Die Lehre blüht in NÖ auf. Nach Imageproblemen wird Lehre wieder beliebter – gerade in NÖ.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 28. Mai 2019 (01:48)
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Die Zahl der Lehrlinge in Niederösterreich stieg 2018 um 2,1 Prozent. Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl plädiert für ein Pflichtfach Berufsorientierung in Mittelschulen und AHS, um diesen Wert noch weiter anzuheben.

„Lern was, sonst musst nur a Lehr’ machen“. Dieser Stehsatz war lange Zeit in den Köpfen der Menschen verankert – und spiegelt deutlich das Image der Lehrausbildung in Österreich wider. Und das, obwohl Österreich im Ausland um die Form der dualen Ausbildung – also die Kombination zwischen praktischer Ausbildung im Lehrbetrieb und theoretischem Teil in der Berufsschule – häufig beneidet wird. Seit dem Vorjahr zeichnet sich aber eine zarte Trendumkehr ab. Niederösterreich verzeichnete 2018 um 2,1 Prozent mehr Lehrlinge – der höchste Zuwachs unter allen Bundesländern.

Gleichzeitig hat Niederösterreich mit 11,6 Prozent die geringste Drop-out-Rate Österreichs. Im blau-gelben Bundesland brechen also die wenigsten Personen, die eine Lehre begonnen haben, diese wieder ab. Rechnet man hier die Personen in überbetrieblichen Lehrausbildungen dazu, liegt der Wert für Niederösterreich bei 15,6 Prozent. „Generell kann man sagen, dass sich eine echte Trendwende am Arbeitsmarkt abzeichnet“, sagt Helmut Dornmayer vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft. Er hat im Auftrag von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer Niederösterreich die Lehre in Niederösterreich unter die Lupe genommen.

Trotz der erfreulichen Werte sollen weitere Maßnahmen den Stellenwert der Lehre heben. Man habe sich vorgenommen „neue Zielgruppen für die Ausbildung zu gewinnen“, sagt Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl. Eine solche Zielgruppe sollen die Maturanten sein – aktuell machen nur 2,5 Prozent der Maturanten in Österreich nach der Matura eine Lehre – in Deutschland liege dieser Wert bei 28 Prozent. Erwachsene sollen generell mehr angesprochen werden. Hier wünscht sich Zwazl Adaptierungen beim Berufsausbildungsgesetz. Um die Drop-out-Rate bei der Lehrausbildung weiter zu senken, fordert Zwazl in diesem Zusammenhang einmal mehr ein Pflichtfach Berufsorientierung an Neuen Mittelschulen und AHS. Junge Menschen würden sich zu spät mit der Berufswahl beschäftigen.

81 Prozent bestehen die Lehrabschlussprüfung

Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer NÖ, wünscht sich eine österreichweite Ausrollung des Masterlehrgangs für Berufsorientierung, den es an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich gibt. Anfragen aus anderen Bundesländern habe es bereits gegeben.

Noch ein paar Zahlen: Von den knapp 7.100 Lehrlingen, die im Vorjahr in NÖ zur Lehrabschlussprüfung angetreten sind, haben knapp 81 Prozent die Prüfung auch bestanden – 14 Prozent mit Auszeichnung, knapp ein Viertel mit gutem Erfolg. Es gibt aber auch Lehrlinge, die ihre Lehrausbildung fertig machen, im Anschluss aber nicht zur Lehrabschlussprüfung antreten. Dieser Wert ist seit dem Jahr 2011 in NÖ deutlich gesunken – von 7,9 Prozent, die nicht antreten, auf 5,3 Prozent im Jahr 2018.