Doppelter Umsatz als Ziel. Der aus Herzogenburg stammende Konzern will bis 2020 rund 500 Millionen Euro erwirtschaften und braucht dringend Fachkräfte – auch für den neuen Hauptsitz ab 2015.

Von Gerti Süss. Erstellt am 08. April 2014 (10:30)
Rund 50 Millionen Euro soll der Erber Campus in Getzersdorf kosten, der ab 2015 bezogen wird und bei Vollauslastung 400 Arbeitsplätze bieten soll. Foto/Grafik: Architekt Podsedensek
NOEN, Architekt Podsedensek
Im Jahr 1983 unter dem Namen Biomin gegründet, gehören heute 57 Unternehmen zur Erber Gruppe, die sich in erster Linie auf die Produktion von Futtermittelzusätzen spezialisiert hat. Hinter diesem Weltkonzern steht Erich Erber (61), der gegenüber der NÖN erstmals verrät, dass er sich in den nächsten Monaten als Vorstand zurückziehen und danach nur noch Aufsichtsrat sein möchte.

Ex-Chef von Novartis-Österreich wird Vorstand

Der neue Vorstandschef steht seit 1. April fest: Christian Seiwald, Ex-Österreich-Chef des Pharmakonzerns Novartis, soll künftig ans Ruder. „Wir brauchen jemanden, der weltweit unterwegs war und aus einer größeren Einheit kommt“, begründet Erber die Wahl für seinen Nachfolger.

Im Vorjahr erwirtschaftete die Erber Gruppe 250 Millionen Euro – bis 2020 hat man sich jedoch zum Ziel gesetzt, den Umsatz zu verdoppeln. Langfristig sieht Erber überhaupt erst für das Jahr 2050 einen Plafond beim Wachstum, denn: „Bis dahin wird die Bevölkerung immer mehr, insbesondere in Asien und Afrika. Und all diese Menschen müssen essen.“

Permanent 50-70 Stellen ausgeschrieben

Die größte Herausforderung sieht Erber vielmehr darin, dem Wachstum mit seiner Belegschaft gerecht zu werden. 1.500 Mitarbeiter beschäftigt die Firmengruppe weltweit, davon etwa 600 in Österreich.

Derzeit seien permanent 50 bis 70 Stellen ausgeschrieben. „Besonders schwer ist die Mitarbeitersuche bei Forschung und Verkauf“, erklärt Erber. In Österreich sieht er eine mangelnde Flexibilität bei Arbeitnehmern: „Viele wollen nicht einmal von Oberösterreich nach Niederösterreich ziehen“, erklärt der Manager, der seit 1994 in Singapur lebt und im Schnitt hundert Tage im Jahr in Österreich ist.

Neue Zentrale bleibt in Niederösterreich

Dennoch habe man es in den letzten Jahren geschafft, den Personalstand am Hauptsitz in Herzogenburg um jährlich etwa zehn Prozent zu erhöhen – was auch der Grund für die geplante Übersiedlung in den „Erber Group Campus“ ins benachbarte Getzersdorf ab 2015 ist.

Dass die Zentrale in Österreich bleiben soll, war von Anfang an klar. Zwar war kurz Bratislava im Rennen, aber bald konnte sich Getzersdorf unter 32 österreichischen Standorten durchsetzen. „Auch wenn die Lohnkosten woanders niedriger sind, haben wir hier ein Umfeld und eine Stabilität, die es sonst nirgends gibt“, so Erber.

Umsatzeinbruch in der Ukraine erwartet

Äußerst instabil sei die Lage derzeit in Venezuela, aber auch in der Ukraine, wo das Unternehmen bis vor kurzem noch zweistellige Wachstumsraten verzeichnete.

Heuer könnte der Umsatz dort um die Hälfte einbrechen, denn: „Es hakt vor allem an der Zahlungswilligkeit und -fähigkeit. Deswegen liefern wir jetzt auch weniger dorthin.“ Ein Rückzug aus der Ukraine sei dennoch nicht geplant.