Engere Zusammenarbeit mit dem Zukunftsmarkt Frankreich. NÖ-Delegation bahnte engere Zusammenarbeit an, etwa rund um das Thema Mobilität.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 25. Juni 2019 (01:57)
Anita Kiefer
Im Stadtteil Confluence in Lyon ist ein fahrerloser Bus des Herstellers Navya bereits im Einsatz, auch in der Seestadt Aspern in Wien gibt es ein solches Modell seit kurzem. Bei einer Probefahrt in Lyon: Die gesetzlich vorgeschriebene Busbegleitperson (von links) mit Industriellenvereinigung NÖ-Präsident Thomas Salzer, Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav und Wirtschaftskammer NÖ-Vizepräsident Christian Moser.

Sein größtes Problem, das sind aktuell Tauben. Tauben nämlich, die während der Fahrt in seine Fahrbahn springen. Die Rede ist von einem fahrerlosen Bus, der seit gut zwei Jahren im neuen Stadtteil von Lyon, Confluence, seinen Dienst verrichtet. Bei jedem Hindernis, das seinen Weg kreuzt, bremst der Bus der Firma Navya ab. Seine Reaktionszeit dabei: 0,02 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Mensch hat eine Reaktionszeit von ein bis zwei Sekunden.

Innovationen wie autonomes Fahren und Start-ups, das waren einige Kernthemen, denen sich in der Vorwoche eine NÖ-Wirtschaftsdelegation unter der Leitung von Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav im Rahmen einer Marktsondierungsreise, organisiert von ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes NÖ, nach Frankreich widmete. Mit dabei waren die ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki und Jochen Danninger sowie Unternehmens- und Interessenvertreter. Die Delegationsteilnehmer überzeugten sich bei einer Fahrt auch gleich selbst vom Potenzial des fahrerlosen Transportfahrzeugs.

„Ziel der Reise war, das Exportvolumen der NÖ-Betriebe nach Frankreich zu erhöhen.“ Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav

Über 400 Kilometer weiter nördlich fand am Tag davor in der französischen Hauptstadt Paris die S.I.A.E., eine der größten Messen für Luft- und Raumfahrt der Welt, statt, auf der 21 österreichische Unternehmen vertreten waren. Ein weiteres Schwerpunktthema der Reise.

Im Zuge dieser Messe wurde der Rahmenvertrag zwischen dem NÖ-Unternehmen Enpulsion mit dem französischen Konzern Nexeya, der Satelliten produziert, unterzeichnet. Enpulsion stellt Nano-Satellitenantriebe her. „Es handelt sich um einen Sieben-Jahres-Exklusivvertrag mit Option auf Verlängerung. Mit den ersten Lieferungen an Nexeya starten wir noch heuer“, erklärt Enpulsion-Geschäftsführer Alexander Reissner.

Mit dabei bei der NÖ-Marktsondierungsreise war auch Michael Berlin. Er kommt aus einer ganz anderen Branche: Sein Unternehmen Zehetbauer stellt Fertigrasen her. Und für einen ganz besonderen im Sortiment, nämlich den Netlon-Rasen, gab es bereits Anfragen aus Frankreich.

"Rasen kann temporär mit 40-Tonnen-Fahrzeugen befahren werden"

„Der Netlon-Rasen ermöglicht, dass der Rasen temporär ohne Beschädigung mit 40-Tonnen-Fahrzeugen befahren werden kann“, erklärt Berlin. Das ist etwa für Feuerwehrzufahrten oder Stadtbegrünung interessant. „In Frankreich habe ich mich erkundigt, wie die Zertifizierung für diesen Rasen funktioniert“, so der Geschäftsführer des 60-Mitarbeiter-Unternehmens, das aktuell bereits nach Deutschland, die Schweiz, Russland und Serbien liefert.

Genau für solche Zwecke war die Delegationsreise auch gedacht. „Das Ziel der Reise war natürlich, das Exportvolumen der niederösterreichischen Betriebe nach Frankreich zu erhöhen“, resümiert Landesrätin Bohuslav am Ende der Delegationsreise. In den kommenden fünf Jahren soll das NÖ-Exportvolumen nach Frankreich von 714 Millionen Euro auf 820 Millionen Euro gesteigert werden.

Bohuslav nimmt auch Anregungen für die heimische Wirtschaftspolitik mit nach NÖ. So soll etwa geprüft werden, ob der Lehrberuf des Kohlefaserfertigungsfacharbeiters in NÖ angeboten werden kann – dieser wäre wichtig für die Weiterentwicklung von Luftfahrtsfirmen.