Ex-Flughafen-Vorstand Kaufmann muss um Konsulentenvertrag zittern. Der wegen massiver Kostenüberschreitungen beim Terminal Skylink im Vorjahr abgesägte Chef des Flughafen Wien, Herbert Kaufmann, muss um seine in Aussicht gestellte lukrative Konsulententätigkeit für den Flughafen zittern.

Erstellt am 24. März 2011 (14:19)
 Der zweijährige Konsulentenvertrag, der mit 1. März beginnen hätte sollen und für den Kaufmann laut Medienberichten 350.000 Euro bekommen sollte, ist noch nicht in Kraft. "Es gibt noch Gespräche", sagte Interimsvorstand Christoph Herbst am Donnerstag in Wien vor Journalisten. Als Grund nannte Herbst die zuletzt in der Öffentlichkeit bekanntgewordenen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Lobbyisten Peter Hochegger.

   Wie berichtet soll der Flughafen Wien dem Lobbyisten Peter Hochegger über eine Million bezahlt haben, um mittels einer einer "Schmutzkübelkampagne" den Vorstandsposten von Herbert Kaufmann zu retten. Den Betrag bestritt der Flughafen, das Unternehmen habe 440.000 Euro bezahlt. Diese Vorwürfe will Herbst nun abklären. In den anderen wesentlichen Punkten gebe es bereits eine Einigung.

   Der Konsulentenvertrag sieht wie berichtet vor, dass Kaufmann zwei Jahre lang Aufsichtsratschef der Airports Kosice und Malta wird, an denen Wien eine Minderheitsbeteiligung hält. Beim Flughafen Friedrichshafen (25 Prozent Beteiligung) wird Kaufmann einfaches Aufsichtsratsmitglied. Dies ist Teil der Vertragsauflösung - Kaufmann musste ja mit Ende 2010 seinen Hut nehmen und erhielt für die vorzeitige Vertragsauflösung 350.000 Euro.

   Laut Herbst stehen Kaufmann neben seiner Vorstandsgage vertragsgemäß noch Boni in maximaler Höhe von 66 Prozent seines Grundgehaltes von 252.000 Euro zu. Die Hälfte davon bei Erreichung von Budgetzielen, die andere Hälfte für die Inbetriebnahme des Skylink-Terminals. 2010 sei für die Budgeterreichung 2009 ein Bonus von 33 Prozent bzw. 82.500 Euro angefallen. Sollte der Skylink rechtzeitig in Betrieb gehen, stünden ihm bis 2010 die entsprechenden jährlichen Boni von ebenfalls 33 Prozent zu. Auch einen Bonus für die Budgeterreichung 2010 könnte es für Kaufmann noch geben.

   Die Verträge der Flughafen-Vorstände Ernest Gabmann und Gerhard Schmid laufen Ende Dezember 2011 aus. Beide wollten heute noch nicht sagen, ob sie sich für den nächsten Vorstand bewerben werden. Sie wollen sich zuerst die Ausschreibung ansehen, betonten sie heute. Herbst will sich nicht bewerben: "Ich habe immer gesagt, dass ich maximal für ein Jahr bleibe", so Herbst. Er werde auch keinen Konsulentenvertrag anstreben. Herbst selbst bezifferte seinen Bezug mit 250.000 Euro. Bonus gebe es für ihn keinen.

   Die Ausschreibung für die ab 2012 neu zu besetzenden Vorstandsposten werde in den nächsten Woche erfolgen. Nach der Auswahl eines Beratungsunternehmens werde zügig vorgegangen werden, so Herbst.

Flughafen Wien erwartet für 2012 Ergebniseinbruch wegen Skylink
Flughafen Wien-Interimsvorstand Christoph Herbst zeigte sich heute auf der Bilanzpressekonferenz mit der 2010 erzielten EBITDA-Marge von 31,5 Prozent unzufrieden und will sie im laufenden Geschäftsjahr auf 35 Prozent heben. Im darauffolgenden Geschäftsjahr 2012 werde es einen Ergebniseinbruch geben, "mit dem alle rechnen mussten", sagte Herbst. Grund dafür seien Abschreibungen für den Skylink-Terminal und hohe Zinsbelastungen. Dies werde sich auch auf die künftige Dividendenpolitik auswirken. Für 2010 wird die Dividende von 2,1 auf 2,0 Euro je Aktie gesenkt.

