264 Chancen auf neue Patente. Die meisten Anmeldungen kommen 2019 vom Scheinwerfer-Hersteller ZKW. Zwei niederösterreichische Unternehmen sind für den Staatspreis nominiert.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 15. Juli 2020 (02:29)
Kevin Pajestka präsentiert den Schuh, der Hindernisse erkennen soll.
privat

Eine Aufsteck-Vorrichtung für den Schuh, die Hindernisse erkennt. Eine Tastatur, die man leicht mit nur einer Hand bedienen kann. Oder Scheinwerfer, die Warnhinweise auf die Fahrbahn projizieren: Das alles sind Erfindungen aus Niederösterreich, für die die kreativen Köpfe dahinter im Vorjahr ein Patent angemeldet haben.

Insgesamt waren die Österreicher 2019 besonders kreativ – oder haben zumindest fleißig angemeldet: Mit 11.731 weltweiten Patent-Anmeldungen verzeichnen die heimischen Unternehmen einen neuen Rekord. Beim Patentamt Österreich alleine wurden 2.724 Erfindungen eingereicht. Und davon kommt jede Zehnte aus Niederösterreich. 264 Anmeldungen gab es aus dem größten Bundesland.

ZKW mit 17 angemeldeten Erfindungen

Die meisten NÖ-Neuanmeldungen kommen wie schon in den letzten Jahren von dem Scheinwerfer-Hersteller ZKW aus Wieselburg. Mit 17 angemeldeten Erfindungen ist das Unternehmen wieder Patent-Kaiser. Gearbeitet wird dort gerade im Bereich „Digital Light Processing“. Dazu wurden auch die Patente angemeldet. Durch ein neues Scheinwerfer-System mit mehr als einer Million Einzelspiegeln soll möglichst viel Licht auf die Straße kommen und dennoch niemand geblendet werden. Zusätzlich können Symbole auf die Fahrbahn projiziert werden – etwa ein Abbiegepfeil, um Fußgängern die Absicht des Lenkers zu zeigen.

Matthaeus Drory ist mit seinem „Tipy Keyboard“ für den Staatspreis nominiert.
Drory Handels GmbH

Überzeugt haben zwei Erfindungen aus NÖ auch die Jury des Patent-Staatspreis, der am 9. November vergeben wird. Ins Finale hat es in der Kategorie „Patent 2020“ das Tipy Keyboard von einem Unternehmen aus Eichgraben (Bezirk St. Pölten) geschafft. Die neu entwickelte Tastatur soll einfach mit einer Hand zu bedienen sein. Das soll etwa auch Menschen die Arbeit erleichtern, die von Einschränkungen an Arm und Händen betroffen sind. Nominiert ist in der Kategorie „Humanity“ auch das junge Technologieunternehmen Tec-Innovation aus Hautzendorf (Bezirk Mistelbach), das 2019 auch ein neues Patent anmeldete.

Für besonderes Aufsehen sorgte eine Entwicklung, durch die Hindernisse erkannt werden sollen. Verwendet werden kann die Steckvorrichtung etwa bei einem Schuh. Sehbeeinträchtigte sollen damit auf Hindernisse am Weg aufmerksam gemacht werden. Für Firmen-Gründer Kevin Pajestka ist die Entwicklung außerdem beispielsweise für die Verwendung bei Sicherheitsorganisationen denkbar. „Auch ein Feuerwehrmann sieht in einem verrauchten Raum nichts“, erklärt er. Der Launch des Produktes ist noch heuer geplant.

Jede zweite Anmeldung wird tatsächlich Patent

Die Zahl der eingereichten Erfindungen bedeutet aber noch nicht, dass all diese auch patentiert werden. Die müssen zuerst einer Prüfung standhalten. Denn: „Erst wenn eine Erfindung weltweit neu ist, gibt es ein Patent“, erklärt ein Sprecher des Patentamts Österreich. In der Regel wird aus jeder zweiten Anmeldung dann auch tatsächlich ein Patent.

Bei Marken-Anmeldung ist NÖ auf Platz zwei

Bei den Marken-Anmeldungen belegt NÖ Platz zwei. Insgesamt wurden bundesweit im Vorjahr 6.261 Marken beim Österreichischen Patenteamt angemeldet. Die meisten davon in Wien (1.852), gefolgt von Niederösterreich (866) und Oberösterreich (748).

Wie sich die Zahlen der Neuanmeldungen heuer entwickeln wird, werden erst die nächsten Wochen zeigen. Der Corona-Lockdown hinterlässt auch in diesem Bereich Spuren. „Am stärksten haben die Marken-Anmeldungen reagiert. Sie sind im April und Mai gleich um 30 Prozent zurückgegangen“, heißt es vom Patentamt. Bei den Patenten waren vor allem Einzelerfinder betroffen. Vermutet wird, dass viele aus Kostengründen – die Anmeldung eines Patens kostet mehrere hundert Euro – gezögert haben.