Aufatmen bei den heimischen Obstbauern. Frostkerzen, selbst gebauten Öfen und Überkronenberegnung sei Dank: Spätfrost verursachte in der Vorwoche nur geringe Schäden an den Marillenbäumen in der Wachau.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 13. April 2021 (08:24)
Erheblicher Materialeinsatz bewahrte die Marillenbauern teilweise gänzlich vor Frostschäden: Hier zu sehen sind Frostkerzen im Garten von Sepp Dockner aus Höbenbach (Bezirk Krems-Land).
Robert Alexander Herbst

Als Marillenbauer in der Wachau braucht es ein großes Maß an Leidensfähigkeit. 2019 und 2020 fiel jeweils ein Großteil der Ernte dem Spätfrost zum Opfer. Ein ähnliches Szenario befürchteten die über 200 Betriebe im Weltkulturerbe, als in der Vorwoche die Wetterberichte die Runde machten. Am Ende kam es trotz Negativwerten von minus sieben Grad aber nicht einmal ansatzweise so schlimm, berichtet Franz Reisinger, Obmann des Vereins Wachauer Marille: „Auch wenn es Gärten gibt, die es ziemlich erwischt hat, haben wir diese bedrohlichen Tage erstaunlich gut überstanden.“

Zu verdanken ist dieser Umstand aber nicht etwa Glück, sondern dem erheblichen Materialeinsatz der Marillenbauern. Reisinger arbeitete in seinen Gärten in Aggsbach-Dorf und Aggstein (Bezirk Melk) mit selbst gebauten Öfen, die er von Donnerstag auf Freitag bis in die späten Morgenstunden mit Holz heizte. Über 150 Frostkerzen kamen bei Sepp Dockner in Höbenbach (Bezirk Krems-Land) zum Einsatz.

Die Investition – eine der Paraffinfackeln kostet mehr als 10 Euro – dürfte sich ausgezahlt haben: „Unsere Marillen sind alle gesund“, teilt der Obst- und Weinbauer mit. Ohne die Maßnahmen wäre es in der Nacht von 8. auf 9. April schief gegangen, meint Dockner: „Zum Glück war es windstill, da konnte die Wärme der Kerzen gut in die Baumkronen aufsteigen.“ Glimpflich davongekommen ist auch Martin Sedelmaier in Krems-Thallern, der rund 50.000 Obstbäume bewirtschaftet. Zwar verzeichne er in tiefen Lagen doch einige Schäden, dank des Einsatzes von Überkronenberegnung rechne er aber weder bei Apfel und Birne noch bei der Marille mit einer Minderernte.

Endgültig über den Berg sind die Wachauer Obstbauern wohl erst nach dieser Woche. Am Donnerstag und Freitag könnte es erneut frostig werden.