Eine Frage des Preises. AUTOHANDEL / Während sich die einen 2010 über ein neues Rekordzulassungsjahr freuen, orten die anderen Manipulation. Fix ist für 2011 nur so viel: Der Kampf um den Preis geht weiter!

Erstellt am 12. Dezember 2010 (19:59)
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VON MICHAELA FLECK UND THOMAS VOGELLEITNER

2010 wird in die österreichische Automobilgeschichte eingehen: 330.000 Pkw-Neuzulassungen dürften sich per Jahresende ausgehen. Das ist neuer Rekord – die bisherige Rekordmarke von 320.094 Stück aus dem Jahr 1992 wird klar übertroffen!
Wermutstropfen: Der Autohandel meldet heuer schon jeden fünften Neuwagen selbst an. Es handelt sich dabei um Vorführwagen, Ersatzautos (für Werkstattkunden) – und sogenannte Tageszulassungen (die dann als „Jungwagen“ verkauft werden, das ist nichts anderes als eine versteckte Rabattierung). Der Tageszulassungs-König ist Hyundai – von Jänner bis Oktober waren 35 Prozent aller neu verkauften Hyundai kürzer als eine Woche angemeldet.
„Mit der Realität hat diese Zulassungsstatistik nichts mehr zu tun“, betont Werner Blum, Ford-Händler in St. Pölten und Krems sowie Präsident aller

österreichischen Ford-Vertragshäuser. Im Gegenteil. Da werde, so Blum, kräftig manipuliert. Und Heinrich Lietz, größter Mazda-Händler Österreichs mit Hauptsitz in Amstetten, ergänzt: „Das Jubeljahr heuer ist stark verfälscht“ – durch die immer mehr werdenden Tageszulassungen, „die noch dazu oft gar nicht im Land bleiben“, so Blum. „Für uns war 2010 ein durchschnittliches Jahr.“ Auch für Heinrich Lietz ist der heurige Markt „in etwa gleichgeblieben“, Steigerung gab es „sicher keine“, den befürchteten Einbruch nach Wegfall der Verschrottungsprämie allerdings auch nicht.

„Vom Preiskampf kommen wir nicht mehr weg!“
Robert Peter, Geschäftsführer vom Horner Autohaus Waldviertel (VW, Audi, Seat, Skoda), blickt optimistisch in das neue Jahr: „Auch 2011 wird nicht schlecht werden!“ Weitere Preiskämpfe schließe man allerdings nicht aus – „davon kommen wir nicht mehr weg“. Denn, so Heinrich Lietz: „„Es ist schon ein sehr harter Wettbewerb!“ „Wir werden aber nicht jede Preisschlacht mitmachen“, unterstreicht Robert Peter.
Für Toni Ebner, Opel/Chevrolet/Saab-Händler in Baden-Oeynhausen und Felixdorf, ist der Preis nicht alles: „Für meine Kunden zählt in erster Linie die Handschlagqualität!“
Teurer sollten die Autos bei Niederösterreichs Händlern im nächsten Jahr jedenfalls nicht werden. Auch wenn Deutschlands Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer prophezeit: „Die Zeit der ganz großen Schnäppchen ist vorbei“. Das würde man in NÖ auch gerne so sehen, denn „das Neuwagengeschäft ist nicht das lukrativste“, so Lietz.


AUTOMARKT 2010
• Ein Rekordjahr für die VW-Konzernmarken (VW, Audi, Skoda, Seat) und Porsche: mehr als 113.000 Neuzulassungen in
Österreich – einzigartig.
• 44 Prozent aller neu angemeldeten Autos sind kompakte Autos. So wie zum Beispiel der VW Golf, der seit 33 Jahren das beliebteste Auto der Österreicher ist.
• Die Zahl der über 60-jährigen Autokäufer nimmt zu. Das heißt auch: Die Verkaufszahlen von Vans und Sport-Utility-Vehicles nehmen zu (bequemeres Ein-/ Aussteigen und mehr Überblick).
• Tageszulassungen: Die „taktischen Kurzzulassungen“ hat es immer schon gegeben – meist gegen Ende des Jahres, um mit dem Hersteller vereinbarte Bonusausschüttungen auch tatsächlich lukrieren zu können. Neu ist heuer jedoch, dass die Kurzzulassungen bereits Monat für Monat durchschlagen.