„Die Ukraine ist eine Sensation“. Robert Schmid, Chef des Baustoffimperiums Schmid Industrieholding, über Auslandsmärkte und Hürden.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 17. Juni 2014 (07:31)
NOEN, Erich Marschik
»Die Ukraine hat sich stärker entwickelt als andere Märkte«, sagt Robert Schmid von der gleichnamigen Baustoff-Gruppe.

NÖN: Ihre Schmid Industrie Holding konnte im Vorjahr den Umsatz von 1,3 Milliarden Euro nur halten. Warum?

Schmid: In Anbetracht des Jahres 2013 ist das Halten unseres Niveaus ein Riesenerfolg gewesen. Die Bauwirtschaft ist sehr wetterabhängig. Durch den strengen Winter hatten wir im ersten Quartal einen kräftigen Verlust, der bis Jahresende nicht einholbar war.

Im Vorjahr musste die Branche die Alpine-Großinsolvenz verdauen. Wie stark waren Ihre Unternehmen betroffen?

Schmid: Die Wopfinger Transportbeton hat einiges abschreiben müssen – ein paar 100.000 Euro.

Der vergangene Winter war in Österreich ungewöhnlich warm. Wie lief das Geschäft in diesem Jahr?

Schmid: Das war sehr gut. Wir haben heuer von Jänner bis April sogar den entsprechenden Zeitraum des Jahres 2012 übertroffen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum liegen wir weit über 20 Prozent im Plus. Allerdings bringen die ersten drei Monate nur so viel Umsatz wie ein einziger guter Sommermonat. Man muss es also relativieren.

Die Gemeinden sparen, immer mehr Menschen haben Jobsorgen. Spüren Sie das?

Schmid: Ich glaube, die Leute konsumieren allgemein weniger. Den Menschen ist aber noch immer wichtig, dass ihr Geld in Sachwerten abgebildet wird. Man merkt bei uns, dass daher die qualitativ hochwertigen Produkte besser gehen als die Billigprodukte. Da ist kein Rückgang spürbar.

Sie haben im Vorjahr angekündigt, dass Baumit seine neue Fabrik für Putze in China im Mai in Betrieb nehmen will. Wie läuft es?

Schmid: Sie ist knapp vor der Inbetriebnahme, Ende Juni müsste es so weit sein. Wir haben dort bewusst chinesische Qualität bestellt. Das war aber ein Riesenfehler, weil Heerscharen von unseren Mitarbeitern mittlerweile in Shanghai sitzen und das in Ordnung bringen, was die Chinesen verhaut haben. Es gibt Fehler von A bis Z. Vom Bau angefangen bis zu den Anlagen.

Sie sind von sechs Millionen Euro an Kosten ausgegangen.

Schmid: Ich schätze die Mehrkosten auf etwa zwei Millionen Euro.

Können Sie das rechtlich einfordern?

Schmid: Versuchen wird man es. Aber in China halte ich das für sehr schwierig.

Haben Sie derzeit Pläne für andere neue Märkte?

Schmid: Nein, derzeit nicht. Wir sind aber vor zwei Jahren mit einer Vertriebsgesellschaft nach Frankreich gegangen. In zwei Jahren werden wir die Entscheidung treffen müssen, ob wir dort ein Werk bauen sollen.

Sie sind mit Baumit im ukrainischen Kiew mit einem Putzwerk vertreten. Wie lief das heurige Jahr angesichts der Krise mit Russland?

Schmid: Die Ukraine ist eigentlich eine Sensation. In den ersten vier Monaten hatten wir mit 30 Prozent ein Riesen-Umsatzplus. Trotz der Megakrise. Die Ukraine hat sich stärker entwickelt als andere Märkte. Das Schöne für uns: alles auf Vorauskassa und mittels Barbezahlung. In der schwierigen Situation bleibt einem nichts anderes übrig.

Seit wann haben Sie auf Vorauskassa umgestellt?

Schmid: Zu Beginn der Krimkrise, seit Jahreswechsel.

Wie erklären Sie sich diesen Zuwachs?

Schmid: Die Menschen dort sehen, dass die ukrainische Währung weniger wert wird. Sie versuchen, in Sachwerte zu investieren und tauschen Griwna gegen Bau mit Putz.

Beliefern Sie die angeschlagene Baumarktkette bauMax nun auch gegen Vorauskassa?

Schmid: Nein. Wir liefern ganz normal, bauMax zahlt tadellos pünktlich.

Die Banken wünschen sich Investoren für bauMax. Wäre das für Sie interessant?

Schmid: Nein, der Handel ist ein anderes Metier.

Gehen wir noch kurz zur Wirtschaftspolitik. In Österreich wird immer wieder eine Re-Industrialisierung gefordert. Wo müsste man ansetzen?

Schmid: Wo ich ansetzen kann, ist, dass die Lohnnebenkosten in einem erträglichen Ausmaß bleiben. Und dass die Menschen das, was ihnen ihr Betrieb bezahlt, auch in der Tasche behalten können und nicht alles durch Steuern und Abgaben irgendwo verschwindet. Zudem sollte man Österreich verwaltungsmäßig erträglich halten – also nicht noch eine und noch eine Auflage machen. Neuinvestitionen sollten relativ einfach genehmigt werden.

Zuletzt äußerten einige Betriebe Abwanderungsideen. Ist das für Sie ein Thema?

Schmid: Ich hoffe und bete jeden Tag, dass das Wirtschaftsleben auch weiterhin so erträglich bleiben wird und dass ich mir diese Frage nie stellen muss.


Eckdaten

Die Schmid Industrieholding in Waldegg nahe Wr. Neustadt steht in Familienbesitz. Geschäftsführer sind Robert Schmid (45) und sein Vater Friedrich (71). Die Baustoff-Gruppe setzte im Vorjahr 1,3 Milliarden Euro um (unverändert zu 2012), Gewinne werden nicht bekannt gegeben. Rund 1.200 der weltweit 4.700 Mitarbeiter arbeiten in den Inlandstöchtern. Zur Holding gehören Baumit, Wopfinger, Austrotherm, Murexin, Tiwo, Calmit, Lorencic Ortner, WolfPlastics, Furtenbach und Kettner.