Das Land kämpft mit Trockenheit. Der Regen bleibt aus, und der Wasserverbrauch ist gestiegen. Gemeinden rufen zum Sparen auf, Wehr warnt vor Bränden.

Von Lisa Röhrer und Stefanie Marek. Erstellt am 22. April 2020 (05:55)
Viele Niederösterreicher füllen gerade ihre Pools. Laut den Wasserversorgern des Landes ist das der Hauptgrund für den gestiegenen Wasserverbrauch. Einige Gemeinde appellieren daher an die Bürger, ihre Bäder vorerst leer zu lassen.
Lisa Röhrer

„Aufgrund der Trockenheit und des gestiegenen Verbrauchs ersuchen wir, Wasser zu sparen“: Dieser Hinweis flatterte in der Vorwoche in die Haushalte einer Gemeinde im Bezirk St. Pölten. Nicht lebensnotwendige Entnahme von Wasser sei zu unterlassen. Abgeraten wird vom Befüllen von Pools, Rasensprengen oder Autowaschen.

Der Ort ist dabei nur einer von vielen. In allen Teilen des Landes ist Wasser gerade knapp. Besonders drastisch ist die Situation, laut Martin Angelmaier von der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes, im Wein- und Industrieviertel. Hier gab es in diesem Jahr bisher um bis zu 40 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Im Rest von NÖ hat es zwar nur um zehn Prozent weniger geregnet, doch auch dort kann es, gerade wo kleine Wasserversorgungsanlagen vorhanden sind, schwierig werden.

Wasserverbrauch ist gestiegen

Gleichzeitig ist der Verbrauch gestiegen. Das zeigt die Statistik der größten Wasseranbieter des Landes. Bei der EVN Wasser wurde im März und April ein Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Höher war der Verbrauch im Vergleich mit vergangenen Jahren auch beim Triestingtaler Wasserleitungsverband. „Das ist vorrangig darauf zurückzuführen, dass die Menschen zu Hause sind und Zeit haben für Gartenarbeit und Poolfüllungen“, meint Direktor Wilhelm Balber.

Schwimmbäder sind, laut dem Experten des Landes, Martin Angelmaier, dann ein Problem, wenn viele Menschen sie gleichzeitig befüllen. Wasseranbieter kommen dann nicht mehr damit nach, Wasser in die Behälter zu pumpen. Um vorübergehende Knappheit zu vermeiden, müssen Bürger in einigen Gemeinden daher Termine zum Pool-Einlassen ausmachen.

Schlecht für Pflanzen, gut für Schädlinge

Wasser brauchen momentan auch die Landwirte. Sie müssen ihre Pflanzen bewässern, um gröbere Schäden abwehren zu können. Denn die Trockenheit stellt sie vor Schwierigkeiten: Die im Herbst angebauten Wintergetreidearten wie Weizen, Roggen und Wintergerste etwa sind in der Hauptwachstumsphase, in der sie viel Wasser benötigen. Die Dürre schadet, laut Manfred Weinhappel von der Landwirtschaftskammer, auch den Kulturen, die jetzt angebaut werden – Kartoffel, Zuckerrübe oder Mais. Während diese Pflanzen Wasser bräuchten, fühlen sich Schädlinge im Trockenen umso wohler. Für Insekten, Mäuse oder Engerlinge sind das gute Bedingungen.

Auch für das Entfachen eines Feuers sind die trockenen Böden anfällig – wie zuletzt der Brand im Bezirk Neunkirchen zeigte. In allen Bezirken des Landes gilt daher die Waldbrandverordnung. Die Einsatzkräfte rechnen mit weiteren Alarmierungen, sagt Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando. Das Löschwasser werde ihnen aber nicht ausgehen. „Wir sind vorbereitet. Wo das Wasser knapp ist, haben die Feuerwehren zusätzliche Entnahmestellen.“

ZAMG: Defizit ist nicht mehr auszugleichen

Entspannung verspricht der Blick auf die Prognosen der ZAMG nicht: Zwar zeigen die, dass es in den kommenden Wochen nicht so trocken sein wird wie Anfang April. Das werde aber in NÖ nicht reichen, um den trockenen Boden in einen feuchten zu verwandeln.

Für den zuständigen Landesrat Stephan Pernkopf zeigt die Situation, wie wichtig eine krisensichere Wasserversorgung ist. „NÖ hat eine hervorragende Wasserinfrastruktur, die von Gemeinden, Genossenschaften und überregionalen Versorgern betrieben wird“, erklärt er. Investiert werden dafür pro Jahr etwa 50 Millionen Euro.