Landesrätin Teschl: "Nicht jedes Kind muss studieren". Mit einem Online-Portal soll Schülerinnen und Schüler eine Lehre in der Industrie schmackhaft gemacht werden. Bei Lehrstellen-Bewerbern haperts es oft an der mangelhaften Qualifikation, sagen IV und WKNÖ.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 21. Oktober 2020 (14:07)
Bildungsdirektor Johann Heuras, Industrie-Spartenobmann und Industriellenvereinigung-NÖ-Bildungssprecher Helmut Schwarzl, Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) und Industriellenvereinigung-NÖ-Präsident Thomas Salzer (v.l.n.r)
Oberndorfer

"Es muss nicht jedes Kind studieren, um erfolgreich am Arbeitsmarkt zu sein und um viel zu verdienen. Das geht auch anders, und manchmal sogar auch schneller", sagt Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) bei einer Pressekonferenz im Geberit-Werk in Pottenbrunn.

Das Land NÖ will gemeinsam mit der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer den Industrie-Lehrberuf fördern - mit "Naturwissenschaft und Technik" (NAWI)-Mittelschulen, MINT-Fächern und einem neuen Online-Portal, auf dem sich Schülerinnen und Schüler, Lehrer und Eltern über die NÖ-Industrie und Karrierechancen in der Industrie informieren können

"Es kommt nicht auf den Schultyp oder die Jahre der Ausbildung an, sondern es kommt darauf an, seinen Interessen und Talenten zu folgen, dass man Zukunftsvorstellungen hat, und das man weiß, was man will und auf diesem weg begleitet wird", sagt Teschl-Hofmeister. In NÖ gibt es 252 Mittelschulen, davon 13 mit NAWI-Schwerpunkt. Sieben mehr als Vorjahr. 759 Schülerinnen und Schüler besuchen diesen Zweig.

In Mittelschulen mit NAWI-Schwerpunkt kommen Unterrichtsstunden in Mathematik, Physik und Chemie  dazu. "Es wird viel mehr experimentiert, im Labor gearbeitet, in der Robotik und Digitalisierung", erklärt NÖ-Bildungsdirektor Johann Heuras. Das Land bietet auch den Lehrenden an den pädagogischen Hochschulen Fortbildungen rund um Digitalisierung an - für die Gestaltung ihres Unterrichts. "Als einziges Bundesland müssen niederösterreichische  Lehrerinnen und Lehrer mindestens sechs ECTS an Digitalisierungskompetenz-Fortbildungen nachweisen - das steht fest im Dienstvertrag, ansonsten wird er nicht verlängert", sagt Heuras.

Viele Lehrstellen sind nicht besetzbar

Neben dem Fachkräftemangel in NÖ kämpfen Industrie-Lehrbetriebe mit einem weiteren Problem: Die mangelhafte Qualifikation der Lehrstellen-Bewerbenden. "Wir konnten heuer nur vier von sechs ausgeschrieben Lehrstellen besetzen", sagt Geberit-Geschäftsführer Helmut Schwarzl, "trotz vielen Bewerberinnen und Bewerber." Die Zahl der Industrie-Lehrstellen ist trotz Corona-Pandemie in NÖ auf aktuell 2.639 Plätze weiter gestiegen, 226 von über 1000 Industrie-Betrieben bilden Lehrlinge aus. 

Beim Sanitär- und Klimatechnik-Hersteller Geberit in Pottenbrunn haben 30 Prozent der Führungskräfte  mit einer Lehrstelle im Unternehmen begonnen. "Und wir bilden 80 Prozent unserer Fachkräfte selbst aus", sagt Schwarzl, der selbst eine Hauptschule besucht hat.

Defizite in Mathematik und Technik

104.000 Euro gibt ein NÖ-Industriebetrieb durchschnittlich für eine Lehrausbildung-Stelle aus. Das sei in der Regel mehr als ein Studium an einer öffentlichen Universität, sagt der Präsident der NÖ-Industriellenvereinigung Thomas Salzer. Trotz "überdurchschnittlicher Bezahlung" und "Top-Aufstiegschancen" ist das Rekrutieren von geeigneten naturwissenschaftlich-technischen Fachkräften nach wie vor eine Mammutaufgabe.

"Es gibt vor allem Defizite in Mathematik und Technik bei den Bewerbern", sagt Salzer. Durch die mangelhafte Qualifikation bleiben viele Stelle unbesetzt. Mit programmierbaren Bienen- und Legoroboter ab Kindergarten, Tablets und Co. wolle man das vernetztes Denken fördern und vor allem das Interesse an einer Lehre in der Industrie.

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-Online-Portal der "Industrie Niederösterreich": https://www.noeindustrie.at/ von der IV NÖ und der WKNÖ-Sparte Industrie für Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte