Westbahn halbiert für zwei Jahre ihr Angebot. Ab Fahrplanwechsel im Dezember ist die private Westbahn zwischen Wien und Salzburg nur mehr im Stundentakt statt bisher im Halbstundentakt im Einsatz. In Niederösterreich werden von der Westbahn die Halte St. Pölten und Amstetten angefahren.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 22. Juli 2019 (12:42)
NOEN, Edin Hodzic
Symbolbild

Konkret stellt die Westbahn ihre blaue Linie, die ab Wien Praterstern verkehrt, vorläufig ein. Die grüne Linie, also die Verbindung zwischen Wien Westbahnhof und Salzburg, bleibt aufrecht.

Der Hintergrund: Das private Bahnunternehmen verkauft seine gesamte Fahrzeugflotte, die 17 Garnituren umfasst, an die Deutsche Bahn. Im Gegenzug kauft die Westbahn 15 gebrauchte Garnituren vom schweizer Zughersteller Stadler. Die ersten neun Garnituren werden mit Fahrplanwechsel verkauft, die übrigen, sobald die Züge von Stadler geliefert wurden. Das werde spätestens 2021 soweit sein, kündigte Hans-Peter Haselsteiner, Hauptaktionär des Unternehmens, am Vormittag vor Journalisten in Wien an. Dann müsse sich das Unternehmen erneut um die Trassennutzung für die Strecke ab Praterstern bemühen, so der Westbahn-Eigentümer. Die Sitzplatzkapazität werde sich durch den Verkauf erhöht.

Hintergrund dieser Maßnahmen sind die hohen Verluste, die die Westbahn seit ihrer Entstehung im Jahr 2011 eingefahren hat. Diese hätten mittlerweile eine Höhe von 83 Millionen Euro erreicht, erklärt Haselsteiner. Durch den Verkauf der Flotte würden sich eine neue Finanzierungssituation ergeben. Über den Kaufpreis wollte Haselsteiner nichts verraten. Die neuen, gebrauchten Stadler-Garnituren kosten der Westbahn jedenfalls 292 Millionen Euro.

Haselsteiner und Westbahn-Chef Erich Forster, führen eine Reihe von Diskriminierungen an, die die Westbahn seit Betriebsstart im Jahr 2011 laut ihren Angaben erfahren musste. Haselsteiner übt in diesem Zusammenhang vor allem Kritik an der Staatsbahn ÖBB, die die Westbahn unter anderem mit zu niedrigen Preisen aus dem Markt drängen wolle.

Niederösterreichs Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (VP) reagierte bereits auf die Ankündigung der Westbahn. Er teilt in einer Aussendung mit: „Unser wichtigstes Ziel ist, die Auswirkungen durch die von der Westbahn angekündigten Maßnahmen gerade im Berufsverkehr, aber auch im Gesamtsystem möglichst gering zu halten. Wir nehmen diese Entscheidung der Westbahn Management GmbH mit Bedauern zur Kenntnis. Für unsere Bürgerinnen und Bürger entfällt somit leider ein gut angenommenes Angebot auf der Schiene. Die Expertinnen und Experten im Verkehrsverbund Ost-Region wurden von uns bereits beauftragt zu erheben, welche Auswirkungen die angekündigten Maßnahmen vor allem auf die Pendlerinnen und Pendler im Land haben. Sobald diese vorliegen, werden entsprechende Gespräche mit dem Bund, als größten Besteller von Verkehrsleistungen bei Eisenbahnverkehrsunternehmen – aber auch als Eigentümer der ÖBB, in Hinblick auf die Kapazitäten auf der Westachse geführt.“