PV-Strom direkt an Nachbarn liefern und verkaufen. Selbstproduzierten Photovoltaik-Strom ohne Netzeinspeisung direkt an den Nachbarn verkaufen: Das ist bald möglich. Land NÖ, eNu und EVN gründeten die Beratungsgesellschaft "Energie Zukunft Niederösterreich", die künftig private und kommunale Energiegemeinschaften nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz unterstützen soll. NÖ ist hier Vorreiter in Österreich. Ziel ist unter anderem die Stärkung der Versorgungssicherheit durch regionale Klein-Stromproduzenten.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 04. März 2021 (10:37)
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) und der technische EVN-Vorstand Franz Mittermayer bei der Gründungs-PK der "Energie Zukunft Niederösterreich GmbH" als Anlauf- und Beratungsstelle für die künftigen Energiegemeinschaften.
Norbert Oberndorfer

Photovoltaik-Paneele am Dach und Strom-Überschuss. Künftig können in Niederösterreich Private ihren Strom ohne Netzeinspeisung direkt an Nachbarn zu einem festgelegten Preis verkaufen. Ermöglicht wird das durch das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) und das Konzept von Energiegemeinschaften. Land NÖ und EVN gründeten gemeinsam die Beratungsgesellschaft "Energie Zukunft Niederösterreich", um private Stromproduzenten wirtschaftlich, technisch und bei der Abwicklung mit Behörden und Netzbetreiber zu unterstützen.

"Mit der Umsetzung der Energiegemeinschaften setzen wir mit der EVN einen weiteren Schritt Richtung Energiewende. Damit wird der Ausbau der erneuerbaren Energien mehr und mehr zum Mitmach-Projekt", sagt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). Damit werde die "technische Energiewende zur Energie-Nachbarschaftshilfe". 

Weiterhin warte man ungeduldig beim Land NÖ auf die Beschlussfassung des EAG, das derzeit noch beim Bund im Umweltministerium festhänge. "Wir müssen ganz konkret in die Projekte kommen. Gerade in diesen Zeiten brauchen wir Investitionen. Durch das EAG werden allein in NÖ Projekte in der Höhe von 550 Millionen Euro umgesetzt. Damit schaffen wir Arbeitsplätze und fördern den Klimaschutz", so Pernkopf.

Verzehnfachung von privatem PV-Strom in NÖ erwartet

Die EVN zählt derzeit über 40.000 PV-Anlagen in Niederösterreich, die Strom ins Netz einspeisen. "Es werden künftig zehn Mal so viele werden", sagt EVN-Vorstand Franz Mittermayer.  Energiegemeinschaften als regionale Stromversorger stützen die Versorgungssicherheit und gleichen die Volatilität der erneuerbaren Energien aus. "Am Ende des Netzes erfolgt ein Ausgleich. Das heißt, die Belastung kommt gar nicht ins Netz", sagt Mittermayer.

In einem Pilotprojekt in Gölsental testet die EVN bereits eine Energiegemeinschaft. 60 Haushalte in Wiesenfeld und Schwarzenbach werden über ein Kleinwasserkraftwerk mit Strom versorgt. Alles was fehle, werde über das Netz und größere Kraftwerke ausgeglichen. "Primär wird die Energie aus dem lokalen Netz bezogen. Das heißt auch, dass die Netzkosten für die Haushalte wegfallen", sagt Mittermayer.

Ab einer Leistung von 5 kWp sinnvoll

Ab einer PV-Leistung von 5 kWp - und einem Stromüberschuss - seien Energiegemeinschaften für Private sinnvoll und möglich. Eine Installation eines "Smart Meters" ist jedenfalls für eine exakte Abrechnung Voraussetzung. Die "Energie Zukunft NÖ" mit Sitz im Heiligenkreuz, bei der in der Startphase sieben Mitarbeiter arbeiten sollen, soll erste Anlaufstelle bei der Gründung von Energiegemeinschaft sein, technisch begleiten und bei der Abrechnung zwischen Nachbarn helfen.

Energiegemeinschaften seien jedenfalls nicht gewinnorientiert ausgerichtet. "Das wäre allein rechtlich nicht möglich. Sie dienen dazu Energie optimal zu verwenden", so Mittermayer.

Links