EVN-Aktie im Frühhandel deutlich fester. Die Aktien der heimischen EVN haben sich am Donnerstag im Frühhandel an der Wiener Börse mit deutlichen Kursgewinnen gezeigt.

Erstellt am 21. Oktober 2010 (10:20)
NOEN, zVg
Die Titel des Energieversorgers kletterten gegen 9.45 Uhr um 7,14 Prozent nach oben und notierten bei 11,93 Euro. Kurz nach der Eröffnung wurden die Papiere sogar bei 12,55 Euro gehandelt, kamen dann aber wieder etwas zurück.

Die EVN nimmt offenbar einen neuen Anlauf für ihre Kapitalerhöhung, nachdem der deutsche Großaktionär EnBW von seinen Ausstiegsplänen Abstand nimmt. Die Deutschen teilten am Mittwochabend mit, dass sie das Sekundärangebot für ihre Anteile an der EVN nicht fortsetzen. "Nach Auffassung der EnBW entsprechen die jetzigen Preisvorstellungen nicht dem inneren Wert der EVN AG", hieß es.

Ursprünglich war geplant gewesen, das EVN-Kapital um bis zu 10 Prozent aufzustocken, gleichzeitig wollte die EnBW den Großteil ihren Anteils an der EVN verkaufen. Das Preisband war im gemeinsamen Angebot Anfang Oktober mit 10,50 bis 13,50 Euro je Aktie festgelegt worden. Das Angebot war laut EVN nach Schließung des Orderbuchs zu einem Preis von 10,50 Euro "substanziell" überzeichnet.

Der am Mittwoch bekanntgegebene Rückzug der EnBW vom aktuellen gemeinsamen EVN-Aktiengebot erfordert auch ein neues Aufrollen der geplanten Kapitalerhöhung der EVN um bis zu 10 Prozent. Der Streubesitz des niederösterreichischen Versorgers von aktuell knapp über 13 Prozent wird damit aber nur leicht steigen. Der Aktienkurs schoss heute, Donnerstag, kräftig nach oben.

Für die EVN-Aktie, die an der Wiener Börse heute bis 13 Uhr um 7,46 Prozent auf 11,97 Euro zulegte, ist die Absage des EnBW-Teilausstieg nach Einschätzung aus Marktkreisen kurzfristig positiv, weil es am Markt Zweifel gegeben habe, ob das EnBW-Aktienpaket im Markt platziert werden könnte. Der Aktienüberhang sei nun weg. Ein Mitziehen der EnBW bei der EVN-Kapitalerhöhung, die den Niederösterreichern rund 200 Mio. Euro in die Kasse spülen soll, wird in Marktkreisen für unwahrscheinlich gehalten.

Die EnBW wollte sich im Zuge des gemeinsam mit der EVN Anfang Oktober aufgelegten Angebots auf unter 10 Prozent zurückziehen. Die Preisspanne war 10,50 bis 13,50 Euro festgesetzt worden. Der Preis von 10,50 Euro, zu dem das Angebot laut EVN "substanziell" überzeichnet war, war aber offensichtlich zu niedrig. "Nach Auffassung der EnBW entsprechen die jetzigen Preisvorstellungen nicht dem inneren Wert der EVN AG", so die EnBW in ihrer gestrigen Mitteilung. Ein Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt sei nicht ausgeschlossen. Die EnBW sei grundsätzlich bereit, Teile ihres EVN-Pakets von derzeit 35,72 Prozent zu verkaufen, es bestehe aber kein Zeitdruck, sagte ein EnBW-Sprecher zur APA. Konkrete Pläne dafür hat der deutsche Energiekonzern nicht.

Die EVN will ihr Grundkapital um 10 Prozent auf 330 Mio. Euro erhöhen. Durch die Ausgabe von bis zu 16,4 Millionen an neuen Aktien sollten beim angegebenen Preisband zwischen rund 170 und 220 Mio. Euro lukriert werden. Mit dem EVN-Paket der EnBW wäre die Transaktion rund 700 Mio. Euro schwer gewesen. Insgesamt wären ursprünglich zusammen rund 57 Millionen Aktien auf den Markt gekommen. Das Land Niederösterreich mit 51 Prozent Mehrheitseigentümer der EVN zieht bei einer Kapitalerhöhung voll mit. Allein aus der EVN-Kapitalerhöhung müssten daher nur rund 100 Mio. Euro am Markt platziert werden.

Die EVN, die die Entscheidung der EnBW "mit Bedauern zur Kenntnis" nimmt, werde die Investoren zur Kapitalerhöhung neuerlich einladen, so Generaldirektor Burkhard Hofer. Näheres wurde bisher noch nicht bekanntgegeben. Verwenden will die EVN die Mittel vor allem zur Eigenkapitalstärkung und den Ausbau erneuerbarer Energien.

"Viel Lärm um Nichts", meint Anlegerschützer Wilhelm Rasinger, der für den EnBW-Rückzug Verständnis äußert. Man hätte sich allerdings weniger auf die Investmentbanken verlassen und mehr für Retail-Kunden machen sollen, wie er zur APA sagte. Er hätte sich auch einen höheren Streubesitz gewünscht.