Frankenkredite könnten Häuslbauer auf Kopf fallen. Der massive Anstieg des Schweizer Franken gegenüber dem Euro treibt so manchem Häuslbauer Sorgenfalten auf die Stirn. Rund 250.000 Österreicher haben Ende der 1990er Jahre einen Fremdwährungskredit in Schweizer Landeswährung aufgenommen, um sich ihr Eigenheim zu finanzieren. Das Gros der Frankenkredite ist endfällig - ein sehr riskantes Finanzierungsmodell, wie Konsumentenschützer kritisieren.

Erstellt am 28. Juli 2011 (09:47)

Der massive Anstieg des Schweizer Franken gegenüber dem Euro treibt so manchem Häuslbauer Sorgenfalten auf die Stirn. Rund 250.000 Österreicher haben Ende der 1990er Jahre einen Fremdwährungskredit in Schweizer Landeswährung aufgenommen, um sich ihr Eigenheim zu finanzieren. Das Gros der Frankenkredite ist endfällig - ein sehr riskantes Finanzierungsmodell, wie Konsumentenschützer kritisieren.

Neben dem Wechselkursrisiko besteht nämlich auch die Gefahr, dass der Tilgungsträger weniger abwirft als erwartet, am Ende der Laufzeit also zu wenig Geld da ist, um den Kredit zu bedienen. Verbraucherschützer sehen auch Banken und Finanzberater in der Verantwortung.

"Eigentlich war das eine Vorarlberger Erfindung und ist Ende der 1990er Jahre vom Westen in den Osten geschwappt", beschreibt Manfred Neubauer von der Arbeiterkammer Niederösterreich die Anfänge des Frankenkredit-Booms. "Die Banken haben damit gute Geschäfte gemacht und freie Finanzberater haben fette Provisionen kassiert." Denn fondsgebundene Lebensversicherungen, die bei endfälligen Krediten oftmals als Tilgungsträger fungieren, werfen laut dem Konsumentenschützer extrem viel für die Vermittler ab.

Einige Finanzberater hätten daher Modellrechnungen geschönt. "Ich kann als Berater an einigen Schrauben drehen. Wenn ich sage, der Tilgungsträger bringt jährlich 6 Prozent, muss ich weniger einzahlen als bei einer Rendite von 3 Prozent", erklärte Neubauer. Der Fremdwährungskredit erscheine so "wesentlich günstiger" als er im Endeffekt sei.

Vor allem im Zuge der Finanzkrise haben viele Tilgungsträger massiv an Wert eingebüßt. "Die Frage ist, ob sie das wieder aufholen können", sagte Thomas Hirmke vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zur APA. Ist aus heutiger Sicht zu erwarten, dass bei Fälligkeit des Kredits eine Lücke offenbleibt, sei anzuraten, schon jetzt zusätzlich anzusparen.

Gegen die momentane Frankenaufwertung gegenüber dem Euro können Kreditnehmer nicht viel machen - außer abzuwarten. "Jetzt zu konvertieren, wäre wirtschaftlich ein Wahnsinn, weil man den Währungsnachteil in voller Höhe mitnehmen würde", warnte Hirmke. "Dann habe ich einen viel höheren Betrag offen, als ich aufgenommen habe. Das können zigtausende Euro sein."

Umso problematischer sei es, wenn Banken nun ihre Kunden zu einer Konvertierung oder zum Nachbringen von Sicherheiten drängten. Gegen die sogenannte "Zwangskonvertierung" sind die Konsumentenschützer schon mehrfach auf die Barrikaden gestiegen, der VKI hat gegen zahlreiche Konvertierungsklauseln rechtliche Mittel ergriffen und auch schon einige Verfahren gegen Banken gewonnen.

Seit vergangenem Jahr dürfen heimische Banken übrigens keine neuen Fremdwährungskredite mehr vergeben, Nationalbank und Finanzmarktaufsicht (FMA) haben dies verboten.