Flughafen kann wohl dritte Piste bauen. Der Flughafen Wien kann voraussichtlich seine dritte Piste bauen. Vorstand Günther Ofner äußerte sich am Mittwoch froh, dass jetzt nach zwölf Jahren Verfahrensdauer ein positiver Umweltverträglichkeits-Bescheid in erster Instanz erlassen wurde.

Erstellt am 11. Juli 2012 (15:32)

Ofner und sein Kollege Julian Jäger sprachen von einem Wettbewerbsvorteil für Wien, denn in ganz Europa werden die Flughafenkapazitäten knapp. Ofner sieht keinen zwingenden Bedarf, für dieses Milliardenprojekt das Kapital zu erhöhen. Sollte allerdings frisches Kapital nötig werden, werde es auch kein Problem sein, es zu beschaffen. Hauptaktionäre des börsenotierten Flughafen Wien sind die Stadt Wien und das Land Niederösterreich.

Der 800-seitige Bescheid mit tausenden Seiten Beilagen werde aller Voraussicht nach am Freitag zugestellt sein, sagte Ofner. Ende August wird die Rechtsmittrelfrist auslaufen, "wir rechnen damit, dass es weitere Einwendungen geben kann", so Ofner. Dann werde der Umweltsenat einige Zeit brauchen. Somit könne es realistischerweise frühestens Ende 2013, möglicherweise Anfang 2014 eine definitive rechtskräftige positive Entscheidung geben.

WKÖ begrüßt Ok für dritte Piste
Der positive erstinstanzliche Bescheid für den Bau der dritten Piste auf dem Flughafen Wien stieß auch bei den Wirtschaftskammern Niederösterreich und Wien auf Zustimmung. In Aussendungen heben sie die (ökonomische) Bedeutung für den Airport hervor, der sich dadurch gegenüber der Konkurrenz in München, Frankfurt oder Zürich besser behaupten kann. Die dritte Piste würde den Wirtschaftsstandort Wien und seine Drehscheiben-Funktion zwischen Ost-, Mittel- und Westeuropa langfristig absichern. Ins gleiche Horn stößt man bei der Kammer in Niederösterreich. Präsidentin Sonja Zwazl bekundet "volle Zustimmung" zum Bescheid, den Ausbau der Piste zu genehmigen. Für den blauen Wiener-Landtagsabgeordneten Toni Mahdalik war die Bürgereinbindung "reine Augenauswischerei, denn das Ergebnis im Sinne der Flugverkehrslobby stand schon vor Beginn des Verfahrens fest".

Kritik kommt von der Oppositionspartei FPÖ, für die die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Piste von Beginn an eine Farce war und nur dazu gedient hat, die rechtliche Voraussetzung für den Bau der "Fluglärmpiste" zu schaffen. Die FPÖ geht davon aus, dass die Flugbewegungen von jährlich 260.000 auf 460.000 gesteigert werden. Das bedeute etwa im 23. Bezirk eine Vervierfachung der Starts. Insgesamt seien über 300.000 Menschen vom wachsenden Fluglärm betroffen. Nicht zuletzt seien auch "massive Einbußen bei der Lebensqualität und Wertminderungen bei Grundstücken und Wohnobjekten die Folge der dritten Piste", so FPÖ-Verkehrssprecher Toni Mahdalik am Mittwoch in einer Aussendung.