Airport investiert heftig: 160 Mio. Euro pro Jahr. Die Turbulenzen rund um Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin und ihre Österreich-Tochter Niki schlagen sich auch am Flughafen Wien nieder.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 20. Juni 2017 (12:45)
Flughafen Wien AG
Symbolbild

Die Gruppe wird heuer wohl um bis zu zwei Mio. Passagiere weniger in Wien abfertigen, ihr Anteil am Passagieraufkommen dürfte auf 8 Prozent fallen - vor wenigen Jahren waren es 20 Prozent, sagten die Flughafen-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner.

Die "sehr dramatische Entwicklung" bei Air Berlin werde aber von anderen Fluglinien aufgefangen, sagte Jäger am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die ersten fünf Monate des Jahres brachten trotzdem 6,7 Prozent Passagierplus. Einiges davon entfiel auf Billigcarrier von Easyjet bis Eurowings, aber auch die AUA holt auf und dürfte sich wieder der 50-Prozent-Marke beim Anteil an den Passagieren nähern. Vor kurzem lag die AUA bei 44 Prozent. Es zeichne sich ab, dass die ganze Lufthansa-Gruppe am Flughafen Wien bald auf 70 Prozent aller Passagiere kommen könnte - da liege es nahe, sich besonders um andere Airlines zu bemühen, sagte Jäger.

Jährlich 160 Mio. Euro Investitionen

Um vom Fluggeschäft, das starken Schwankungen unterliegt, weniger abhängig zu sein, investiert der Airport heftig - jährlich sollen es 160 Mio. Euro sein, über zehn Jahre 1,6 Mrd. Euro. Etwa 500 Mio. Euro werden in den Ausbau der Terminals fließen. Unter anderem soll die Gastronomie mit mobilen Angeboten erweitert werden. Auch das Einkaufsangebot wird erweitert. Mit Spar sei der Vertrag für den Supermarkt in der Ankunftshalle um fünf Jahre verlängert worden. Unter anderem soll es künftig möglich sein, dort per Handy einen Einkauf zu bestellen und den dann bei der Landung aus speziellen Boxen am Flughafenparkplatz abzuholen.

Auch sonst wird der Standort Flughafen Wien ausgebaut. Die Deutsche Post DHL, die ihre Expansion nach Österreich betreibt, wird auf rund 60.000 Quadratmetern bis zum Jahresende ein Logistikzentrum errichten, wobei in der ersten Ausbaustufe 250 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Mit einem weiteren, englischen, internationalen Unternehmen sei der Flughafen in Verhandlungen, die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses sei "sehr, sehr groß", sagte Ofner. Das Unternehmen sei zwar "kein unmittelbarer Brexit-Flüchtling", aber die Entscheidung habe "auch etwas mit der aktuellen politischen Situation in Großbritannien zu tun".

Weiter Kampf um 3. Piste

Mit unveränderter Vehemenz wirbt der Flughafen für den Bau der dritten Piste, der vom Bundesverwaltungsgericht (BVwG) untersagt worden war. Nun ist der Verfassungsgerichtshof (VfGH) am Zug, der im Juni das Thema behandeln wird. Selbst wenn der VfGH sich positiv ausspricht, wird das Rechtsverfahren noch einige Jahre dauern. Die Piste wird frühestens 2030 fertiggestellt sein, ist Ofner realistisch. Er verweist darauf, dass das Verfahren bisher 17 Jahre gedauert und für alle Beteiligten zusammen an die 100 Mio. Euro gekostet habe. Der Flughafen habe nur für Kopierkosten eine Mio. Euro ausgegeben. Für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) habe der Flughafen 10 Tonnen Papier eingereicht, inklusive Gutachten und Stellungnahmen umfasse der Akt wohl 30.000 Seiten.

"Wenn ein einzelner Mensch den Akt lesen will, braucht er zweieinhalb Jahre", so Ofner. Das zeige, dass der größte Teil sinnlos sei, weil er überhaupt nicht bearbeitet werden könne. Und nach dem langen, aufwändigen Verfahren habe der BVwG keine Bedingungen formuliert, die noch zu erfüllen wären, sondern de facto gesagt, das Projekt sei grundsätzlich nicht genehmigungsfähig.

Der BVwG hat in seinem Spruch den drohenden CO2-Ausstoß durch zusätzliche Flugbewegungen als relevanter eingestuft, als positive Effekte für den Arbeitsmarkt und die Regionalentwicklung und deshalb den Bau der dritten Piste untersagt. Auch wenn kurzfristig der Bedarf nach der dritten Piste nicht besteht, spätestens ab 2025 werde, vor allem bei Schlechtwetter, der Flughafen mit zwei Pisten nicht mehr das Auslangen finden, sagte Ofner heute wieder.

Die Besetzung des Aufsichtsrates sei eine Angelegenheit der Eigentümer, sagte Ofner auf Journalistenfragen. Für die Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern gebe es eine Altersgrenze von 70 Jahren, sonst aber keine Hausregeln. Darüber hinaus gelte das Aktienrecht. Grundsätzlich bestelle die Hauptversammlung die Aufsichtsratsmitglieder, die letzte HV war erst vor drei Wochen (am 31. Mai.). Für die Abwahl eines Aufsichtsratsmitgliedes brauche es eine qualifizierte Mehrheit (75 Prozent), wobei am Flughafen die Länder Niederösterreich und Wien je 20 Prozent halten, der Finanzinvestor IFM knapp 40 Prozent, die Mitarbeiterstiftung 10 Prozent. Die nächste Aufsichtsratssitzung des Flughafens ist im September.