Engpass bei Rädern kommt 2021. Corona löste im Vorjahr einen Boom bei Drahteseln aus. Heuer rechnen Händler mit Lieferengpässen.

Von Michael Chudik und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 13. Januar 2021 (05:16)
Symbolbild
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Das Lager ist fast leer, die Auftragslage dennoch hoch. Eine Situation, die viele Radhändler im Land kennen. Auch 2021 wird mit Lieferengpässen zu rechnen sein. Dass der Handel mit Fahrrädern boomt, beweisen auch die erzielten Verkaufspreise. Vor fünf Jahren blätterten Österreichs Radkäufer für ihr Wunschrad im Schnitt 780 Euro im Handel hin, im Jahr 2019 bezahlten sie mit 1.585 Euro das Doppelte (Quelle: VSSÖ).

Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen, hochpreisigen Materialien und Produkten steigt stetig. „Wir verzeichnen eine spürbar höhere Nachfrage, gleichzeitig aber auch eine Verfügbarkeitsreduktion“, erklärt Norbert Bisko, Geschäftsführer von bikestore in Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg). Von einer „explodierenden Nachfrage“ spricht auch woom-Geschäftsführer Guido Dohm. Das Klosterneuburger Unternehmen hat sich auf die Produktion und den Verkauf von Kinderfahrräder spezialisiert.

Dohm stellt einen enormen Druck der gesamten Branche fest. Aktuell kann woom kaum Zusagen über finale Liefertermine und genaue Mengen treffen, weil die Bestätigungen von Herstellern, Reedereien und Spediteuren äußerst kurzfristig eingehen. Der Rad-Fachhandel ist mit einem Umsatzplus von bis zu zehn Prozent im Vorjahr ein Profiteur der Corona-Pandemie. „Mehr Menschen als jemals zuvor fahren mit dem Rad. Das Fahrrad bekommt als umwelt- und klimafreundliches Verkehrsmittel endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient“, betont Dohm. Diesen Trend hat das E-Bike verstärkt.

Während im Jahr 2015 noch gut 77.000 Elektrofahrräder verkauft wurden, sind im Vorjahr insgesamt 170.000 Stück abgesetzt worden (Quelle: VSSÖ). Der Boom hatte auch zur Folge, dass das letzte Ostergeschäft, das pandemiebedingt ausfiel, in nur sechs Wochen aufgeholt wurde. „Das Umsatz-Baucherl hat sich nach hinten in den Mai verschoben, und die Nachfrage hat über einen längeren Zeitraum angehalten“, erklärt Karl Ungersbäck, Handel-Spartengeschäftsführer der WKNÖ. Auch für 2021 erwarten Händler und Hersteller, dass der Radabsatz auf hohem Niveau bleibt. Bei E-Bikes, hochwertigen Rädern und Wunschrädern werden Kunden wie im Vorjahr wieder mit langen Wartezeiten rechnen müssen.

Mehr Fahrräder als Autos in Österreich

Corona hat dem generellen Trend zum Fahrradfahren einen „richtigen Push“ verpasst. Dazu kommt die technologische Entwicklung bei Sporträdern und E-Bikes der letzten Jahre. „Menschen haben gemerkt: Das ist für mich auch machbar. Ich kann Steigungen und Distanzen bewältigen“, weiß Ungersbäck.

Jeder dritte Österreicher nutzt zumindest mehrmals pro Woche das Fahrrad, in Vorarlberg sogar jeder zweite. Die Beliebtheit beweist auch die Tatsache, dass es in Österreich mehr Fahrräder als Autos gibt. Insgesamt gibt es rund 6,5 Millionen funktionstüchtige Drahtesel im Land (Quelle: radlobby.at).

Sportartikelhandel schreibt Umsatzminus

Verlierer der Pandemie ist hingegen der allgemeine Sportartikelhandel. Diesen schmerzt der weggebrochene Tourismus. Der Run auf Räder federt das Umsatzminus zwar leicht ab, aber insgesamt verzeichnet der Sportartikelhandel laut WKNÖ ein Minus von 13 Prozent.

„Ich denke, dass es letztlich sogar ein bisschen mehr sein wird. Das Geschäft zwischen Weihnachten und Neujahr, das enorm wichtig ist, ist aufgrund des neuerlichen Lockdowns weggebrochen“, erklärt Elke Fahrnberger, Geschäftsführerin bei Intersport Wieselburg: „Wir haben einen sehr hohen Textil-Anteil im Sortiment. In Zeiten von Lockdowns ist Mode den Menschen nicht ganz so wichtig.“