Ex-Telekom-Vorstand wird Kronzeuge in Kursaffäre. Sieben Jahre nach einer möglichen Kursmanipulation wird es nun für das ehemalige Topmanagement der Telekom Austria eng. Ex-Vorstand Gernot Schieszler hat sich der Staatsanwaltschaft Wien als Kronzeuge angeboten, erst zu Wochenbeginn hatte die Telekom selbst einen 400 Seiten starken Revisionsbericht der Justiz übermittelt.

Erstellt am 11. August 2011 (18:31)

Sieben Jahre nach einer möglichen Kursmanipulation wird es nun für das ehemalige Topmanagement der Telekom Austria eng. Ex-Vorstand Gernot Schieszler hat sich der Staatsanwaltschaft Wien als Kronzeuge angeboten, erst zu Wochenbeginn hatte die Telekom selbst einen 400 Seiten starken Revisionsbericht der Justiz übermittelt.

Wie das Nachrichtenmagazin "Format" schreibt, soll eine Rückforderung der ausbezahlten Boni möglicherweise bereits beim Telekom-Aufsichtsrat nächste Woche Dienstag beschlossen werden. Am darauffolgenden Tag präsentiert die Telekom ihr Halbjahresergebnis. Telekom-Boss Hannes Ametsreiter hat mittlerweile seinen Bonus von 92.000 Euro auf ein Treuhandkonto eingezahlt.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte bereits 2004 eine mögliche Kursmanipulation untersucht, konnte aber nach der damaligen Rechtslage diese nicht feststellen, betonte die FMA. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde damals nicht erstattet. In den heimischen Medien waren die Auffälligkeiten um den Kurssprung jedenfalls ein großes Thema. Auch Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger meinte seinerzeit, hier könne "sehr leicht der Geruch einer Kursmanipulation entstehen".

Am 26. Februar 2004 war es in den letzten zwei Minuten vor Börseschluss zu einem starken Kursanstieg der Telekom-Aktie gekommen, der knapp 100 Managern Prämien in Höhe von rund neun Millionen Euro bescherte. "Es gibt keine Hinweise dass das Management in die Abläufe am 26. 2 in die Schlussauktion involviert gewesen wäre", so FMA-Vorstand Kurt Pribil damals. Erst 2010, als bei einer Hausdurchsuchung bei dem Lobbyisten Peter Hochegger entsprechende Belege der Telekom gefunden wurde, habe es den Verdacht der Untreue gegeben, woraufhin der Staatsanwaltschaft die bisherigen Erkenntnisse übermittelt wurden, so die FMA zur APA.

Laut "Format" führt die Staatsanwaltschaft Ex-Telekomchef Heinz Sundt, die früheren Vorstände Rudolf Fischer und Stefano Colombo als Beschuldigte, weiters den PR-Unternehmer Peter Hochegger und den Investmentbanker Johann Wanovits. Auch Sundt-Nachfolger Boris Nemsic stehe auf der Liste. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Keine belastenden Hinweise liegen gegen den aktuellen Telekom-Chef Hannes Ametsreiter vor. Die StA Wien bestätigte der APA diese Angaben.