EVN investiert in Versorgungs-Sicherheit & Energiewende. Der Energieversorger EVN will bis 2023 eine Milliarde Euro in das Stromnetz, Photovoltaik-Anlagen, Windparks und Wasserleitungen investieren. Damit soll die Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Trinkwasserqualität in NÖ sichergestellt werden. Bis zu 7.300 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, sagen die EVN-Vorstände Stefan Szyszkowitz und Franz Mittermayer.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 18. Februar 2021 (14:35)
Charlotte Venema

Mit Investitionen von einer Milliarde Euro will die EVN, die mehrheitlich im Landesbesitz ist, die Energiewende und Klimaneutralität erreichen, Versorgungssicherheit mit Energie und Wasser sicherstellen und bis zu 7.300 neue Arbeitsplätze schaffen. Diese "beachtliche Summe" sei ein wesentlicher Beitrag zur Energiewende, zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts NÖ und zur Verbesserung der Lebensqualität, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). 

Aufgeschlüsselt nach Bereichen fließen 300 Millionen in die Energiewende, 640. Millionen in die Versorgungssicherheit mit Energie und 60 Millionen in die Trinkwasser-Versorgung, sagt EVN-Vorstand Stefan Szyszkowitz. Nach einer Studie der e-Wirtschaft-Interessensvertretung "Österreichs Energie" löse jeder investierte Euro zwei weitere an Wertschöpfung aus: 7.300 neue Arbeitsplätze könnten dadurch entstehen. "Damit profitieren neben den 2.500 bestehenden Beschäftigen bei EVN in Summe über 10.000 Menschen und deren Familien von dem nachhaltigen Investment", sagt Szyszkowitz. 

Die EVN-Milliarde fließt in folgende Bereiche:

Photovoltaik:  Sowohl PV-Großprojekte als auch Dachprojekte werden weiter ausgebaut. Beispielsweise soll das Kraftwerk Dürnrohr zu einem Sonnenkraftwerk umgewandelt werden. "Dort, wo früher Kohle gelagert wurde, werden Photovoltaik-Anlagen errichtet", informiert EVN-Vorstand Franz Mittermayer. Insgesamt betreibt die EVN 40.000 PV-Anlage in NÖ, die 400 MW produzieren. "Da steckt noch enormes Potential drinnen für die Zukunft", so Mittermayer.

Wind: NÖ ist der größte Winderzeuger und erzeugt aktuell 370 Megawatt über Windkraft. Die EVN will die Netzinfrastruktur verdichten und in zonierten Gebieten ausbauen. Durch "Repowering" soll ältere Anlagen durch leistungsfähigere ersetzt werden.

Kleinwasserkraft:  Die EVN wolle diese nicht verlieren. Etliche müssen an die neue Wasserrichtlinie angepasst werden. Modernisierung seien notwendig, wie Fischaufstiegshilfen etc.

Stromnetz: "Wir wollen nicht - wir müssen das Netz ausbauen, weil die Energie volatiler ist", sagt Mittermayer und meint damit den Ökostrom aus Wasser-, Wind- und Sonnenkraft. 650 Millionen, das Gros der Milliarde, fließt in den Netzausbau, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.

Wärme: 100 Millionen werden in den Ausbau von Naturwärme investiert, beispielsweise in KWK-(Kraft-Wärme-Kopplung)-Anlagen, wie sie im Biomasse-Heizkraftwerk Krems mit einer zugesicherten Förderung von 30 Millionen Euro entstehen soll. Dabei wird auch Schadholz zur Energieerzeugung (Wärme und Strom) verwendet.

Wasser: 60 Millionen soll in die Errichtung einer neuen Trinkwasserleitung für das mittlere Waldviertel und in den Ausbau von Naturfilteranlagen wie in Petronell-Carnuntum fließen. Damit soll die Trinkwasser-Versorgung gesichert werden.

Telekommunikation: 60 Millionen werden in den Breitband-Netz-Ausbau und in die Netzsteuerung investiert.

e-Mobilität: Auch neue Ladestationen will die EVN im Land errichten.

Klärschlamm-Entsorgung: Als "nachwachsender Rohstoff" gewinnt auch der Klärschlamm zunehmend an Bedeutung, sagt Mittermayer. Da wolle man für eine "ordentliche Verwertung" sorgen.

Großes Warten auf Bund und Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG)

Wo es sich für die EVN und das Land NÖ derzeit spießt, ist beim Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), das ins Ressort von Energie- und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) fällt. Etliche "baureife Projekte" in einem Auftragsvolumen von 550 Mio. Euro würden in NÖ bereit sein für die Umsetzung, sagt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). NÖ habe bundesweit einen 15 Jahre Vorsprung, was den Ausbau und die Nutzung der Erneuerbaren Energien betrifft. 

"Alle Details sind festgelegt, aber es spießt sich momentan. Ich habe kein Verständnis, dass das Gesetz noch hinausgezögert wird. Geredet worden ist genug", sagt Pernkopf. Insgesamt geht es um 1,5 Milliarden Euro Direktinvestitionen für Klima und Arbeitsplätze in Österreich. Ohne das EAG laufe NÖ in Gefahr "ein Jahr zu verlieren." "Die Klimabremse muss gelöst werden, und der Weg frei gemacht werden für die Energiewende", fordert Pernkopf.

Pernkopf habe in türkis-grünen Koalitionsgesprächen die Energie-Agenden mit den Grünen für das Regierungsprogramm mit verhandelt. Jetzt spieße es nur mehr an "Kleinigkeiten", wofür grünes Gas verwendet werden darf. Auch das Thema E10/Biosprit und die Beimischung sei ein Stolperstein. Das Gesetz sollte ursprünglich nach einer Begutachtungszeit bereits am 1. Jänner 2021 in Kraft treten.

Blackout-Problematik: Gasturbinen als Entlastung

Ein drohendes Blackout (Anm.: flächendeckender Stromausfall), an dem Europa schon mehrfach - zuletzt zu Jahresbeginn - knapp vorbeigeschrammt war, ist weiterhin eine ernstzunehmende Gefahr, warnten zuletzt der NÖ-Zivilschutzverband und Energie-Experten.

In NÖ genügen momentan die bestehenden Kraftwerke, sagt Mittermayer. Das große Problem sei jedoch, dass "die thermischen Kraftwerke" verloren gehen. Die EVN will in schnellstartende Gasturbinen-Anlagen investieren, die kurzfristig dazugeschaltet werden können. "Die würden zwischen 600 bis 700 Stunden im Jahr laufen", schätzt Mittermayer.

In Zukunft werden Speichertechniken wie Großbatterien (für kurzfristige Speicherung) aber auch die Elektrolyse / Wasserstoff-Produktion ein Thema sein. Die EVN erprobt diese Technologien, um den großen "Überschuss an produzierten Strom im Sommer in den Winter" zu übertragen, sagt Mittermayer. Auch die Speicherfähigkeit von Wasserstoff in Erdgasspeicher wird gemeinsam mit der Tochtergesellschaft RAG erforscht.

Links