. Aus NÖ-Sicht befinden sich darunter die Standorte Horn (nur Hochbau) und die Universale Hochbau Trumau, so Swietelsky-Geschäftsführer Karl Weidlinger, der selbst von 2004 bis 2008 Alpine-Bau-Chef war. 150 bis 200 Mitarbeiter sollen vorerst übernommen werden. Sollten ausreichend Alpine-Baustellen seitens der Bauherren an die Swietelsky weitergereicht werden, könnten es entsprechend mehr werden, meint Weidlinger.

Nicht im Paket dabei ist der Standort Sankt Pölten. Wie die NÖN erfuhr, könnte er an die Scheibbser Baufirma Traunfellner gehen. Dort war Freitagnachmittag niemand mehr für eine Stellungnahme erreichbar.
m Straßenbau Ost. Fixiert wurde zudem, dass die Habau aus Perg unter anderem den Straßenbau Ost übernimmt, zu der auch der Straßenbaubereich in Horn zählt. Eine Stellungnahme von Habau war vorerst nicht erhältlich.
 


Gute Lösungen

x
NOEN

IM GESPRÄCH / Hermann Haneder, Alpine-Zentralbetriebsrat, über die Pleite und seine persönliche Zukunft.

NÖN: Was war aus Ihrer Sicht die Ursache für die Alpine-Pleite?
Haneder: Ursache war das rasche Wachstum – vor allem im Ausland. Es gab Managementfehler und ein Verkennen der Situation. Und ein massives Drängen der Eigentümer zu wachsen. Der österreichische Teil war ja gesund und profitabel.

Es heißt aber aus der Baubranche, dass gerade in Österreich zu Dumpingpreisen gearbeitet wurde?
Mir wurde erzählt, dass Strabag, Porr oder andere mit Dumpingpreisen arbeiten. Die Bauindustrie-Unternehmen pecken sich gegenseitig die Augen aus, wenn sie so weitermachen.

Sind Sie über die geplanten lokalen Auffanglösungen glücklich?
Als Betriebsrat gesehen bedeutet das, dass wir so mehr Mitarbeiter unterbringen als bei einer großen Lösung.

"Ziel ist, dass keiner unter die Räder kommt"

Für alle 4.905 Alpine-Beschäftigte soll es diese Woche 33 Betriebsversammlungen geben. Welchen Tipp können Sie geben?
Mein Tipp ist, Ruhe zu bewahren, Vertrauen in die Betriebsräte, Arbeiterkammer und ÖGB zu setzen. Ziel ist, dass keiner unter die Räder kommt.

Sie werden als AKNÖ-Präsident abtreten, die Alpine wird zerschlagen. Was werden Sie tun?
Ab 12. Juli gibt es bei der Alpine keinen Betriebsrat mehr. Die Frage ist, was derjenige, der den Hochbau Ost übernimmt und wo mein Mandat ist, vor hat und ob er mich nimmt. Meine Zukunft hat für mich dabei aber nicht oberste Priorität.

Sie könnten auch in Pension gehen. Würden Sie das machen?
Das weiß ich noch nicht.

-hb-