"Das Ergebnis 2012 ist selbstverständlich belastet durch die Abschreibungen wegen Skylink und die Zinsbelastungen. In welchem Ausmaß, hängt vom Investitionsplan ab", sagte Herbst. Die Planungen für die Investitionen für die Jahre 2011 bis 2015 will der Interimsvorstand gleichzeitig mit den Ergebnissen des ersten Quartals vorstellen. Davon werde dann auch die zukünftige Dividendenpolitik abhängen. "Wir müssen erst überlegen, welche Investitionen wir machen und wie wir sie gestalten", sagte Herbst.

Für das laufende Geschäftsjahr 2011 erwartet der Flughafen Wien ein weiteres Wachstum. Die Zahl der Passagiere soll um 5,0 Prozent, die des Höchstabfluggewichtes um 3,0 Prozent steigen, und die der Bewegungen um 2,0 Prozent. Bis 2020 wird eine durchschnittliche Wachstumsrate von 4,2 Prozent erwartet.

Von den auf 533,8 (2009: 501,7) Mio. Euro gestiegen Umsätzen entfielen 260,0 Mio. Euro auf den Bereich Airport, 165,2 auf Handling und 93,6 auf Retail & Properties. Aufgrund neuer Leistungszuordnungen seien die Bereiche Airport und Handling nicht mit dem Vorjahr vergleichbar, so Herbst. Auf Sonstige Segmente entfielen 14,5 Mio. Euro (-10,8 Prozent). Der Betriebsaufwand stieg um 7,3 Prozent auf 447,9 Mio. Euro, die Investitionen wurden auf 146,9 von 224,7 Mio. Euro um fast 35 Prozent verringert. Der Verschuldungsgrad (Gearing) verschlechterte sich auf 81,0 (77,2) Prozent. Unter dem Strich wurde ein Konzerngewinn von 75,7 nach 73,4 Mio. Euro eingefahren.

Die internationalen Beteiligungen schlossen 2010 unterschiedlich ab. Kosice Airport habe unter den Airline-Konkursen in Slowenien gelitten, so Herbst. Er setzte mit 8,9 Mio. Euro um 17 Prozent weniger um, der beinahe halbierte Gewinn betrug 1,2 Mio. Euro. Malta International Airport dagegen konnte seine Umsätze um 10 Prozent auf 51,3 Mio. Euro verbessern und den Gewinn um 21 Prozent auf 10,7 Mio. Euro steigern. Friedrichshafen Airport entpuppt sich als Sorgenkind: Während die Umsätze auf 10,7 Mio. Euro stiegen, wurde ein Verlust von 2,9 Mio. Euro eingefahren. In ein bis zwei Jahren sollten sich die Ergebnisse stabilisieren.

Die Aschewolke und der strenge Winter mit vielen Flugausfällen habe bei der Passagierzahl die 20 Mio.-Marke gekostet, so Herbst. Die 19,7 Mio. Passagiere bedeuten ein Plus von 8,7 Prozent. Die Treiber waren der Nahe und Mittlere Osten mit einem Plus von 10 Prozent und Osteuropa mit Plus 13,6 Prozent. Beinahe 60 Prozent der Passagiere wurden alleine von den Austrian Airlines (AUA) und flyniki transportiert.

Die Spitzenposition bei Destinationen in Osteuropa konnte verteidigt werden, so Herbst. 40 Destinationen (2009: 43) wurden vom Flughafen Wien aus angeflogen, von Frankfurt weg waren es 37 (38), von München 33 (31) und von Prag 30 (29) Ziele. Auch bei den Umsteigezeiten liege Wien mit 25 Minuten an der Spitze - vor München mit 30 bis 35 Minuten. Wien sei auch der pünktlichste Hub im Lufthansa-Verbund. Auch in Zukunft will der Flughafen auf die Stärkung der Position als Hub im Lufthansa-System gesetzt werden, wie Herbst betonte.