Hilfe fehlt vom Acker bis zur Logistik. Das Spargel-Stechen ist angelaufen, die Erdbeerfelder warten. Dafür braucht es Arbeiter – genauso für das Pflanzen oder Verpacken.

Von Stefanie Marek und Lisa Röhrer. Erstellt am 15. April 2020 (05:45)
Am Hof von Werner Magoschitz wird bereits Spargel geerntet – allerdings mit nur einem Drittel der Helfer.
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Schwarze und weiße Folien bedecken die Spargel-Felder des Hofes „Solo Select“ in Mannsdorf an der Donau (Bezirk Gänserndorf). Sensoren messen unter der Erde ihre Temperatur. Den Wert bekommt Landwirt Werner Magoschitz auf sein Handy. Wenn es warm genug ist, rücken seine rund 80 Erntehelfer aus. An sehr heißen Tagen sogar zwei Mal. Der grüne Spargel kann dann bis zu zehn Zentimeter pro Tag wachsen. Bei der Ernte gilt es keine Zeit zu verlieren.

Diese Herausforderung muss der Landwirt heuer aber mit einem kleineren Team meistern. „Wir haben aufgrund der Coronakrise nur ein Drittel unserer Erntehelfer“, erzählt er. Magoschitz spricht damit ein Problem an, das viele Landwirte beschäftigt – auch jene, die keinen Spargel anbauen. Die Spargelsaison geht noch bis in den Juni, bald beginnt auch die Erdbeerernte. Salat wird jetzt schon gepflanzt, in den nächsten Wochen wird er dann gepflückt.

Werner Krug; www.derkrug.at, 2019

Damit Gemüse und Obst am Ende auf unseren Tellern landen, braucht es viele Helfer – nicht erst bei der Ernte, sondern auch schon davor: „Es geht nicht nur um die Ernte und die fehlenden Erntehelfer, sondern auch sehr stark um andere Arbeiten, für die Saisonkräfte gebraucht werden.

Pflanz- und Pflegearbeiten wie die Unkrautbekämpfung bei der Bio-Zuckerrübe sind oft der größere Brocken“, sagt Pflanzenbaudirektor Manfred Weinhappel von der NÖ Landwirtschaftskammer. Quer durch alle Ackerkulturen laufen die Vorbereitungen. Vor allem in der Bio-Landwirtschaft, wo viel manuell gemacht wird, sei der Personalmangel Thema. Ebenso in den Weingärten, wo für anstehende Laubarbeiten Helfer benötigt werden.

Ist das geschafft, müssen die Produkte aber noch bis in die Geschäfte kommen. Fremdarbeitskräfte fehlen auch in Logistik und Transport. Im Inland ist das laut Weinhappel zu bewältigen. Geht es um Importe, vor allem aus vom Virus stark gebeutelten Ländern wie Italien oder Spanien, werde es schwierig.

Maßnahmen gegen den Personalmangel

Um die Versorgungssicherheit trotzdem gewährleisten zu können, wurden bereits Maßnahmen gesetzt. Einerseits werde versucht, den Aufenthalt der ausländischen Saisonarbeiter zu verlängern. Die Online-Plattform www.dielebensmittelhelfer.at vermittelt andererseits Arbeitsuchende an landwirtschaftliche Betriebe. Bisher haben sich 230 niederösterreichische Betriebe auf der Plattform eingetragen, 3.500 Unterstützer haben sich in NÖ gemeldet. Aus Wien kommen rund 7.500 Unterstützer hinzu.

Für kleinere Betriebe funktioniere die Vermittlung gut, betont man bei der Landwirtschaftskammer. Großen Betrieben helfe die Plattform aber nur bedingt: „Das sind oft Menschen, die am Abend zurück nach Wien fahren“, sagt Magoschitz. Damit sei für die Betriebe eine Gefahr verbunden: „Ich brauche Leute, die so wenig mit anderen in Kontakt sind, wie möglich. Wenn einer am Coronavirus erkrankt, kann ich meinen ganzen Betrieb zusperren.“

Gleichzeitig fehle es den Helfern oft an landwirtschaftlichem Können oder sie sind der harten Arbeit nicht gewachsen. Sehr gut funktioniere es hingegen, wenn sie für Logistik oder Verpackung eingesetzt werden.

Temperaturwechsel ist auch ein Problem

Und neben den Problemen durch die Krise machen den Bauern auch die gewöhnlichen Schwierigkeiten zu schaffen. Das Klima meinte es zuletzt etwa nicht besonders gut mit ihnen. „Vorletztes Wochenende gab es massive Frostschäden, das hat die Obstbäume hart getroffen. Jetzt ist es trocken und warm. Unter diesem abrupten Wechsel leiden Ackerkulturen“, so Weinhappel.

Insgesamt hat er für die Konsumenten aber gute Neuigkeiten: „Ich glaube nicht, dass es durch die fehlenden Arbeitskräfte in ein paar Monaten zu einem Produktemangel in den Supermärkten kommen wird“, beruhigt er die Konsumenten. Einen Beitrag sollten aber auch sie leisten, meint Weinhappel – durch den Kauf österreichischer Produkte.